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14.08.1986 - 

DV-lndustrie sieht sich mit den Grenzen des Wachstums konfrontiert:

Konjunkturbarometer steht weiter auf "veränderlich"

MÜNCHEN (ujf) - Die Absatzflaute der Computerindustrie ist längst noch nicht ausgestanden. US-Marktforscher geben zu: Frühere Prognosen mit jährlichen Wachstumsraten zwischen 20 und 30 Prozent waren zu optimistisch. Die Gewinnentwicklung ist heute nur noch bei den Herstellern positiv, die sich ihre Marktnische gesucht oder Ballast abgeworfen haben.

Der wirtschaftliche Aufschwung, in den nicht zuletzt die DV-Hersteller ihre Hoffnungen gesetzt hatten, ist in den Vereinigten Staaten vorerst vertagt. Vor 1987 erwartet jetzt niemand mehr einen Boom. Als das US-Handelsministerium im Bericht über das zweite Quartal 1986 zugegeben hatte, daß die Wachstumsrate ledigIich bei 1,1 Prozent lag, blieb den Wall-Street-Analysten nichts anderes übrig, als ihre optimistischen Hochrechnungen über die Umsatz- und Gewinnaussichten der High-Tech-Konzerne zu revidieren. Das Marktforschungsunternehmen Dataquest prognostiziert der Computerbranche laut "Business Week" für dieses Jahr ein Umsatzwachstum von lediglich zwei Prozent.

Freilich berufen sich die meisten amerikanischen Analysten bei der Erklärung der Misere in erster Linie auf externe Faktoren -etwa die Malaise der Energiewirtschaft, das enorme Handelsbilanzdefizit der USA und die mangelnde Investitionsbereitschaft der Unternehmen - und weniger auf falsche Produktpolitik der Computeranbieter.

US-Firmen investiren real weniger als vor einem Jahr

Experten des Wirtschaftsministeriums in Washington fanden jetzt heraus, daß die Steigerung des Investitionsvolumens im ersten Halbjahr 1986 um 1,3 Prozent hinter der Inflationsrate herhinkte, daß also real an Maschinen und Software weniger gekauft wurde als im Vorjahr. Analysten der Wirtschaftsforschungsfirma Data Resources Inc. (DRI) stoßen ins selbe Horn: Sie rechnen für das gesamte Jahr 1986 mit einem wertmäßigen Zuwachs von nur noch 3,5 Prozent; vor zwei Jahren habe dieser Satz 20 und 1985 immerhin noch 10 Prozent betragen, also deutlich über dem Niveau der Preissteigerung gelegen.

Nach Ansicht des US-Wirtschaftsministeriums halten die Unternehmen unter anderem deshalb ihr Geld zurück, weil sie erst abwarten wollen, wie sich die geplante Steuerreform auswirkt. Einen Grund sehen die Experten der Behörde aber auch im Sicherheitsdenken der Firmenvorstände: Da die Gewinne der Betriebe allgemein sehr schmal geworden seien, stellten die Manager alle nicht lebensnotwendigen Investitionsentscheidungen lieber erst einmal zurück, wohl um die Aktionäre nicht zu provozieren.

Die abwartende Haltung der Wirtschaft macht inzwischen den meisten DV-Anbietern zu schaffen; sogar "IBM" Aura der Unverletzbarkeit schwindet", wie dieser Tage ein Wirtschaftsdienst meldete (vgl. auch CW Nr. 30, Seite 1). Dank ihrer umfangreichen internationalen Aktivitäten können viele amerikanische Hersteller zwar noch höhere Umsätze ausweisen, doch ihre Gewinne schrumpfen. Daran vermag auch der billige Dollar wenig zu ändern, solange Computer über den Preis verkauft werden, zumal die Japaner zusätzlichen Druck auf den US-Markt ausüben.

Einheitlich düster ist das Bild allerdings nicht. So kann, während die IBM auf einen weiteren Jahresabschluß mit Ertragseinbuße zusteuert, Digital Equipment das beste Jahresergebnis der Firmengeschichte vorweisen. Mit 238,6 Millionen Dollar brachte der VAX-Hersteller von April bis Juni fast 138 Prozent mehr Reingewinn in die Scheuern als im Vorjahreszeitraum. Branchenbeobachter schreiben DECs gute Performance einer Produktpolitik zu, die stärker am Markt und am Anwender orientiert sei als die von Big Blue.

Mehr als verdoppelt: Cray, Sun, Microsoft

Mehr als verdoppelt haben ihren Profit auch Cray, Sun Microsystems und Microsoft (siehe Tabelle). Apple und Wang schreiben wieder schwarze Zahlen, während bei der nordamerikanischen Philips-Tochter rote Tinte aktuell ist.

Wesentlich schlechter als im Vorjahr schnitten auch die Mainframer Honeywell, Amdahl und Sperry ab, ferner der OEM-Mikro-Bauer Convergent Technologies oder das Datenbankhaus Adage. Sogar der Mini-Produzent Prime, der sich gerne darauf beruft, er könne gar nicht so viel liefern, wie bestellt werde, und HP, ebenfalls bisher recht resistent gegen Konjunktureinbrüche, mußten Federn lassen.

Burroughs' Gewinn geht nach oben, Sperrys sinkt

Charakteristische Entwicklungen für bestimmte Produktgruppen sind allerdings kaum zu beobachten. Individuelle Faktoren schlagen weitaus kräftiger auf die Zwischenbilanzen durch. Ein Beispiel: Burroughs legte beim Gewinn über 40 Prozent zu, während Sperrys Rendite um 86 Prozent zurückging. Dieser Einbruch wäre ohne die Kosten in Höhe von 37,6 Millionen Dollar, die im Vorfeld 1 der Übernahme durch Burroughs angefallen sind, natürlich nicht gar so dramatisch ausgefallen. Aber Sperrys Umsätze gehen zur Zeit zurück.

Ähnliche Diskrepanzen zeigen die Netzwerk-Spezialisten Ungermann-Bass und Novell: Ersterem fehlen 5,2 Millionen Dollar am Vorjahresergebnis, so daß ein Defizit von 3,9 Millionen herausgekommen ist. Letzterer verbesserte den Profit von 800 000 auf zwei Millionen Dollar. Im Halbleitermarkt glänzt das langjährige Sorgenkind, nämlich Texas Instruments, momentan mit kräftigen schwarzen Zahlen, und Motorola hat sogar einen gewaltigen Sprung von 26 auf 55 Millionen Dollar geschafft. Ein TI-Sprecher gab allerdings zu, die gute Ertragslage sei den Auslandsaktivitäten zuzuschreiben. In Amerika habe man wie der Rest der Chip-Branche mit Verlust gearbeitet. Intel, National Semiconductor und AMD litten wie schon in den vergangenen-Quartalen unter den Folgen der rücklaufigen Rechnerauslieferungen und der fernöstlichen Billigkonkurrenz bei Speicherchips.

Gleichzeitig mit den US-Firmen, die in jedem Quartal ihre Zahlen auf den Tisch legen müssen, veröffentlichten die größeren europäischen DV-Unternehmen ihre Ergebnisse - allerdings als Halbjahresdaten. Die Nixdorf AG etwa gibt sich angesichts einer Umsatzsteigerung um 18 Prozent bei 15 Prozent mehr Auftragsbestand zuversichtlich, auch ihren Jahresüberschuß steigern zu können. Die Vermutung jedoch, daß das Wachstum allein dem traditionellen Produktspektrum und den Dienstleistungen zu verdanken ist, dementiert der Konzern nicht.

Sanierte Europäer melden wieder saftige Gewinne

Die britische ICL, Tochtergesellschaft der langsam wieder genesenden STC plc, legte beim Gewinn 64 Prozent zu und verdiente im ersten Halbjahr 43 Millionen Pfund. Die Bull-Gruppe in Frankreich hat ebenfalls die Talsohle durchschritten. Sie beziffert ihren konsolidierten Reingewinn für den besagten Zeitraum auf 144 (39) Millionen Francs. Der Mikro-Veteran Victor Technologies, erst vor knapp zwei Jahren von dem Schweden Mats Gabrielsson vor der Pleite gerettet, veranschlagt die Gewinne seiner europäischen Töchter - allerdings vor Steuern - auf fünf bis sechs Millionen Dollar.