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25.03.1988

Konzepte von gestern für Kunden von morgen

Hermes grinst über alle vier Backen: Der deutsche Mittelstand hat den Computer, äh, den PC entdeckt - goldene Zeiten für die CeBIT. Die Messeleitung ließ gerade verlauten, daß 1989 alles noch größer, noch schöner, noch bunter wird. Und obendrein gehaltvoller - doch diesbezüglich besteht nach Aussagen der Messeleitung eigentlich kein Defizit. Der mittelständische Unternehmer, wem sagen wir das, zeichnet sich durch DV-Kompetenz und High-Tech-Sachverstand aus.

Der CeBIT ist es überdies gelungen, die PC-interessierte deutsche Jugend zu mobilisieren: "Computerkinder - die Besucher von morgen", schreibt die Messezeitung. Nur die Besucher? Für das Organ der Messeleitung steht fest:. . . auch die CeBIT-Aussteller von morgen. Die Hannoveraner haben allen Grund, sich die Vermieterhände zu reiben.

Nun sind Komplettlösungen für Schreiner oder Fahrradhändler sowie Klones für Kids weder neu noch sonderlich aufregend - es sei denn, man geht die PC-Sache von der Messeseite her an. Das Computern, das weiß mittlerweile jedes Kind, war noch nie so preiswert wie heute. Bedienerfreundliche Anwendungen werden auch für kleinere Unternehmen erschwinglich. Der Computer-Alltag sieht nicht mehr so grau-blau aus, ist (Bildschirm-)farbiger geworden. Kauflust, so träumen die DV-Hersteller, läßt dem Besucherwurm Beine wachsen - Hermes-Herz, was willst du mehr?

Und doch will bei einigen Messebeobachtern keine rechte Freude aufkommen. Frage: Welche Funktion hat eine Messe? Die Antwort ist simpel: Markt durch Information herstellen. Die Aussteller erwarten freilich gar nicht mehr, daß ein Nachmessegeschäft stattfindet - vom Ordergedanken hat man sich längst getrennt. Information pur ist angesagt. Das läßt Fachbesucher - die gibt's noch - hellhörig werden. Wo geht's bitte nach ISDN-Schilda? Muß ich in CIM-City umsteigen? Auf die Auskünfte sollte man sich besser nicht verlassen. Die DV-Industrie schiebt eine Technik voran, von der sie nicht weiß, ob daraus, einmal Anwendungen werden. So macht man heute keinen Markt.

Die CeBIT ist ein Spiegel des Marktes. So macht man heute keine Messe. Was sich etwa in Halle 1 abspielt: Masturbation der großen Hersteller, Marketing de Luxe, Messekonzepte von vorgestern für Kunden (siehe Kids) von übermorgen. Es ist nicht anzunehmen, daß die Messe-Macher und die CeBIT-nahen Verbände (VDMA, ZVEI) von Zweifeln angefressen sind, wie das wohl weitergehen wird. Noch ist das Mittelstandspotential erst angekratzt. Und da sich selbst ein Mainframe-Großkopferter wie IBM nicht mehr zu schade ist, Komplettlösungs-Marmelade auf das Brot der späten MDT-Jahre zu streichen, scheint der CeBIT-Erfolg auf Jahre hinaus gesichert.

Ach ja, da gab's auch noch die Technikmesse CeBIT. Kurzes Fazit: Fehlanzeige, was echte Innovation betrifft. Neue Schlagworte, die die Runde machten? Nicht mal das. Die Hannoveraner können gleichwohl ruhig schlafen, weil die Aussteller (siehe Funktion der Messe) anspruchslos geworden sind.