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11.01.1991 - 

Trübe Aussichten für die Hardware-Industrie

Konzentrationsprozeß wird sich auch 1991 fortsetzen

Seit Anfang 1988 haben die Aktien der US-Computerindustrie schlechter als der Gesamtmarkt in der Wallstreet abgeschnitten. Während der Aktienmarkt, gemessen am Dow-Jones-Aktiendurchschnitt, zirka 25 Prozent zulegen konnte, schmolz der Branchenindex der US-Computerindustrie im gleichen Zeitraum um etwa 20 Prozent.

Am spektakulärsten fiel der Kurssturz bei Unisys aus, die im vergangenen Jahr 80 Prozent ihres Kurswertes einbüßten. Wang verlor 1990 beispielsweise 41 Prozent und DEC, die heute unter dem Buchwert je Aktie notieren, 35 Prozent. In Europa zeigt sich ein ähnliches Bild: Bull (minus 61 Prozent) oder Olivetti (minus 55 Prozent) verloren weit überdurchschnittlich, gemessen an der Aktien-Indexentwicklung der jeweiligen Heimatmärkte.

Ausgelöst wurde das Kursdebakel durch kräftige Gewinnabschläge. Bei Digital Equipment wird sich der Jahresgewinn 1990 im Vergleich zum Vorjahr halbieren, Fujitsu, weltweit die Nummer zwei nach IBM, erlitt im zweiten Halbjahr einen Gewinneinbruch von 34 Prozent, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, und Machines Bull werden bei gut 30 Milliarden Franc Umsatz knapp drei Milliarden Franc Verlust erwirtschaften. Dies entspricht mehr als einer Verzehnfachung des Verlusts im Vergleich zu 1989. Gewinnsteigerungen melden dagegen Compaq und IBM. Die Aktie der wiedererstarkten IBM konnte im Jahresverlauf sogar 11,5 Prozent zulegen.

Das rasante Entwicklungstempo und die Margenerosion, Hauptursachen für die Gewinneinbrüche, dürften weiter für Anpassungsdruck sorgen. Der Verdrängungskampf wird sich fortsetzen und zu weiteren Unternehmenszusammenschlüssen nach dem Muster Unisys, SNI oder ICL/Fujitsu führen. Das AT&T-Angebot an die freien NCR-Aktionäre beweist dies. Fujitsu hält mittlerweile 49 Prozent der Amdahl-Aktien. Toshiba hat einen ersten Anteil von knapp fünf Prozent der Unisys-Aktien erworben.

In einem Ausblick auf den Computermarkt vermutet die Schweizer Wirtschaftszeitung "Finanz und Wirtschaft" (Nr. 96, 1990, Seite 24), die Computerindustrie könnte zur krisengeschüttelten "Stahlindustrie" der 90er Jahre werden. Ein solches Bild ist bewußt überzeichnet. Dennoch, der Konzentrationsprozeß der Hardwarebauer ist noch in vollem Gange. Für Aktienkäufe stellt sich die Situation zu unübersichtlich dar. Der US-Broker Merrill Lynch sieht vor allem für die europäischen Hersteller schwierige Zeiten heraufziehen. Zu starke technologische Abhängigkeit von den Heimatmärkten bei immer stärkerer Globalisierung der Märkte seien die Defizite. Für einen Ausgleich der Nachteile sei wenig Zeit vorhanden, da japanische und US-Hersteller wegen der guten Konjukturaussichten in Europa ihre Anstrengungen in diesem Markt weiter verstärken.

Arnd Wolpers ist Geschäftsführer der Vermögensgesellschaft GmbH in München.