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03.08.2001 - 

Fast 600 Millionen Euro Verlust im dritten Quartal

Konjunkturflaute zwingt Infineon zu Entlassungen

MÜNCHEN (CW) - Nachdem Infineon Technologies erstmals seit der Ausgliederung aus dem Siemens-Konzern hohe Verluste verbuchte, hat Unternehmenschef Ulrich Schumacher harte Einschnitte angekündigt: Die Münchner streichen 5000 Stellen und wollen in den kommenden zwölf bis 18 Monaten rund eine Milliarde Euro sparen.

Die Euphorie nach dem furiosen Börsendebüt ist Geschichte; Infineon bekommt den Abschwung im Halbleitermarkt zu spüren. Im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal muss die ehemalige Siemens-Sparte einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) in Höhe von 598 Millionen Euro verkraften. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum standen noch 366 Millionen Euro Gewinn in den Büchern. Der Umsatz ging im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro zurück.

Wenige Tage nach Bekanntgabe der Zahlen bestätigte das Unternehmen Meldungen über einen geplanten Personalabbau. Weltweit streicht der Konzern 5000 Stellen - rund 15 Prozent der Belegschaft - und führt Kurzarbeit ein. Im Rahmen des Umstrukturierungsprogramms Impact will das Management innerhalb der nächsten zwölf bis 18 Monate rund eine Milliarde Euro einsparen.

Eine Unternehmenssprecherin widersprach Meldungen der Gewerkschaft IG Metall, denen zufolge die meisten Arbeitsplätze in Bayern wegfallen sollen. In welchen Unternehmensteilen und -standorten Mitarbeiter entlassen werden, sei noch nicht entschieden. Die bereits angekündigten Sparmaßnahmen betreffen die Bereiche Einkauf, Logistik, Informationstechnologie und Fertigung. Nach Ansicht einiger Marktbeobachter bleibt die Infineon-Division für Speicherchips (DRAMs) unangetastet. Für solche Komponenten plant der Konzern eine Fabrik in Dresden, in der die Produktionskosten um 30 Prozent niedriger sein sollen.

"Nachdem sich nach wie vor keine erkennbare Erholung am Halbleitermarkt abzeichnet, haben wir den Aufsichtsrat am 25. Juli darüber informiert, dass zusätzliche und umfangreiche Einschnitte gegenüber dem bereits verabschiedeten Kostensenkungsprogramm erforderlich sind", begründete Infineon-Chef Schumacher die Maßnahmen. "Die dramatische Marktentwicklung und unsere daraus resultierende Geschäftslage lassen uns keine andere Wahl."

Infineon gehe davon aus, dass der weltweite Halbleitermarkt 2001 im Vergleich zum Vorjahr um 60 Milliarden Dollar abnehmen werde. Dieser Abschwung sei außergewöhnlich. Die US-amerikanische Herstellervereinigung Semiconductor Industry Association (SIA) rechnet laut einer im Juni publizierten Untersuchung zwar mit einer Erholung des Marktes bereits ab Ende des dritten Quartals, schlimmstenfalls ab Anfang 2002. Im laufenden Jahr dürften die Umsätze jedoch weltweit um durchschnittlich 14 Prozent sinken, was als historisches Tief seit 1985 gilt.

Die Nachfrageschwäche im Halbleitersektor betrifft alle Marktsegmente, in denen Infineon tätig ist. Allein die Abschreibungen von Lagerbeständen kosteten die Münchner im dritten Quartal 209 Millionen Euro. Obwohl der Umsatz mit Speicherprodukten um 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 332 Millionen Euro absackte, ist das Segment weiterhin die stärkste Einnahmequelle, gleichzeitig aber auch der Bereich, der die höchsten Verluste verursachte. Das Geschäft mit Speicherchips wies im abgeschlossenen Quartal ein Minus von 340 Millionen Euro aus.

Auch die anderen Geschäftsbereiche von Infineon schnitten schlecht ab. Wegen des schwachen Mobilfunkmarktes wurden etliche Aufträge storniert. So verzeichnete der Konzern im Bereich drahtlose Kommunikation einen Umsatzrückgang um 41 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und ein Minus von 176 Millionen Euro. Einzig im Segment Automobil- und Industrieelektronik ergab sich ein Umsatzzuwachs und ein Vorsteuergewinn (Ebit) von 38 Millionen Euro.

Ob der Hersteller angesichts der unsicheren Marktprognosen bereits im nächsten Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben wird, bezweifeln mittlerweile einige Analysten. Für den Siemens-Konzern, der noch 51 Prozent der Infineon-Anteile hält, bedeutet der Einbruch eine zusätzliche Belastung des ohnehin verhagelten Ergebnisses.