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Auf dem Prüfstand: Feedback AG

Konvergenz-Unternehmen will "Leben ins Internet" bringen

10.11.2000
REGENSBURG - Die Feedback AG bietet als so genanntes Konvergenzunternehmen im Bereich Neuer Medien Anwendungen an, die auf Standardtechnik beruhen. Dabei setzt der Börsenneuling darauf, dass der Markt in Europa bald reif ist für Business TV und den vielzitierten Mobile Commerce. Zielgruppe sind vor allem Großkunden mit einem Auftragsvolumen über einer Million Mark. Von Nicole Winkler*

Newcomer an der Börse haben es zurzeit nicht leicht. Nach einer Reihe vollmundiger Aussagen wenig erfahrener CEOs, die über einen anfänglichen Boom zur Vernichtung von Millionen an investiertem Kapital führten, ist der Markt jetzt vorsichtig geworden. Dies bekommt auch die Feedback AG mit Hauptsitz in Regensburg zu spüren, deren Aktie seit dem Börsengang am 28. Juni (Emmissionspreis 11,50 Euro) gut 20 Prozent abgegeben hat und zuletzt unter acht Euro dümpelte.

Eigene Größe macht auf die Anleger wenig EindruckFür den schwachen Kurs sind nach Ansicht von Vorstandsmitglied Ernst Kick zwei Faktoren entscheidend: Erstens die momentan herrschende Unsicherheit (und Unzufriedenheit) der Anleger - und zweitens die eigene Unternehmensgröße. Inzwischen auf 79 feste Mitarbeiter in der Zentrale in Regensburg und in der Niederlassung München angewachsen, liegt das Unternehmen jedoch genau im Plan und konnte in einigen Bereichen seine gesteckten Ziele sogar noch übertreffen. Die Fokussierung auf Mobile Commerce, Branchenportale und Konvergenz-Dienstleistungen in Verbindung mit traditionellen Serviceleistungen einer Internet-Agentur grenzt Feedback nach Meinung von Kick von seinen Wettbewerbern ab.

Bis zum Jahresende will man das Umsatzvolumen im Vergleich zum Vorjahr (4,3 Mio. Mark) nahezu verdoppeln. In den ersten neun Monaten ist der Umsatz um 145 Prozent auf 5,3 Millionen Mark gestiegen. Dabei ist der Fehlbetrag mit 1,7 Millionen Mark um 400000 Mark geringer ausgefallen als erwartet. Für das letzte Quartal erwartet Finanzvorstand Christian Stammel sogar Einnahmen von 4,6 Millionen Mark. Den Löwenanteil liefert dabei der Bereich New Media Services, die Beratungs-, Konzeptions- und Implementierungsleistungen sowie das anschließende Hosting der Lösungen für den E-Business Markt umfassen. Hier entwickelt man interaktive Inhalte für Intra- und Internet und stellt sie über verschiedene Kanäle bereit. Der Konvergenzansatz - also das Zusammenspiel von Text, Ton und bewegten Bildern plus Interaktion des Kunden - ermöglichen es, "Leben ins Internet" zu bringen, erklärten die Feedback-Verantwortlichen kürzlich in Frankfurt am Main. Mit 32 Prozent Umsatzanteil ist die Messe München nach wie vor größter Kunde, für die die Regensburger einen Internet-Auftritt programmiert haben: Besucher, Aussteller und Presse werden von derselben "Event-Community"-Plattform aus erreicht.

Das noch junge Segment New-Media-Portale scheint jedenfalls ein umfassendes Betätigungsfeld für innovative Anwendungen zu bieten. Erklärtes Ziel des 1996 von Christian Stammel und Markus Geisler gegründeten Unternehmens ist dabei nicht mehr und nicht weniger als die Technologieführerschaft. Feedback will sich vor allem bei der technologischen Verknüpfung von E-Commerce, Mobile-Commerce und interaktivem TV-Homeshopping in allen Netzen und via Satellit sowie durch Anwendungs-Know-how und als Content-Provider profilieren. Die Webseiten von "IT-TV" - einem Informationskanal für die IT-Branche und eines der wichtigsten Produkte von Feedback - sind ein Beispiel dafür, was sich mit solchen Technologien heute schon realisieren lässt: Im Internet werden Live-Sendungen auf den Nutzer-PC "gestreamt". Dabei koppelt man Videoinformationen (zum Beispiel einen Sprecher) mit Referatsunterlagen (Power Point) und stellt Chat-Funktionen zur Verfügung. Zwei renommierte Kunden konnten die Regensburger hiervon schon überzeugen. So wurde das "Sun Cyber Seminar" - ein Internet-TV-Programm für Kunden und Mitarbeiter von Sun Microsystems - entwickelt, das im ersten Schritt die gesamte Vertriebsmannschaft im deutschsprachigen Raum orts- und zeitunabhängig über neue Produkte informiert. Zudem lief auf der Basis von T-DSL für die Systems 2000 in München ein Pilotprojekt, das es via www.it-TV.de jedem Nutzer mit breitbandigem Internet-Anschluss ermöglicht hat, sich online über die IT-Messe zu informieren.

Strategisch besonders interessant dürfte aber sein, was die Newcomer in Sachen M-Commerce-Anwendungen im Portfolio haben. So wurde bereits für 12snap, einem Anbieter von Auktionen via Handy, eine Lösung entwickelt, die Mobilfunk und elektronischen Handel zusammenführt. Darüber hinaus ist jetzt eine mobile Investor-Relations(IR-)Anwendung vorgestellt worden, die das externe Informations-Management im Bereich der IR erleichtern soll. Zielgruppe sind die mehr als 300 am neuen Markt notierten Unternehmen, Neuemissionen und "innovative" DAX-Werte. Sie können über "Mobile IR" ihren Investoren einen Info-Service in allen gängigen Medienkanälen anbieten - per E-Mail, SMS, Fax und herkömmlicher Post. Feedback stellt hinter diese Anwendung eine Internet-basierte Datenbank, die Daten sowohl aus der mobilen Hotline aufnimmt, als auch die Daten aus dem Formular der Website.

M-Commerce ist der große HoffnungsträgerOhnehin sehen die Feedback-Manager die Zukunft des Unternehmens vor allem im M-Commerce und den sich dort abzeichnenden vielfältigen Geschäftsmöglichkeiten. Nach einer Studie des US-Unternehmens Realnetworks werden bis 2002 etwa 30 Prozent aller Web-Inhalte interaktiv sein. "Mit zunehmenden Übertragungskapazitäten des Internets durch neue Verfahren wie xDSL oder Glasfaser steigt der Bedarf nach bewegten Bildinhalten stark an", ergänzt Christian Stammel. Hier fühlen sich die Regensburger durch Partnerschaften mit Marktführern der TK-Branche und Anbindungen an die Netzwerke diverser Mobilfunkunternehmen bestens gerüstet. Doch bei besagten Partnern könnte künftig auch der Wettbewerb sitzen - die Mobilcom AG ist nur ein Beispiel von vielen, das zeigt, dass sich auch die TK-Branche verstärkt für die Frage interessiert, wie sich Content technisch ins Internet bringen lässt.

In jedem Fall müssen die entsprechenden Produkte und Lösungen fortlaufend an technologische Veränderungen angepasst werden. Um dauerhaft erfolgreich zu sein, sollte Feedback also stets in der Lage sein, "konkurrenzfähige Innovationen rechtzeitig auf den Markt zu bringen", stellt die bei der Emission konsortialführende Gontard Metallbank fest. Hier könnte es Schwierigkeiten vor allem dann geben, wenn sich Trends nicht wie erwartet entwickeln oder die von den Regensburgern genutzten Übertragungsstandards für Bild, Ton und Mobilfunk sich nicht durchsetzen.

Als positiv dürfte jedoch die Tatsache zu werten sein, dass von den insgesamt 30,5 Millionen Mark, die der Börsengang Feedback in die Kassen spülte, heute noch 27,5 Millionen Mark für den weiteren Ausbau des Geschäfts zur Verfügung stehen. Dennoch bedarf es wohl noch etwas Zeit und einiger weiterer Kunden, bevor die Investoren dem Unternehmen mehr Vertrauen schenken.

*Nicole Winkler ist freie Fachjournalistin in München

Abb: Im Plansoll: Bis jetzt entwickeln sich Umsatz und Umsatzrendite im Rahmen der Erwartungen Quelle: Feedback AG/Delbrück Research