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09.07.2004 - 

Kommt jetzt TIS zum Zug?

Konsortium um CSC verliert Herkules-Auftrag

MÜNCHEN (CW) - Erst schien alles klar zwischen den Parteien, jetzt ist das Herkules-Projekt zur Generalerneuerung der Bundeswehr-IT doch gescheitert. Nun kommt möglicherweise das zweite Anbieterkonsortium TIS (Deutsche Telekom, IBM und Siemens Business Services) zum Zug.

Das Isic-21-Konsortium (CSC Ploenzke, Eads und Mobilcom) konnte sich nicht mit der Bundeswehr und dem Bundesverteidigungsministerium auf den Abschluss eines Vertrags einigen.

Mitte Juni 2004 sah es noch so aus, als ob eine Kooperation möglich wäre. Nach Informationen eines Verhandlungsbeteiligten legten die Bundeswehr-Gesprächspartner und deren externe, juristische Berater aber im Juni noch einmal eine Worst-Case-Studie vor, in der künftige Eventualitäten aus einem zu schließenden Vertrag abgehandelt wurden. Fazit: Der Bund wollte keinesfalls die - im Ausschreibungsverfahren übrigens nicht festgelegten - 6,65 Milliarden Euro Gesamtkosten überschreiten. Am Ende habe eine Differenz von 300 bis 400 Millionen Euro zwischen den beiderseitigen Vorstellungen zum Scheitern der Verhandlungen geführt.

Die Bundeswehr habe, so verlautet aus Kreisen des Isic-21-Konsortiums, auf teils "unsinnigen Forderungen" bestanden. Hierzu habe etwa die Ausstattung der zu liefernden rund 140000 bis 150000 PCs mit modernster und leistungsfähigster Technik sowie sehr hohen Speicherkapazitäten gehört. Für rund 20 000 Bundeswehrbedienstete sei diese Forderung angesichts ihrer Aufgaben nachvollziehbar gewesen, nicht aber für alle.

Nun muss nach den Ausschreibungsbestimmungen das Verhandlungsverfahren mit dem zweiten bietenden Konsortium, TIS, ganz von vorn aufgenommen werden. Möglich wäre auch, dass die Bundeswehr das Projekt ohne Mithilfe von außen bewerkstelligt. Aus Kreisen, die mit der Angelegenheit nahe befasst sind, heißt es, entsprechende Berechnungen und Machbarkeitsstudien seien schon vorgenommen worden. Allerdings soll die bundeswehrinterne Lösung wesentlich teurer kommen als die nun abgelehnte des Isic-21-Konsortiums.

Die Verhandlungspartner auf Seiten der Bundeswehr und des Verteidigungsministeriums waren über die Kostenberechnungen des Isic-21-Konsortiums offenbar völlig im Bilde. So war nach den offen gelegten Berechnungen klar, dass der zu erwartende Gewinn aus dem Herkules-Projekt nur gering ausfallen würde. Ein mit den Gesprächen vertrauter Informant sagte, der Ertrag hätte sich prozentual im Bereich "von Sparbucheinlagen" bewegt.

Fehler bei der Inventur

Die Forderung, über die 6,65 Milliarden Euro hinaus weitere Hunderte Millionen Euro zu verlangen, resultierte aus Erkenntnissen aus der Due-Diligence-Phase. Bei dieser Bestandsaufnahme der gesamten Bundeswehr-IT haben sich anscheinend Fehler offenbart. So kam ans Licht, dass die Bundeswehr vergessen hatte, Kostenberechnungen über die gesamte Verkabelung der Infrastruktur anzustellen und den Konsortialmitgliedern mitzuteilen.

Bei Gesprächen mit dem zweiten Anbieterkonsortium TIS wird interessant sein zu beobachten, ob die Bundeswehr bei einer ihrer für das Herkules-Projekt wesentlichen Forderung bleibt, wonach die zu gründende IT-Gesellschaft auch als Anbieter für den Drittmarkt auftreten und etwa andere Behörden beliefern soll. Auf diesem Feld treten die TIS-Partner IBM, Telekom und SBS bislang nämlich schon als Konkurrenten gegen einander an.

Prinzipiell problematisch könnte auch sein, dass IBM und Deutsche Telekom mit der Bundeswehr bereits Lieferverträge unterhalten. Als Konsortialpartner des Verteidigungsministeriums im Rahmen des Herkules-Projekts hätten die TIS-Partner möglicherweise gar kein Interesse, die Kosten des Riesenprojekts durch Margenverhandlungen mit verschiedenen Ausstattungslieferanten zu drücken. (jm)

Herkules-Chronik

Dezember 1999: Initialzündung für Herkules durch den Rahmenvertrag zwischen dem Verteidigungsministerium und zahlreichen deutschen Wirtschaftsunternehmen. Motto: "Innovation, Investition und Wirtschaftlichkeit in der Bundeswehr". Der Vertrag zielt unter anderem auf die Zusammenarbeit von öffentlichen und privaten Organisationen ab. In diesem Zusammenhang wurde auch der Plan gefasst, eine eigenständige IT-Firma als GmbH unter dem Namen Bw@Systems zu gründen.

Anfang 2002: Ausschreibung des Projekts. Sieben Bewerbungen liegen vor, EDS und Alcatel ziehen ihre wieder zurück, drei wurden ausgesiebt. Übrig blieben die Konsortien TIS (Deutsche Telekom, IBM, SBS) und Isic 21.

Juni 2002: Vergabe an Isic 21.

Mitte 2002: Beginn der Bestandsaufnahme der Bundeswehr-IT (Due-Diligence-Phase).

Spätherbst 2003: Ende Due Diligence.

Ende 2003: Beginn der Verhandlungen über einen Business Case (Verhandlungen der Parteien über Projektrahmen und Kosten).

Anfang Juni 2003: Ultimatum des Bundesverteidigungsministeriums an Isic 21.

Ende Juni 2003: Scheitern der Verhandlungen.