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05.10.2001 - 

Schlankere IT-Systeme erleichtern die Verwaltung

Konsolidierung senkt Kosten

Um die wachsende Komplexität ihrer IT-Systeme in den Griff zu bekommen, denken viele Unternehmen über Konsolidierungsprojekte nach. Die Vereinheitlichung von Plattformen ist jedoch nicht immer sinnvoll. Von Klaus Thomas*

Nachdem die Entwicklung von IT-Systemen in den letzten 20 Jahren immer mehr in Richtung dezentrale Datenhaltung und Verarbeitung ging - von Mainframes über PCs zu Client-Server-Architekturen -, zeichnet sich nun wieder ein deutlicher Trend zu zentralisierten Systemen ab. In vielen Unternehmen nahm die Komplexität der IT-Architektur durch die Implementierung neuer Anwendungen, aber auch durch organisatorische Veränderungen in Folge von Ausgliederungen, Übernahmen und Fusionen zu.

Parallel zu dieser Entwicklung sind die Anforderungen an die Informationstechnik stetig gestiegen. Bei unternehmenskritischen Anwendungen entstehen durch Ausfälle oder lange Antwortzeiten erhebliche finanzielle Verluste. Meist müssen Anwendungen heute rund um die Uhr verfügbar sein, um Kunden und Mitarbeiter auch außerhalb der normalen Bürozeiten zu bedienen oder um bei globalen Anwendungen andere Zeitzonen abzudecken.

Die gestiegene Komplexität von IT-Systemen hat jedoch neben hohen Kosten vor allem eine geringere Zuverlässigkeit zur Folge. Benchmark-Analysen zeigen, dass die Total Cost of Ownership mit der Komplexität deutlich wächst. Untersucht man Anwendungen, Hardwareplattformen, Softwareplattformen, Datenbanken, Netzwerk und Häufigkeit von Upgrades, zeigt sich jedoch auch, dass die Kosten bei gleicher Komplexität von Unternehmen zu Unternehmen erhebliche Unterschiede aufweisen. Sechs Merkmale entscheiden dabei über den IT-Aufwand:

- Unternehmen mit vergleichsweise geringen IT-Kosten haben ein homogeneres Umfeld der Hardware und Software.

- Sie verfügen über eine gute Support-Struktur für Systeme und Endanwender.

- Sie haben viele Prozesse wie Softwareverteilung und -installation, Archivierung und Backup, System-Management, Problem-Management und Wiederanlaufverfahren automatisiert.

- Sie verfügen über ein konsequentes Asset- und Lizenz-Management.

- Sie sorgen für ein ausreichendes und aufgabenorientiertes Training der Endbenutzer.

- Sie haben gleichartige Prozesse zentralisiert.

Die Kosten einer verteilten Umgebung lassen sich also senken, wenn man die Komplexität in Bereichen, wo sie nicht geschäftsbedingt ist, reduziert und möglichst viele der beschriebenen Maßnahmen und Prozesse implementiert, die sich bei vielen Anwendern als Best Practices zur Kostenreduzierung erwiesen haben.

Hinsichtlich der IT-Prozesse kann man drei Ebenen unterscheiden. Zunächst geht es nur um die Bereitstellung und Unterstützung der Infrastruktur: Diese Services werden von allen Benutzern gleichermaßen in Anspruch genommen und bedürfen deshalb einer Vereinheitlichung. Neben den Netzwerken (LAN und WAN) zählen hierzu zum Beispiel E-Mail- und Messaging-Systeme, Suchmaschinen und Anwendungen zur Terminplanung. Daten, die unternehmensweit und geschäftsbereichübergreifend verfügbar sein müssen, eignen sich stets für eine zentrale Speicherung, um unnötige Redundanzen mit all ihren negativen Folgen zu vermeiden. Auch das Management von Backups und intensive Stapelverarbeitungen mit hohem Druckanteil können zentral wesentlich besser gelöst werden als dezentral.

Neue Anwendungen dezentral einführenEine weitere Ebene ist die Unterstützung der Geschäftsprozesse: Neue Anwendungen mit noch nicht deutlich erkennbarem wirtschaftlichem Nutzen sind besser lokal angesiedelt. Dafür spricht auch, dass die Entwicklung der Anwendungen zunehmend auf Initiative der Fachabteilungen erfolgt und einige Zeit bis zur Reife dieser Anwendungen vergeht. Hier ist die unmittelbare Nähe zu den tatsächlichen Benutzern für den Erfolg der Anwendung maßgebend. Anwendungen mit stabiler Funktionalität und klarem Nutzungsprofil können in eine zentrale Umgebung überführt werden, um deren Vorteile zu nutzen, ohne dass die Fachabteilungen Nachteile erfahren. Typische Beispiele sind Transaktionssysteme mit hohem Durchsatz, die jedoch keine wesentlichen funktionalen Weiterentwicklungen mehr erfahren.

Schließlich geht es drittens um Innovationen: Bereiche, wo die IT als Ideengeber für das Geschäft wirkt, sollten vorzugsweise zentral angesiedelt sein. Hierzu gehören die strategische Planung, das Architekturdesign, die technische Planung sowie die Geschäftsanalyse.

Plant ein Unternehmen die Konsolidierung von IT-Systemen, sollte es beachten, dass dies unter sehr unterschiedlichen Aspekten und Zielsetzungen erfolgen kann:

-Anpassung an Geschäftsstrukturen,

-Reduzierung der Kosten,

-verbessertes System-Management,

-Konsolidierung von Anwendungen,

-Erhöhung der Sicherheit,

-Personaleinsparungen sowie

-Reduzierung der Komplexität.

Es lassen sich auch mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen. Sie beeinflussen sich häufig ohnehin gegenseitig. So reduziert beispielsweise ein automatisiertes System-Management den Personalbedarf für den Support.

Drei KonsolidierungsstufenKonsolidierungsprojekte lassen sich in drei Stufen einteilen: Bei der operationellen Zentralisierung geht es um die zentrale Verwaltung und Steuerung der Systeme mit einheitlichen Verfahren und Werkzeugen, auch wenn die Systeme selbst verteilt sind.

Wird eine physische Konsolidierung angestrebt, müssen alle Systeme in einem zentralen Rechenzentrum untergebracht werden. Dabei bleiben vielfach zunächst unterschiedliche Systemplattformen bestehen, um eine aufwändige Migration zu vermeiden. Ein Beispiel ist das Konsolidierungsprojekt der Berliner Verkehrsbetriebe, die 50 Server-Standorte auf zwei Niederlassungen konzentriert haben (siehe CW 7/01, Seite 50). Auslöser waren die schwierige Systemverwaltung sowie die hohen Verfügbarkeitsanforderungen, die mit der verteilten Umgebung nicht erfüllt werden konnten. Die drei Plattformen IBM AIX, HP-UX und Windows NT sind jedoch weiterhin in Betrieb.

Soll die Komplexität weiter reduziert werden, ist die Vereinheitlichung der eingesetzten Plattformen wie Server-Hardware, Betriebssysteme und Anwendungssoftware sinnvoll. Vorteil einer solchen Konsolidierung ist vor allem ein reduzierter Supportbedarf. Mainframe-ähnliche Server, wie sie bereits von einigen Herstellern angeboten werden, ermöglichen eine Ablösung von umfangreichen Server-Farmen. Auf einem derartigen System lassen sich für einzelne Anwendungen eigene Partitionen einrichten und mit separater Kopie des Betriebssystems betreiben.

Die Migration von komplexer Anwendungssoftware mit identischer Funktionalität auf andere Systemumgebungen ist in aller Regel nicht sinnvoll, weil damit kein geschäftlicher Nutzen verbunden ist. Plattformkonsolidierungen können jedoch sinnvoll sein, wenn neue Anwendungssysteme implementiert werden, bei denen ohnehin Anpassungen und Erweiterungen des Systemumfeldes erforderlich sind.

Konsolidierung der DatenDas Risiko, aber auch das Einsparungspotenzial ist bei Plattformkonsolidierungen am höchsten. Dafür notwendige Investitionen müssen sorgsam kalkuliert werden. In Zeiten schnellen geschäftlichen und technischen Wandels dürfen die Zeiträume bis zum Return on Investment nicht zu lange ausfallen.

Konsolidierungsprojekte bringen meist nicht den gewünschten Erfolg, wenn nicht parallel für eine konsistente Datenhaltung gesorgt wird. Hier stehen mit Network Attached Storage (NAS) und Storage Area Network (SAN) zwei Technologien zur Verfügung: Beide ermöglichen den Zugriff unterschiedlicher Server-Systeme auf eine Datei. Die Zusammenführung von Dateien ist organisatorisch schwieriger und zeitaufwendiger als die Konsolidierung der Server, birgt aber ein hohes Verbesserungspotenzial.

Diesen Einsparungen und operativen Verbesserungen stehen erhöhte Kosten durch zusätzliche Support-Mitarbeiter in der Zentrale, wachsende Kommunikation und teurere Softwarekategorien gegenüber. Hinzu kommen der Migrationsaufwand, der Ausbau des zentralen Rechenzentrums, die Umzugskosten für die Systeme, Aufwendungen für den dezentralen Personalabbau, den Test- und Parallelbetrieb sowie Software-Upgrades.

Bei Konsolidierungsprojekten können Konflikte zwischen den Interessen des Gesamtunternehmens und denen einzelner Geschäftsbereiche auftreten. Hier muss der zentrale IT-Bereich informierend, überzeugend und ausgleichend wirken. Mittlerweile haben häufig auch Geschäftsbereiche erkannt, dass der Server nicht im eigenen Haus stehen muss, um eine Anwendung zu beherrschen.

Die Frage "Zentralisierung oder Dezentralisierung" sollte nicht zum Dogma erhoben werden und stellt sich für jedes Unternehmen individuell. Die Antwort hängt von den organisatorischen Strukturen ab, gegen die keine IT-Strategie implementiert werden kann. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Es existieren jedoch einige Leitlinien und Erfahrungen, die sich Unternehmen zunutze machen können. Das konkrete Potenzial lässt sich am sichersten mit Benchmarks ermitteln.

*Klaus Thomas ist Program Director des Gartner Executive Program in Frankfurt.