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21.11.1997 - 

Pro und Kontra die IBM-Cluster-Technologie (Schluß)

Kosten der Software laufen bei Parallel Sysplex aus dem Ruder

Barry Graham, unabhängiger Berater für Fragen zum Markt IBM-kompatibler Mainframes und Autor für Xephons Brancheninformationsblatt "Inside IS, sieht das Thema Parallel Sysplex sehr kritisch. Sein Vorwurf an die IBM: Sie verneble bewußt den in einer Parallel-Sysplex-Umgebung anfallenden zusätzlichen Aufwand für die Systemverwaltung, den sogenannten Overhead, sowie die in solchen Rechnerkomplexen tatsächlich anfallenden Kosten, insbesondere für Software.

Graham argumentiert, pro 100 Mainframe-MIPS an Prozessor-Rechenleistung müsse der Anwender in einer Parallel-Sysplex-Umgebung mit verteilter Datenhaltung mit bis zu 209 MIPS an tatsächlich benötigter Rechenleistung kalkulieren. Entsprechend stiegen auch die Kosten für die Software (siehe Kasten "Szenario für eine Parallel-Sysplex-Umgebung"). Big Blue pariere diese Rechnung mit eher schwachen Argumenten:

1. So spart der Anwender laut IBM bei der Investition in Hardware sowie beim Energieverbrauch, weil in den Parallel-Sysplex-Maschinen die diesbezüglich vorteilhafte CMOS-Technologie zum Einsatz komme.

2. Die Software-Lizenzgebühren würden durch das Lizenzierungsverfahren Parallel Sysplex Licensing Charges (PSLC) gesenkt.

3. Die operationalen Kosten ließen sich ebenfalls reduzieren, weil der Anwender in einer Parallel-Sysplex-Umgebung Aufgaben flexibel auf jeweils nicht ausgelastete Systeme verteilen könne.

4. IBM, so Graham, rechne zudem vor, daß sich wegen zu erwartender erheblich geringerer Wartungsaufgaben die Personalkosten um bis zu 87 Prozent abschmelzen ließen.

5. Auch die Kosten für DASD-Massenspeicher (DASD = Direct Access Storage Device) fielen geringer aus, weil weniger Daten repliziert werden müßten, zitiert Graham Big Blue.

6. Von Vorteil sei schließlich, daß bisherige Investitionen von Anwendern in ES/9000-Mainframes der Modelle 511 und 711 geschützt wären, da diese Systeme in S/390-Parallel-Sysplex-Umgebungen eingebunden werden können. Das heißt auch, daß sich herkömmliche Bipolar-Mainframe-Technologie im Verbund mit heute genutzten CMOS-Rechnern nutzen lassen.

Demgegenüber argumentiert nun Graham, die unter den Punkten zwei bis fünf angeführten Vorzüge ließen sich auch mit dem Einsatz eines Mainframe-Spitzensystems erzielen. Der Anwender habe bei dieser Alternative die Wahl, solch einen Großrechner physisch und/oder logisch zu partitionieren.

Darüber hinaus sei es für Anwender wesentlich preiswerter, ES/9000-Mainframes der Modellreihen 511 oder 711 entweder ganz durch leistungsstärkere Großrechner zu ersetzen oder auf solche hochzurüsten, als sich für die unter Punkt sechs angesprochene Option zu entscheiden.

Grahams These gipfelt in der Aussage: Für einen Anwender, dessen Rechenleistungsbedarf nicht die Fähigkeiten des potentesten am Markt verfügbaren Mainframe-Systems übersteigt, könne die Alternative Parallel Sysplex unter Kostenaspekten niemals interessant sein.

Graham attestiert, Anwender könnten aus der Parallel-Sysplex-Technologie Vorteile bezüglich der Verfügbarkeit ihrer Rechnerkomplexe ziehen. Wermutstropfen hierbei allerdings: Wer die Parallel-Sysplex-Technologie nutzen will, um sich der permanenten Bereitschaft seiner Großrechner zu versichern, muß sowohl die neueste Mainframe-Prozessortechnologie als auch die aktuellen Coupling Facilities einsetzen. Coupling Facilities sind die Bindeglieder zwischen den Rechnerkomplexen in einer Parallel-Sysplex-Umgebung. Damit aber sei Argument Nummer sechs hinfällig.

Graham moniert an IBMs Darstellung der Vorzüge von Parallel Sysplex darüber hinaus, daß der Großrechnerhersteller ein Phänomen nicht in der gebotenen Klarheit diskutiere: In einer Parallel-Sysplex-Umgebung mit mehreren Rechnerkomplexen sei die Möglichkeit, Arbeitslasten optimal auszutarieren, nicht gegeben. Folge: Während in einem Rechnerverbund mit Dutzenden von Prozessoren einige Knoten unter Vollast stehen, wären andere CPU-Komplexe zur Untätigkeit verurteilt.

Zwar sei es schwer, für jeden Einzelfall genau vorherzusehen, wie sich diese Erscheinung genau auswirke - ob einzelne Anwendungen langsamer laufen, Antwortzeiten länger werden oder die Prozessorauslastung über alle Rechnerkomplexe sinke. Eins aber würden selbst IBMs eigene Benchmark-Resultate zeigen: Auch sehr sorgfältig an Parallel-Sysplex-Anforderungen angepaßte Rechnerumgebungen weisen im Vergleich zu Ein-Maschinen-Komplexen eine geringere Auslastung der einzelnen CPUs auf.

IBMs Angaben basieren auf theoretischen WertenGraham kritisiert ferner, die IBM habe bei ihren Benchmark-Läufen die Angaben zu den erzielbaren Rechenleistungen in Parallel-Sysplex-Komplexen lediglich extrapoliert auf der Basis der Annahme, in solch einer Umgebung wären alle Prozessoren zu 100 Prozent ausgelastet - ein völlig unzulässiges Vorgehen, wie die Praxis zeigen würde.

Darüber hinaus "biege sich die IBM die Wahrheit zurecht", indem sie einen unfairen Vergleich zwischen Parallel-Sysplex-Komplexen und herkömmlichen, eng gekoppelten Multi-Prozessor-Systemen ziehe. Damit wolle Big Blue die Vorzüge der Parallel-Sysplex-Architektur in bezug auf deren Skalierbarkeit herausstreichen.

Auch hier aber extrapoliere das blaue Unternehmen unzulässigerweise Rechenleistungen auf einen nur theoretischen Wert und vergleiche diesen mit in der Realität erzielten Ergebnissen. Vor allem aber unterschlage Big Blue die Tatsache, daß Anwender bei der Kopplung schon von zwei Systemen zu einem Parallel-Sysplex-Verbund einen Overhead von 26 Prozent in Kauf nehmen müßten.

Benutzer werden stärker zur Kasse gebeten

Auch wenn man IBMs eigene Angaben bezüglich des einzurechnenden Overheads zugrunde lege, müsse man zu dem Ergebnis kommen, daß der Einsatz der Parallel-Sysplex-Technologie sich erst bei Komplexen lohne, die mindestens aus 16 Prozessoren bestehen. Rechne man dann noch den zusätzlich nötigen Aufwand an Rechenleistung für die Coupling Facilities hinzu, so werde die Bilanz bezüglich der erreichbaren Rechenleistung von Parallel-Sysplex-Komplexen immer unattraktiver.

Graham betont, bei diesem Sachverhalt sei nicht einmal zuvörderst das Problem des stark erhöhten Systemverwaltungsaufwandes von Bedeutung. Wesentlich sei für Anwender, daß in Parallel-Sysplex-Komplexen das Problem steigender Kosten immer evidenter werde. Benutzer würden nämlich wegen des in solchen Umgebungen anfallen-den Overheads auch bei der Software erheblich mehr zur Kasse gebeten, als dies bei traditionellen Mehr-Wege-Großrechnern der Fall sei.

Bedenke man dann noch, daß in Zukunft der Obulus für Software mindestens zehnmal so hoch sein werde wie der für Hardware, so lasse sich leicht ermessen, was nur zehn Prozent höhere Systemverwaltungsanforderungen für das Budget des Anwenders bedeuten. Der tatsächlich zu erwartende Overhead von 25 bis 45 Prozent lasse die Softwarekosten dann geradezu explodieren.

Graham sagt abschließend, all diese Überlegungen habe er der IBM zur Stellungnahme überantwortet - eine Antwort stehe bislang aus.

Dichtung und Wahrheit

- Die von der IBM angegebenen Rechenleistungssteigerungen in Parallel-Sysplex-Umgebungen basieren auf theoretischen Werten.

- Auch die von der IBM gefundenen Ergebnisse zur Skalierbarkeit von Parallel-Sysplex-Komplexen fußen auf extrapolierten Angaben.

- Die von Coupling Facilities verbrauchte MIPS-Leistung veranschlagt die IBM mit einem Overhead von zehn Prozent. Tests haben demgegenüber ergeben, daß die Mehrbelastung eher bei 35 Prozent liegt.

- In einigen Testläufen verdoppelten sich die Antwortzeiten in Parallel-Sysplex-Umgebungen.

- Die Kosten für Software dürften in Parallel-Sysplex-Umgebungen um das Drei- bis Vierfache steigen.

Szenario für eine Parallel-Sysplex-Umgebung

Anforderung an die Rechenleistung

im besten Fall im wahrscheinlichen Fall

Mainframe-MIPS: 100 100

Sysplex-Overhead: 20 Prozent 40 Prozent

Tatsächliche MIPS-Anforderung: 125 167

MIPS für die Coupling Facility (CF): 16 21

"Reserve"-MIPS für CF (12,5 Prozent für volle Redundanz): 0 21

Tatsächlich benötigte Rechenleistung in MIPS: 141 209

Ergibt eine zusätzliche Kapazität von: 41 Prozent 109 Prozent

Softwarekosten auf Basis der MIPS-Rechenleistung: 125 167

Tatsächliche Mehrkosten für Software: 25 Prozent 67 Prozent

Dichtung und Wahrheit: Das Marktforschungsinstitut Xephon sagt, IBM rechne sich und Anwendern die Vorteile der Parallel-Sysplex-Technologie schön. Quelle: Xephon