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14.04.1995

Konkurrenz belebt das Geschaeft

CW: Vor acht Monaten hat Oracle die Datenbank "rdb" von Digital Equipment gekauft. Wie viele neue Kunden haben Sie seither gewinnen koennen?

Lane: Das weiss ich nicht. Aber es koennen nicht viele sein, da wir dafuer keine aggressive Vertriebspolitik fahren. Zwar ermutigen wir unsere rdb-Kunden dazu, weitere Lizenzen zu erwerben - das naechste Release ist geplant -, doch das System wird mit unserer Oracle- Datenbank zu einem Produkt verschmelzen. Alle Features, die wir fuer gut erachten, werden in Oracle integriert. Schon jetzt erstatten die rdb-Entwickler derselben Person Bericht wie die "Oracle-7"-Verantwortlichen. Zwar muessen die Produkte noch fuer vielleicht fuenf Jahre getrennt weiterentwickelt werden, schliesslich stammen sie aus unterschiedlichen Architekturen, doch werden sich die Releases immer mehr aehneln.

CW: Oracle ist mit seinem Multimedia-Autoren-Tool und dem "Media Server" an einigen Pilotprojekten zum interaktiven Fernsehen beteiligt. Wieviel werden Sie in dieses multimediale Geschaeft investieren?

Lane: Ich schaetze, zehn bis 15 Millionen Dollar pro Jahr bei einem Gesamtaufwand fuer Forschung und Entwicklung von rund 250 Millionen Dollar. Allerdings stellen wir unseren Kunden Berater zur Verfuegung, die bei der Entwicklung von Applikationen behilflich sind - und das ist ein sehr eintraegliches Geschaeft. Doch eigentlich sorgen wir uns weniger um die Finanzierung der neuen Technologie, das wichtigste ist, dass wir dieses Rennen gewinnen. Entscheidungen, die zu diesem Zeitpunkt getroffen werden, koennten eine Standardisierung einleiten.

CW: Inwieweit ist Oracle in die Multimedia-Projekte der deutschen Telekom involviert?

Lane: Wir bieten in Muenchen und Nuernberg mit.

CW: Wieviel soll dem Endkunden interaktives Fernsehen letztlich wert sein?

Lane: Meiner Meinung nach laesst sich das Verbraucherverhalten nur langsam aendern. Von den etwa 250 Millionen Amerikanern werden in fuenf Jahren vielleicht 20 Millionen diese Services in Anspruch nehmen, also zwischen zehn und 15 Prozent. Davon bezahlt jeder das, was er nutzt.

CW: Laut Powersoft nutzen 30 Prozent ihrer 100 000 Kunden Oracle als Back-end-Server. Wie gestaltet sich das Verhaeltnis zu Powersoft, seit das Unternehmen dem Konkurrenten Sybase gehoert?

Lane: Wahrscheinlich haben unsere Vertriebsleute Angst, "Powerbuilder" anzuraten; ihre Empfehlung koennte in einer Sybase- Datenbank enden. Powerbuilder ist nicht schlecht und generiert einen Umsatz von vielleicht 100 Millionen Dollar. Wir erzielen mit CDE schon heute rund 350 Millionen - dreieinhalbmal soviel wie Powersoft. Auf der Windows-Schiene haben wir gerade Guptas "SQL Windows" ueberholt. Zwei Quartale noch, und wir ueberbieten Powersoft.

CW: Aus europaeischer Sicht war die Applikationssoftware bisher das Stiefkind von Oracle. Mit dem Erfolg von SAPs R/3 ist eine neue Wettbewerbssituation entstanden.

Lane: Wenn ein so starker Wettbewerber wie die SAP das Feld betritt, dann wird man ganz ploetzlich aus der Zufriedenheit herausgerissen und ins Unglueck gestossen. Als wir ohne SAP- Konkurrenz waren, brauchten unsere Produkte weder grafische Oberflaechen noch europaspezifische Anpassungen.

CW: Neben Oracle unterstuetzt SAP mit R/3 seit 1994 auch die Datenbanken von Informix und der Software AG. Zuvor basierten etwa 90 Prozent der R/3-Installationen auf Oracle.

Lane: Das koennen wir spueren. Der SAP-Vertrieb scheint die Konkurrenz von Oracle im Bereich Anwendungen zu fuerchten. Sie moechten ihren Kunden weismachen, dass die Datenbank fuer den Einsatz der Applikation keine Rolle spielt. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist Oracle lediglich die teurere Alternative zu Informix. Allerdings wird SAP niemals von all den technischen Features und Vorteilen profitieren koennen, die tief in dem Datenbanksystem verankert sind, denn sie koennen nicht fuer jede Datenbank eine eigene Applikation bauen. Oracle-Anwendungen werden dagegen niemals auf Sybase oder Informix laufen.

CW: Viele Unternehmen setzen aber Datenbanken von mehr als einem Hersteller ein.

Lane: Wenn das fuer unsere Kunden bedeutsam sein sollte, werden wir sie verlieren.

Mit Ray Lane, Executive Vice-President der Oracle Corp., sprach CW-Redakteurin Ulrike Litzba.