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03.11.1995

Konstruktion & Fertigung/Windows ersetzt CAD-Plattformen Intergraph stellt CAD-System aus Jupiter-Entwicklung vor

MUENCHEN (ue) - Die zu Jahresbeginn von der Intergraph Corp. angekuendigte Jupiter-Strategie nimmt konkrete Formen an. Mit "Solid Edge" hat der in Huntsville, Alabama, ansaessige CAD/ CAM- Spezialist ein Konstruktionsprogramm vorgestellt, in das sich die Zeichnungen verschiedener CAD-Systeme via OLE einbinden lassen. Der klare Windows-Kurs soll letztlich zu Objekt-Containern fuehren, in denen sich beliebige Funktionskomponenten verknuepfen lassen.

Mit einem grundlegenden Wandel der Geschaefts- und damit auch der DV-Praktiken in der Fertigungsindustrie rechnet William McClure, Vice-President und Chefentwickler von Intergraph. Dominiere beim Konstrukteur heute noch die "Loesung aus einer Hand", so werde kuenftig kaum ein Anbieter alleine in der Lage sein, ein auf die Integrationsbeduerfnisse des Marktes zugeschnittenes Komplettpaket vorzuhalten. Zur Verknuepfung von Anwendungen verschiedener Hersteller bilde Windows, so McClure, die geeignete Basis. Auf einen Nenner gebracht: Nicht mehr Plattformen wie Autocad oder Microstation sollen kuenftig als Grundlage fuer eine CAD-Umgebung herhalten, sondern NT.

Die Weichen fuer den neuen Kurs hat Intergraph bereits Anfang letzten Jahres gestellt, als sich der CAD/CAM-Spezialist hardwareseitig von seiner Clipper-RISC-Architektur trennte und statt dessen auf die Intel-Plattform setzte. Die damit einhergehende Konzentration auf Windows begruendet McClure recht einfach: Das Microsoft-Betriebssystem wuerde sich schon deshalb als CAD-Basis eignen, da zahlreiche Features, die fuer ein Unix- Konstruktions-Tool erst entwickelt werden muessten, in Windows bereits vorhanden seien. Dazu zaehlen seinen Angaben zufolge Fenstertechnik, Menue-Schnittstellen, Dialogboxen oder das Hilfesystem - selbst die Grafikbeschleuniger-Bibliotheken "Open GL" sind inzwischen Teil von Windows NT.

Die Intergraph-Strategie unterscheidet zwischen drei Integrationsebenen:

- Den Austausch von Informationen ueber eine von unabhaengigen Gremien definierte Datenstruktur wie Step oder Iges bezeichnet McClure als die unterste Schicht der Kommunikation. Das Problem sei, dass die Daten von den beteiligten Systemen verschieden manipuliert werden. Ein Beispiel dafuer ist das Intergraph-eigene Produkt "EMS" sowie das CAD/ CAM-System "Catia" von IBM/ Dassault. Beide unterstuetzen Step und Iges beim File-Transfer, die ausgetauschten Basiskurven werden jedoch von den Produkten unterschiedlich gehandhabt. Waehrend EMS dafuer Nurbs-Technik einsetzt, verwendet Catia Bezier-Kurven.

- Als zweite Stufe nennt McClure die Integration von geometrischen Funktionen: In diesem Fall benutzen zwei Systeme eine gemeinsame Geometrie-Engine wie den gelaeufigen Acis-Kernel von Spatial. Hier kann man beim Austausch der Volumenmodelle zumindest sicher sein, dass beide Produkte das gleiche Verfahren zur Manipulation der Objekte verwenden.

- Die intelligenteste Form der Kommunikation stellt fuer den Chefentwickler allerdings die Integration von Objekten dar: Das Besondere daran sei, dass man an ein anderes Objekt anknuepfen koenne, ohne dessen Datenstruktur zu kennen. Die an ein Objekt geschickten Befehle wuerden von diesem selbst ausgefuehrt.

McClure raeumt ein, dass fuer diese Technik noch einiges an Entwicklungsarbeit anfaellt - zwischenzeitlich muesse man die Verbindung etwa zu Analyse- oder NC-Programmen via Step- oder Acis-Files herstellen. Allerdings sei die von Intergraph zu Jahresbeginn gestartete Herstellerinitiative zu "OLE for Design and Modeling" (OLE D&M) inzwischen ein ganzes Stueck vorangekommen.

Die Spezifikation dieses OLE-Zusatzes dient zum Aufbau von OLE- Data-Servern fuer die jeweiligen herstellerspezifischen Formate. 3D-Objekte lassen sich dann in eine OLE-Anwendung (Container) integrieren und dort bewegen beziehungsweise ausrichten, ohne dass die Quellapplikation vorhanden sein muss. Intergraph hat dieses Konzept nun in dem neuen 3D-Konstruktionspaket "Solid Edge" realisiert. Das auf die Zusammenstellung von Baugruppen spezialisierte Paket soll die Integration und Positionierung von Komponenten aus anderen Systemen erlauben (siehe Kasten).

In der Ausrichtung und Darstellung von Standardkomponenten innerhalb einer Baugruppe sieht McClure rund 80 Prozent der Arbeit, die beim Assembly Design anfaellt. Zusatzaufgaben wie die Berechnung von Masseneigenschaften, das Anlegen von Modellschnitten oder von Bauteilvarianten aufgrund neuer Parameter lassen sich mit Hilfe von Funktionskomponenten ueber das Objekt- Interface von Windows (Component Object Model) realisieren.

Mittel zum Zweck ist Microsofts Technik "OLE-Automation", bei der die Applikationsfunktionen fuer ein einheitliches Zugriffsverfahren bereitstehen. Spezielle Kundenloesungen lassen sich darueber mit verbreiteten Tools wie Visual Basic, Visual C++ oder Delphi entwickeln und nicht nur in der eingeschraenkten Umgebung einer proprietaeren CAD-Programmiersprache.

Insofern sieht McClure die Zahl kleiner Softwarehaeuser, die Komponenten anbieten, kuenftig wachsen. Natuerlich wuerden CAD- Plattform-Anbieter wie Autodesk weiterhin darauf bauen, moeglichst viele Kunden fuer ihre Systeme zu gewinnen. Bei Intergraph gehe man jedenfalls davon aus, dass der Markt in Kuerze mehr nach integrierbaren Softwarebausteinen verschiedener Hersteller fragen wird. Das eigene Softwaregeschaeft werde darunter wohl nicht leiden, da mit dem Intel- und Windows-Kurs ohnehin erst ein neuer Kundenkreis gewonnen wurde.