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01.04.1988

Kopfjägern nicht die Personalkompetenz abtreten

Die CeBIT '88 hat es wieder mal gezeigt: Kopfjäger lauern überall. Ihre Zahl nimmt Jahr für Jahr zu. Was ist passiert?

Früher war es eine der vornehmsten Aufgaben von Personalchefs, neue Mitarbeiter und insbesondere Führungskräfte für ihr Unternehmen selber zu suchen. Sie schalteten an bestimmten Tagen, je nach Zielgruppe, in regionalen oder überregionalen Zeitungen Personalanzeigen. Wer samstags die FAZ, die Welt oder andere große Blätter aufschlägt und sie mit Ausgaben vor zehn oder zwanzig Jahren vergleicht, wird wissen, was ich meine. In den sechziger Jahren schwappte eine der vielen Wellen aus Amerika über Europa: das Headhunting. Die deutschen Personalberater sprechen - weil sie ungern mit Kannibalen verwechselt werden wollen - lieber von Direktsuche. Sie argumentieren, daß immer weniger Führungskräfte bereit seien, sich auf die Anzeige hin zu bewerben. Im übrigen wolle man ja gerade diejenigen ansprechen, die zunächst keinen Grund und schon gar nicht die Absicht hätten, das Unternehmen zu wechseln, weil sie mit ihrer gegenwärtigen Aufgabe und Position hundertprozentig zufrieden seien. Damit die Direktsuche teurer verkauft werden kann als die scheinbar überholte Suche über die Personalanzeige, wird das Image des Geschäfts mit allen Mitteln aufpoliert. Man macht sie zu wunderknäblichen Schatzsuchern, über deren Geschäften der Schleier des Geheimnisvollen liegt. Jedenfalls sollte man schon promovierter Ex-Vorstand gewesen sein, wenn man als Personalberater reüssieren möchte.

Dabei ist die intellektuell eher anspruchslose Tätigkeit im Idealfall die Sache eines belastbaren, akquisitions- und kontaktfreudigen einfühlsamen Managers, der lieber als Einzelkämpfer denn im Team arbeitet. Er wird viele Leute kennen - solche, die wechseln wollen, und solche, die im Moment nicht daran denken. Und er wird im Zweifelsfall auch eine Anzeige schalten, natürlich nicht unter seinem Namen, damit sein Image erhalten bleibt und nicht von der trivialen Anzeige befleckt wird.

Da(zu) viele Personalchefs nie Widerspruch geleistet haben, blüht das Geschäft der Kopfjäger wie nie zuvor. Das wäre ja noch nicht mal so schlimm, außer daß es die Kosten oft unnötig in die Höhe treibt. Aber schließlich umgeben sich viele Vorstände und Geschäftsführer - an ihren Personalchefs vorbei - gerne mit berühmten Kopfjägern. Ein Frühstück mit Herrn Zehn

der oder ein Lunch mit Herrn Mülder ist für den Geschäftsführer eines kleinen oder mittleren Unternehmens fast soviel wie eine Einladung von Tante Emma zur Privataudienz beim Papst. Wer würde da die Fahrtkosten nach Rom krämerisch nachrechnen. So kommt auch kein Vorstand auf die Idee, die Spesenpauschale eines dieser großen Kopfjäger nachzurechnen - oder gar zu monieren. Schließlich sind wir in Mitteleuropa nicht auf einem arabischen Basar und sparen lieber an anderen Stellen. Dieser milde Sommerregen läßt einige Sumpfblüten sprießen und gedeihen. Übrigens sieht sich die Branche selber eher kritisch: "Zu viele schwarze Schafe mit mangelhafter Qualifikation tummeln sich im deutschen Personalberatungsmarkt."

Viel schlimmer ist jedoch, daß inzwischen die Frage nach den Managern von morgen aus dem Aufgabenkatalog der Personal- und Unternehmenspolitik verschwunden und widerstandslos an die Kopfjäger übergegangen ist. Unlängst fand ein Kongreß zum Thema "Manager von morgen" statt. Es war eine gemeinsame Veranstaltung eines großen Instituts für Kopfjägerei und eines führenden Wirtschaftsmagazins. Personalchefs waren auch geladen. In Kurzstatements durften sich sogar einige wenige Nicht-Personalvorstände zum Thema äußern.

Verkündet wurde das modische Idealbild des jetzigen Jungmanagers und Topmanagers von morgen. Er ist heute 34 Jahre alt, studierte Betriebswirtschaft und Informatik und hat, nach seiner Promotion in Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln, ein MBA-Aufbaustudium in Harvard mit großem Erfolg abgeschlossen. Geboren wurde er als Sohn des ehemaligen deutschen Botschafters in Singapur während eines längeren Japan-Aufenthaltes der Eltern in Tokio.

Er spricht deutsch, japanisch, englisch und spanisch, ist international erzogen, bejaht Leistung und hatte eine durch und durch pragmatische Sichtweise des Lebens. In seiner mageren Freizeit spielt er zu Hause an seinem PC und gelegentlich Golf. Während seines Studiums war er Mitglied einer Studentenverbindung. Zur Zeit überlegt er sich gerade, ob er jetzt schon Mitglied beim Lions Club werden solle. Ein Semester Philosophie während des Studiums hätte ihn nur von seinem zielstrebigen Weg abgebracht, ihn unnötige Zeit gekostet und würde außerdem die Kopfjäger heute irritieren, kämen doch Zweifel an seiner Gradlinigkeit auf. Erklärungsbedürftige Lebensläufe, Zweifel des 34jährigen an seinem Wunsch, einmal Vorstand zu werden, sind das Schlimmste, was einem Kopfjäger begegnen kann.

Unser 34jähriger will natürlich einmal Vorstand Controlling und Informationsmanagement werden und verdient im übrigen heute bei einem großen amerikanischen Softwarehaus in Deutschland 230 000 Mark im Jahr. Er ist damit Vorbild für alle 18- bis 34jährigen in Europa.

Nun, wer weiß, vielleicht ist das ja sogar richtig. Schade ist nur, daß sich so viele Personalchefs aus der Diskussion abgemeldet haben und das Feld den Kopfjägern überlassen. Nie zuvor wurde so viel über Unternehmenskultur gesprochen wie heute. Deshalb sollten die Personalchefs wiederentdecken, daß die Suche und Auswahl von Führungskräften, auch wenn sie im Einzelfall vernünftigerweise einen Personalberater einschalten, eine ihrer originärsten Aufgabenfelder ist. Denn die Kultur eines Unternehmens wird von der Einstellung sowie Werthaltung seiner Mitarbeiter und Führungskräfte schließlich wesentlich mitbestimmt.