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11.02.1994

Kopfueber in die Abhaengigkeit?

Cosourcing" heisst die Outsourcing-Variante, die ein Grossanbieter seinen Kunden schmackhaft machen moechte (siehe diese Ausgabe, Seite 40). Der Dienstleister begnuegt sich nicht mehr mit dem RZ- Betrieb oder dem System-Management, er will massiv in die Wertschoepfungskette des Kunden eingreifen, um diese zu optimieren. Verlaeuft das Business Re-Engineering zufriedenstellend, laesst sich der Anbieter am Erfolg beteiligen; endet es im Desaster, zahlt er einen Teil der Zeche.

Offenbar hat unser Dienstleister genug von Festpreisvertraegen und Pauschalangeboten. Zwar offeriert er dem Kunden RZ-, System- Management- oder Standardsoftwareleistungen, doch haben beide Seiten wenig davon, denn die Kostenstrukturen aendern sich kaum. Die Unzufriedenheit waechst, zumal das eigentliche Problem des Kunden, eine mangelhafte Ablauforganisation, nicht behoben wird. Der Dienstleister weiss dies, doch er hat kein Mandat, in die Geschaeftsprozesse des Unternehmens einzugreifen.

Mit dieser Situation will er sich nicht laenger abfinden. Auf den Spuren sogenannter Management- oder Strategieberater moechte er erfolglosen Managern auf Zeit fuer bestimmte Bereiche das Zepter aus der Hand nehmen. Mit entsprechenden Massnahmen und Instrumenten, darunter auch der Informationstechnologie, sollen die Unternehmen auf den Erfolgskurs zurueckgefuehrt werden.

Der Dienstleister glaubt, mit seinem IT- und Branchen-Know-how in wettbewerbsentscheidenden Segmenten wahre Quantenspruenge erzielen zu koennen.

Im Klartext: Er ist der Ueberzeugung, die Geschaefte seiner Kunden in wettbewerbskritischen Details besser zu beherrschen als diese selbst.

Die publizierten Erfolgsbeispiele klingen denn auch, als lasse sich Wasser zu Wein machen: Ein Kreditinstitut optimiert mit Hilfe des Externen seine Scheckverarbeitung, so dass ein betraechtlicher zusaetzlicher Zinsgewinn zustande kommt. Ein Produktionsunternehmen ueberarbeitet seine Distributionslogistik - zwischen Bestelleingang und Auslieferung vergehen nicht mehr zwei Wochen, sondern nur noch zwei Tage.

Das vollkommene Glueck? Was geschieht eigentlich, wenn die Geschaeftsprozessoptimierung einmal nicht die erwarteten Erfolge bringt? Uebernimmt der Servicepartner dann die Kosten? Oder muss der Kunde im Schadensfall mit ihm ringen wie mit mancher Versicherung? Selbst wenn entsprechende Projekte erfolgreich verlaufen, bleibt die Frage, ob Unternehmen langfristig bereit sind, einen Dienstleister an unternehmensstrategischen Entscheidungen teilhaben zu lassen. Sie sind es wohl nur dann, wenn mit dem Deal eine angemessene finanzielle Beteiligung einhergeht. hv