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04.03.1994

Kosten lassen sich nicht in Mark und Pfennig rechnen Mangel an System- und Netz-Tools bei vielen Unix-Projekten

FRAMINGHAM (IDG) - Portierungsprobleme, ein latenter Mangel an Netz- und System-Management-Tools sowie die Ungewissheit, wie sich die DV-Kosten entwickeln, halten Unternehmen vom Downsizing ab. Fuer die IT-Spezialisten der American Airlines gibt es jedoch keine Alternative zur Unix-Strategie.

Die Entwickler der US-Fluggesellschaft stehen in ihrer Branche in dem Ruf, Meister ihres Fachs zu sein. Sie haben nicht nur fuer die eigene Fluglinie, sondern auch fuer andere Unternehmen der Branche komplexe Systeme entwickelt. Dennoch stolpern auch sie ueber so manches Implementierungsprojekt.

Noch immer gehoert die Rekompilierung von Anwendungen fuer den Einsatz unter anderen Unix-Derivaten zu den Aufgaben, die den Fachleuten Sorgen bereiten. Die Portabilitaet von Programmen, einer der wichtigsten Gruende, aus denen Unix ueberhaupt als Systemplattform gewaehlt wird, erweist sich haeufig als schwierig. "Eine Portierung kann ein paar Wochen, aber ebenso zwei bis drei Monate dauern", berichtet John Dinovo, Systemdirektor der American Airlines Decision Technologies (AADT). Die AADT ist die Systemintegra-tionseinheit der American-Airlines- Muttergesellschaft AMR Corp.

Die Integratoren bemaengeln auch das Fehlen robuster System- und Netz-Management-Tools - ein Einwand, der nicht ganz neu ist. An der Spitze der Wunschliste stehen bei AADT-Entwicklern standardisierte System-Management-Pakete, mit denen Job-Scheduling und Ressourcen-Management so einfach zu bewaeltigen sind wie auf dem Mainframe.

Vor allem das Ressourcen-Management gestaltet sich bei der AADT schwierig: "Wir nehmen derzeit einen Online-Magnetspeicherplatz mit einem Volumen von rund 150 GB in Anspruch", erklaert Dinovo. "Wir haben uns nun entschieden, einige Third-party-Anbieter um Hilfe beim Management der Platten bitten." Wie andere Unix- Experten wartet auch Dinovo auf neue Werkzeuge fuer das System- Management. Mit ausgereiften Tools, die eine verteilte Datenverarbeitung leichter machen, rechnen Industrieanalysten aber erst bis Ende der 90er Jahre.

Bereits heute gibt es jedoch Standards anderer Art, die das Herstellen von Client-Server-Anwendungen in Unix-Umgebungen erleichtern. Dazu zaehlen das Network File System (NFS), das Netzprotokoll TCP/IP und der Motif Windows Manager von der OSF. Steve Clampett, Entwicklungschef der AADT, klagt allerdings, dass die entstehenden Client-Server-Anwendungen sehr rechenintensiv seien. Trotzdem koenne Unix heute als das einzige Betriebssystem gelten, unter dem verteilte Anwendungen wirtschaftlich liefen.

Wird ein Systemwechsel in Richtung Unix angestrebt, so sind neben Portierungsschwierigkeiten und dem Mangel an System- und Netz- Management-Tools auch die Kosten Gegenstand der Diskussion. Die AADT war von Anfang an der Meinung, dass sich alle neu entwickelten Unix-Systeme binnen eines Jahres auszahlen muessten. Tatsaechlich bestaetigte sich diese Erwartung fuer eines der ersten grossen Unix- Projekte, das fuer die eigene Schwester American Airlines abgewickelt wurde.

"Die Anschaffung der Workstations und die Konvertierung der Grossrechnerprogramme fuer den Einsatz auf den kleineren Systemen kostete in einem Jahr weniger als der normale Mainframe-Betrieb", freut sich Vice-President Scott Nason. Eine grosse Anwendung fuer die Einsatzplanung von Flugpersonal war vom Grossrechner in eine Umgebung von RS/6000-Servern der IBM und Workstations der Mips Technolgy Inc. portiert worden. Man zahle nur noch einen Bruchteil der Summe, die das inzwischen 20jaehrige Fortran-basierte Mainframe-System gekostet habe.

Ganz so klar liegt der finanzielle Vorteil nicht fuer jedermann auf der Hand. So erkennt Hans Koch, verantwortlich fuer Service und Kundenservice bei der Lufthansa in Frankfurt, keinen dramatischen Kostenvorteil durch Downsizing-Projekte. Seine Abteilung setzt ein von AADT entworfenes Unix-System ein, das auf Oracle-Servern und Workstations von Hewlett-Packard laeuft.

Dennoch habe sich der Umstieg mehr als gelohnt, denn der eigentliche Wert dieser Installation liege in der signifikanten Verbesserung der Geschaeftsproduktivitaet. "Ich bin nicht sicher, ob wir viel Geld sparen", so Koch, "aber ich bin sicher, dass wir mit diesen Systemen mehr Geld verdienen beziehungsweise einen groesseren Umsatz machen".

Diese Einschaetzung teilt auch Peter Buckingham, Systemdirektor der Britannia Airways. Die bei der englischen Fluglinie installierten Unix-Systeme fuer Entscheidungsunterstuetzung und Logistik boeten eher qualitative als Kostenvorteile. Fuer seine Gesellschaft waren die benutzerfreundlichen Oberflaechen sowie die komplexere und besser verteilte Rechenleistung die eigentlichen Gruenden gewesen, staerker auf Unix zu setzen.

Die neuen Anwendungen, die heute benoetigt wuerden, koennten im Grossrechnerumfeld ueberhaupt nicht mehr realisiert werden.