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05.10.2001 - 

2300 Mitarbeiter müssen gehen

Konjunkturflaute trifft AMD hart

MÜNCHEN (wh) - Advanced Micro Devices (AMD), einziger ernst zu nehmender Konkurrent Intels, kämpft mit Problemen. Um Kosten zu sparen, trennen sich die Kalifornier von 2300 Mitarbeitern und schließen zwei Halbleiterwerke. Mit dem PC-Direktvertreiber Gateway hat die Chipschmiede zudem einen weiteren Großkunden verloren.

Die Luft wird dünner für den ambitionierten Intel-Rivalen. Nach IBM und Micron hat nun auch der texanische Direktvertreiber Gateway gemeldet, künftig keine AMD-Prozessoren mehr in seinen Rechnern zu verbauen. Für Unternehmenschef Jerry Sanders kam die Ankündigung zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Am selben Tag hatte er erklären lassen, dass sich AMD bis zum Ende des zweiten Quartals 2002 von 2300 Mitarbeitern trennen wird, rund 15 Prozent der Belegschaft.

Der Aktienkurs stürzte nach den Meldungen um rund sieben Prozent auf 9,12 Dollar ab. In den vergangenen zwölf Monaten hat das Papier 65 Prozent seines Wertes verloren. Sanders will das Unternehmen künftig ganz auf die Kernbereiche PC-Prozessoren und Flash-Speicherchips ausrichten.

Doch die Probleme der Halbleiterschmiede sind vielfältig: Der gnadenlose Preiskrieg bei PC-Prozessoren, verschärft noch durch den weltweiten Konjunkturabschwung, die schwache Präsenz im Profimarkt und die schwindende Unterstützung großer PC-Hersteller machen AMD zu schaffen.

Schon im zweiten Geschäftsquartal brach der Gewinn gegenüber dem ersten Quartal um 86 Prozent ein, die Umsätze sanken um 17 Prozent. Konkurrent Intel scheint die Konjunkturflaute besser zu verkraften: Der Umsatz ging lediglich um fünf Prozent zurück, die Gewinne sanken um 22 Prozent auf 854 Millionen Dollar. Für die laufende dritte Abrechnungsperiode (Ende: 30. September) erwartet AMD einen weiteren Umsatzrückgang um 15 Prozent auf 837 Millionen Dollar; Analysten rechnen mit Verlusten.

Noch im vergangenen Geschäftsjahr konnte sich der Intel-Herausforderer nach einer vierjährigen Durststrecke erstmals wieder über ein positives Nettoergebnis freuen. Seitdem ging es bergab. Jetzt schließt AMD seine ältesten Halbleiterfabriken Fab 14 und Fab 15 im texanischen Austin, hinzu kommen drastische Einschnitte am malaysischen Standort Penang. Die Maßnahmen sollen zu jährlichen Kosteneinsparungen von rund 125 Millionen Dollar führen. Für damit zusammenhängende Restrukturierungen verbucht das Unternehmen im dritten Geschäftsquartal außerordentliche Aufwendungen in Höhe von 80 bis 110 Millionen Dollar.

Dresdner Werk nicht betroffenDie rund 1750 Beschäftigten im Dresdner Werk sind laut Pressesprecher Jens Drews nicht von den Einsparungen betroffen. AMD fertigt dort sämtliche Hochleistungs-CPUs. Dazu gehören die "Athlon"-Familie, deren Nachfolger (Codename "Palomino") und die für nächstes Jahr geplante "Hammer"-Serie. Der Standort Dresden sei jedoch nicht abgekoppelt von der schwierigen Situation des Gesamtunternehmens, schränkt Drews ein. Auch in Deutschland gelte es, die Kosten im Griff zu behalten.

In den betroffenen Werken in Austin produziert AMD keine Prozessoren, sondern programmierbare Halbleitermodule (Programmable Logical Devices = PLDs) und Kommunikationsbausteine für externe Kunden aus dem Telco-Sektor.

Mit der Konzentration auf Kernkompetenzen hofft AMD auf die Wende. Auslöser für die rasante Talfahrt ist allerdings in erster Linie der mörderische Preiskrieg, den sich der Chipanbieter mit Intel liefert. Im August kündigte Sanders eine Preissenkung um satte 49 Prozent auf Prozessoren an. Intel reagierte prompt und warf seine Produkte um bis zu 54 Prozent billiger auf den Markt.

Die anhaltende Krise im Chipmarkt verschärft die Situation. "In der Halbleiterbranche erleben wir den schlimmsten Downturn seit dem Bestehen", sagt Drews. Nach dem Höhenflug im Jahr 2000 falle der Markt nun umso tiefer in die Krise. So sei beispielsweise die Nachfrage nach Flash-Speichern, die im zweiten Geschäftsquartal 32 Prozent der AMD-Umsätze ausmachten, dramatisch eingebrochen. Im dritten Quartal sei mit einem Rückgang um fast ein Drittel zu rechnen.

Den dicksten Umsatzbrocken erzielt AMD aber nach wie vor mit dem Verkauf von PC-Prozessoren. Deren Anteil hat sich im Vergleich zum ersten Quartal 2000 von 50 auf 60 Prozent erhöht. Doch auch die PC-Hersteller reagieren auf den Abschwung mit Sparmaßnahmen. So begründet etwa Gateway seine Abkehr von AMD unter anderem mit Einsparungen, die sich durch eine Vereinheitlichung der Produkte sowie eine geringere Anzahl von Zulieferern ergeben. Die Entscheidung des PC-Versenders trifft die Sanders-Company hart: Nach Analystenschätzungen verliert sie damit fast sechs Prozent ihrer CPU-Verkäufe.

Für AMD stellt sich die bange Frage, ob Gateway der letzte abtrünnige Großkunde bleibt. Von den fünf größten PC-Herstellern kann das Management nur noch auf Compaq und HP setzen, zwei Unternehmen, die, falls ihre geplante Fusion zustande kommt, ihre Produktlinien in weiten Teilen konsolidieren werden müssen.

Hierzulande nutzt Compaq AMD-Prozessoren in seinen Consumer-PCs der "Presario"-Serie; für Business-PCs verwenden die Texaner seit jeher Intel-CPUs. Ob AMD weiter im Boot bleibt, hängt laut Compaq-Sprecher Herbert Wenk von der Nachfrage der Kunden ab. Im Fall der Presario-PCs sind dies in erster Linie PC-Händler. "Wenn ein Großabnehmer wie Media Markt einen günstigen PC mit AMD-Prozessor von uns will, bekommt er ihn auch." Inwieweit sich dies nach dem Merger mit HP ändern könnte, sei schwer zu beantworten. Auch HP greift für seine Consumer-PCs "Pavilion" auf AMD-CPUs zurück. Derzeit gebe es keine anderweitigen Pläne, so ein Produktmanager. Business-PCs arbeiten ausnahmslos mit Intel-CPUs.

Auf dem europäischen PC-Markt bleibt für AMD immerhin noch Fujitsu-Siemens als großer Abnehmer. Auch die Münchner verbauen die Chips vor allem in ihren Consumer-PCs. Im Rahmen von Projekten könnten laut Sprecher Lothar Lechtenberg auch Unternehmenskunden AMD-basierte Rechner ordern. Dies sei jedoch die Ausnahme.

Ausgerechnet im margenträchtigen Profigeschäft tut sich AMD also schwer. Analysten schätzen den Anteil der in Deutschland ausgelieferten kommerziell genutzten PCs mit AMD-Prozessoren auf magere zwölf bis 15 Prozent. Eigentlich verfüge man erst seit Produktionsbeginn in Dresden im Oktober 1999 über adäquate Produkte, begründet Drews das schwache Abschneiden.

Schwieriger ProfimarktNicht nur die ostdeutsche Belegschaft setzt deshalb große Hoffnungen in den Athlon-Nachfolger Palomino und die für die zweite Jahreshälfte 2002 geplante Hammer-Familie. Letztere sei speziell auf den Server- und Workstation-Markt ausgerichtet. Mit der Variante "Sledgehammer" etwa will AMD erstmals Server mit vier bis maximal acht Prozessoren unterstützen. Ob es dazu auch einen passenden Chipsatz von AMD geben wird, möchte Marketing-Manager Jan Gütter vorerst nicht verraten.

Technik allein reicht nichtDennoch schätzen Experten die Bemühungen im Highend-PC- und Server-Markt kritisch ein. Zwar kann AMD in technischer Hinsicht durchaus mit dem Branchenprimus mithalten. Etliche Benchmark-Tests belegen etwa, dass die Athlon-CPUs vergleichbaren Intel-Pendants in einigen Anwendungen überlegen sind. Ein Dual-Prozessor-fähiger Chip, "Athlon MP" samt Chipsatz "AMD-760 MP", ist verfügbar. Doch das Problem liegt woanders: "Die entscheidende Frage ist, ob es AMD mit seinen Produkten in die Business-Produktlinien von HP und Compaq oder IBM schafft", glaubt Gartner-Analyst Brian Gammage. "Bisher ist das nicht gelungen."

Im Server-Markt sind die Eintrittsbarrieren noch höher, so Gammage gegenüber der CW. Hinzu komme, dass AMD die hart erarbeiteten Preis-Leistungs-Vorteile schon wieder eingebüßt habe. Im August holte sich Intel mit der Zwei-Gigahertz-Version des Pentium 4 die Leistungskrone zurück. AMD reagierte mit der Einführung des so genannten Performance-Ratings. Demnach wird die für Oktober geplante Prozessorgeneration nicht mehr nach der Taktrate benannt, sondern nach einem relativen Leistungswert im Vergleich zu Intel-CPUs.

Einen ähnlichen Marketing-Schachzug hatten AMD und der einstige Intel-Rivale Cyrix vor einigen Jahren schon einmal vollführt - ohne Erfolg. Das damalige P-Rating setzte sich nicht durch. Mit dem neuen Performance-Rating falle AMD in alte Strategien zurück und befestige nur das Image des Lowend-Anbieters, argumentieren Kritiker.

Für Gammage sind solche Überlegungen nicht ausschlaggebend. Der Server-Markt sei schon allein deshalb schwer zu knacken, weil alle bedeutenden Hersteller eng mit Intel kooperierten, wenn es um die IA-64-Architektur gehe: "Keiner von denen wird seine Geschäftsbeziehung zu Intel riskieren."