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26.05.2000 - 

Deutschland ist im internationalen Vergleich Mittelmaß

Konkurrenz der Telekom fühlt sich im Ortsnetz ausgebootet

26.05.2000
MÜNCHEN (pg) - Die Bandagen im Kampf um die letzte Meile werden härter. Das bewies auch der vom Münchner Kreis veranstaltete Kongress "Zugangsnetze im Wettbewerb". Während die Telekom hartnäckig ihre Pfründe verteidigt, drängen ihre Konkurrenten auf mehr Freiheit im Ortsnetz und hoffen auf Schützenhilfe des Regulierers.

Es hat schon Tradition. Wenn der wissenschaftliche Elitezirkel "Münchner Kreis" ruft, lassen sich die Geladenen nicht lange bitten. So kam es, dass der Chef der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP), Klaus-Dieter Scheurle, höchstpersönlich Rede und Antwort zur Wettbewerbssituation in Deutschland stand. Scheurle zeigte sich dabei mit der Marktentwicklung bei Ferngesprächen zufrieden, machte aus dem Nachholbedarf auf der letzten Meile jedoch keinen Hehl. Der Chefregulierer brachte es auf den einfachen Nenner: "Im internationalen Vergleich ist Deutschland nicht besonders gut, aber auch nicht absolut schlecht."

Nach Ansicht Scheurles stehen die Weichen nach zwei Jahren der Liberalisierung mit Schwerpunkt Fernverkehr nun eindeutig auf Wettbewerb im Ortsnetz. Er untermauerte seine Meinung mit Zahlen der Reg TP. Der Statistik zufolge buhlen in rund 50 Prozent der deutschen Großstädte mit über 100000 Einwohnern mindestens zwei Anbieter um die Gunst der Privat- und Geschäftskunden. Außerdem unterhält die Telekom mit 77 Anbietern hierzulande Verträge über die Schaltung von Teilnehmeranschlussleitungen. Diese Provider haben laut Scheurle Zugang zu 1000 der insgesamt 8000 Teilnehmervermittlungsstellen. Da es sich dabei logistisch um die interessantesten Vermittlungseinheiten handelt, sind laut Reg TP 40 Prozent aller Teilnehmeranschlüsse in Deutschland erreichbar. Nach Schätzung der Bonner Behörde werden derzeit rund fünf Prozent der Verbindungsminuten im Ortsnetz von alternativen Carriern vermittelt.

Für Harald Stöber, der als Geschäftsführer der Mannesmann Arcor AG und Vertreter des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VTAM) auf dem Kongress in München das Wort ergriff, ist die Marktaufteilung im Ortsnetz absolut unbefriedigend. Nach Berechnung des VTAM vereinen die Konkurrenten der Telekom gegenwärtig nur zwei bis drei Prozent der angeschlossenen Kunden auf sich. Die Schuld an dieser schlechten Quote gibt Stöber in erster Linie der Telekom, die mit ihrer Hinhaltetaktik versuche, 13 Millionen Haushalte dem Preselection-Verfahren der Wettbewerber zu entziehen.

Diesen Vorwurf mochte Hans-Willi Hefekäuser, Leiter des Zentralbereichs Ordnungs- und Wettbewerbspolitik bei der Telekom, nicht auf seinem Arbeitgeber sitzen lassen. "Immer dann, wenn es der Telekom gelingt, pfiffige Tarife anzubieten, beklagt sich der Wettbewerb sofort bei Herrn Scheurle und in Brüssel", kritisierte Hefekäuser das Verhalten der Konkurrenten und fügte hinzu: "Es geht nicht an, immer alles sofort wieder wegzuregulieren." Dies berge die Gefahr, bei den Wettbewerbern eine "Hängematten-Mentalität" zu fördern. Der Grundsatz, je mehr Regulierung, desto mehr Wettbewerb, sei falsch. Nötig sei keine intensive, sondern eine richtige Regulierung.

Nach Ansicht des Vertreters der Telekom findet in den deutschen Ortsnetzen bereits ein gehöriger Konkurrenzkampf statt. Als Beispiel für eine solche alternative Technologie nannte Hefekäuser den Richtfunk. Die schnelle Vergabe von Lizenzen habe dem Wettbewerb einen immensen Schub gegeben. Außerdem würden City-Carrier wie Colt Telecom, Hansenet oder Netcologne für sehr viel Druck im Markt sorgen. "Das nennen wir Wettbewerb, wenn auch nicht in Übereinstimmung mit dem Präsidenten der Regulierungsbehörde", sagte Hefekäuser.

Wettbewerbshüter Scheurle kündigte in München jedenfalls für Ende des Jahres eine genau Revision der Liberalisierung an. Seine Behörde werde dann prüfen, ob die vorhandenen Instrumente, die das TK-Gesetz vorgibt, ausreichende Wirkung zur Öffnung des Marktes haben. Aus Sicht der Telekom kann sich Scheurle diese Arbeit sparen. Die Chance zum Wettbewerb in den Ortsnetzen liege, so Hefekäuser, in der Existenz alternativer Netze. Er forderte die Konkurrenten auf, selbst Infrastrukturen zu schaffen. Wer von den Wettbewerbern das monatliche Entgelt in Höhe von 25,40 Mark für die Kupferader zum Endkunden beklage und behaupte, ein Tarif von sechs bis acht Mark sei machbar, der könne auch selbst Leitungen zum Kunden legen, argumentierte der Telekom-Stratege in München.

Mit dieser Aussage erntete Hefekäuser jedoch nur ein Kopfschütteln von Arcor-Chef Stöber. Der entbündelte Teilnehmeranschluss - sprich das Kupferkabel - sei der Schlüssel zum Erfolg im Ortsnetz, erwiderte Stöber. Mit anderen Techniken, wie zum Beispiel dem Richtfunk, könne man zwar die letzte Meile überbrücken und Geschäftskunden, nicht aber Lieschen Müller adressieren. Außerdem sei es aus Zeitgründen nicht möglich, dass jeder Carrier eine Schaufel in die Hand nehme und seine Leitungen vergrabe, wies er die Aufforderung Hefekäusers zurück, selbst für die Infrastruktur zu sorgen.

Stöber konterte ferner, die meisten Anbieter würden den Teilnehmeranschluss der Telekom sicher nicht wegen günstiger Einkaufspreise in Anspruch nehmen. Triebfeder sei vielmehr der Zeitdruck, denn wer heute nicht im Zugangsgeschäft vertreten sei, habe verspielt. "Wir haben ein Einkaufs- und kein Verkaufsproblem", brachte der Arcor-Boss das Dilemma auf den Punkt.

Noch kritischer als die Einkaufspreise sind nach Ansicht Stöbers jedoch die nicht tarifbedingten Probleme mit der Telekom. In diesem Zusammenhang beklagte er zum Beispiel, dass sich der Ex-Monopolist nicht in der Lage sehe, den Zeitpunkt der Umschaltung des Teilnehmeranschlusses zu nennen. Die Folge: Wechselwillige Kunden können mitunter Stunden oder Tage nicht telefonieren und glauben, die Ursache liege bei ihrem neuen Provider. Als weiteres Beispiel nahm Stöber auf eine angebliche Verzögerungsstrategie des ehemaligen Staats-Carriers Bezug. In München, so der Geschäftsführer, würden von der Telekom pro Woche nur acht bis zehn Anschlüsse umgeschaltet. Für Stöber ein weiteres Indiz dafür, dass die Bonner ihren Konkurrenten Knüppel zwischen die Beine werfen und Wettbewerb im Ortsnetz verhindern.