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27.04.2001 - 

Nicht alle Anbieter sind von der Rezession in den USA betroffen

Konjunktur spaltet die Softwarebranche

MÜNCHEN (CW) - Bei den Softwareherstellern trennt sich die Spreu vom Weizen. Während die Marktführer gut abschneiden, müssen sich die Nischenanbieter Sorgen um ihre Zukunft machen.

"Ich glaube, dass wir eine globale ökonomische Rezession sehen - das ist weniger ein Problem als eine Tatsache", urteilte Tom Siebel anlässlich der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse seines Unternehmens. Siebel Software, führender Anbieter von Software für das Customer-Relationship-Management (CRM), konnte immerhin den Umsatz um 84 Prozent und den Gewinn um 118 Prozent steigern (siehe Kasten "Quartalsergebnisse") - ein Ergebnis, das die Analystenerwartungen übertraf.

Dennoch hat der Firmenchef verschiedene Schritte unternommen, um die Kosten im Unternehmen zu reduzieren. So wurden zehn Prozent der Mitarbeiter entlassen - und zwar diejenigen, die im Rahmen einer internen Beurteilung am schlechtesten abgeschnitten hatten. Betroffen waren etwa 800 Beschäftigte. Außerdem müssen die Manager vom Senior Vice President aufwärts mit 20 Prozent weniger Gehalt auskommen. So hofft das Unternehmen, seine Gewinnsituation im Griff zu behalten.

Optimistischer sieht dagegen die SAP AG in die Zukunft. Die Walldorfer legten wie Siebel ein gutes Quartalsergebnis vor, kommen dabei allerdings ohne drastische Sparmaßnahmen aus. Im Gegenteil: Seit Anfang des Jahres hat das Unternehmen 1000 neue Mitarbeiter eingestellt und trotzdem im ersten Quartal das Konzernergebnis auf 117 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahresquartal mehr als verdoppelt. Und auch in den nächsten drei Quartalen wollen die Walldorfer die Wachstumsrate des Vorjahres von 23 Prozent leicht übertreffen.

Die vergleichsweise schwache Präsenz in den konjunkturell kriselnden USA kommt SAP jetzt zugute. Dort erwirtschaften die Deutschen nur 36 Prozent ihres Umsatzes. Im abgelaufenen Quartal lief das Geschäft in der Neuen Welt erneut eher schlecht. Währungsbereinigt hat der Softwarehersteller seinen Lizenzumsatz jenseits des Atlantiks nur gehalten und nicht wie in Europa und Asien deutlich gesteigert. Damit wird das Gesamtumsatzwachstum von 29 Prozent sehr stark von Europa und Asien getragen.

Im CRM-Markt liegt SAP zurückZum ersten Mal hat SAP die verschiedenen Produktbereiche von Mysap.com wie CRM, SCM und Financials getrennt ausgewiesen. Hier zeigt sich, mit welch großem Abstand der Universalanbieter den Spezialisten in den Wachstumsmärkten hinterherläuft. So erzielte das Unternehmen mit Mysap CRM Lizenzumsätze von 67 Millionen Euro, während Siebel rund 335 Millionen Dollar (etwa 372 Millionen Euro) verbuchte.

Nicht ganz so düster sieht es beim Supply-Chain-Management (SCM) aus, also im Markt für Software zur Optimierung der Zulieferkette. SAP weist hier Softwareverkäufe in Höhe von 103 Millionen Euro im Quartal mit Mysap SCM aus, während es der Spezialist i2 Technologies auf Softwarelizenz-Einnahmen von 211 Millionen Dollar (234 Millionen Euro) bringt. Da SAP die Produkte erst seit diesem Jahr als Einzellösungen verkauft, lässt sich der Verkauf nicht mit Vorjahreszahlen vergleichen. Ob die Walldorfer also mittelfristig zu einer ernsthaften Konkurrenz für die Spezialanbieter werden, muss sich erst noch zeigen.

Trotz guter Umsätze verliefen die letzten drei Monate für i2 aber nicht ideal. Mit 774 Millionen Dollar Verlust im ersten Quartal - in diesem Ergebnis sind allerdings Abschreibungen auf die Übernahme der Softwareschmiede Aspect Development vom Juni letzten Jahres enthalten - ist das Unternehmen tief in die roten Zahlen gerutscht. Für den Vergleichszeitraum des Vorjahres konnte i2 noch einen Gewinn von zwölf Millionen Dollar vorweisen. Weil das Unternehmen auch im laufenden Quartal keine größere Belebung des Geschäfts erwartet und zudem seine Umsatz- und Gewinnerwartung für das Geschäftsjahr 2001 deutlich reduziert hat, sollen nun zehn Prozent der Mitarbeiter entlassen werden.

Und auch Commerce One will sparen - allerdings ohne genau zu sagen, wie. Der Hersteller von Software für elektronische Marktplätze erfüllte mit 170 Millionen Dollar Umsatz und 229 Millionen Dollar Verlust exakt die zuvor allerdings reduzierten Erwartungen. Rund 50 Prozent tragen mittlerweile Partner zum Lizenzumsatz bei - den Löwenanteil bringt die Kooperation mit SAP ein. Um dieses Geschäft weiter voranzutreiben, bringt der Hersteller eine neue Version von "Marketset" heraus, der gemeinsam mit SAP entwickelten Marktplatzlösung, die noch enger in Mysap.com integriert werden soll. Außerdem plant das Unternehmen, über eine Kooperation mit Microsoft seine Lösung für Microsofts .NET-Server zu optimieren.

Mit Ariba hatte auch der zweite große Anbieter von E-Procurement- und Marktplatzlösungen im Vorfeld der Ergebnissaison seine Gewinnerwartung reduziert. Zu Recht, wie sich nun zeigte: Zwar konnte das Unternehmen seinen Umsatz im abgeschlossenen Quartal um 126 Prozent auf 90,7 Millionen Dollar steigern, das Nettodefizit fiel jedoch mit einem Minus von 1,84 Milliarden Dollar kräftig aus. Allerdings sind in diesem Betrag Abschreibungen in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar auf die Übernahme von Tradex Technologies sowie Kosten für die letztendlich gescheiterte Akquisition von Agile Software enthalten. Ohne diese Aufwendungen bleibt aber immer noch ein stattliches Minus von 48,3 Millionen Dollar

Weder Ariba noch Commerce One legten nach ihren eher schwachen Ergebnissen ein exaktes Sparprogramm vor, wohl aber der profitable CRM-Spezialist Siebel. So werden der Hosting-Dienst Sales.com zum 30. Juni geschlossen, die Serviceangebote von zwölf auf fünf reduziert und Entwicklungsaktivitäten rund um eine Software für den Einzelhandel beschnitten. Außerdem wurde der Betrieb in einigen Bereichen außerhalb der USA eingestellt.

Inwieweit Deutschland von den angekündigten zehn Prozent Stellenstreichungen betroffen sein wird, konnte das Unternehmen auf Anfrage nicht sagen. Allerdings werden auch hierzulande die Mitarbeiter kritisch bewertet - mit welchen Folgen, ist nicht bekannt.

Software AGMit einem Umsatzwachstum von 35 Prozent im ersten Quartal 2001 gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem 94,5 Millionen Euro umgesetzt worden waren, trotzt auch die Software AG, Darmstadt, dem Branchentrend. Vor allem in den USA konnte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge zulegen. Dort hatte die Software AG aber vor kurzem ihre ehemalige Tochter Saga zurückgekauft. Seit dem 1. Februar ist der Deal perfekt und damit auch der Saga-Umsatz in das Ergebnis der Darmstädter eingerechnet. Das operative Ergebnis ist noch stärker gewachsen und liegt nach Angaben des Unternehmens deutlich über den Erwartungen.

Quartalsergebnisse-Commerce One steigerte seinen Umsatz gegenüber dem ersten Geschäftsquartal im Vorjahr um 386 Prozent auf 170 Millionen Dollar. Der Verlust in diesem Zeitraum betrug inklusive Sonderabschreibungen 229 Millionen Dollar, verglichen mit einem Minus von 44 Millionen Dollar im Vorjahr.

-Um 91 Prozent auf 357 Millionen Dollar stieg der Umsatz von i2 Technologies. Nach einem Gewinn von zwölf Millionen Dollar im Vorjahresquartal musste das Unternehmen nun auch wegen akquisitionsbedingter Abschreibungen einen Verlust in Höhe von 774 Millionen Dollar ausweisen.

-SAP erhöhte die Einnahmen in den ersten drei Monaten des Jahres um 29 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Der Nettoertrag stieg um 109 Prozent auf 117 Millionen Euro.

-Mit 589 Millionen Dollar nahm Siebel 84 Prozent mehr ein als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Beim Gewinn konnte das Unternehmen um 118 Prozent auf 77 Millionen Dollar zulegen.

-Ariba erzielte mit 90,7 Millionen Dollar 126 Prozent mehr als im vergleichbaren zweiten Fiskalquartal des Vorjahres. Kostspielige Übernahmen führten jedoch zu einem Nettoverlust von 1,84 Milliarden Dollar.