Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

01.08.1980 - 

Datenfernübertragung mit mobilen Datenerfassungsgeräten:

Kosten-Optimum bei langsamen Systemen

Die Einteilung mobiler Datenerfassungsgeräte (MDE) in sogenannte "Low-cost-Geräte" mit wenig Intelligenz und in hochwertige Allround-Geräte gewinnt in der Praxis an Bedeutung. In den Vereinigten Staaten zeichnet sich ein Trend zu mehr Intelligenz ab. Ulrich Siebe* beschreibt die Möglichkeiten, die sich bundesdeutschen Anwendern bei der Datenfernübertragung mit mobilen Datenerfassungsgeräten bieten.

In der Bundesrepublik Deutschland ist Datenfernübertragung (DFÜ) nur über die Leitungswege der Bundespost möglich - sieht man von Sonderfällen wie Polizei oder Bundeswehr ab, die über eigene Leitungsnetze verfügen.

Von der Vielzahl der Übertragungsnetze, die die Post zur Verfügung stellt, sind im wesentlichen drei für die DFÜ mit mobiler Datenerfassung (MDE) geeignet: das öffentliche Fernsprechwählnetz, das öffentliche Direktrufnetz und das öffentliche Datexnetz.

Berücksichtigt man bei den MDE-Geräten, daß der Datenanfall pro Tag zwischen 1000 und 10 000 Zeichen schwankt, und setzt man diesen Umfang zu den Kosten der DFÜ in Beziehung, dann ergibt sich ein eindeutiges Geschwindigkeits-Kosten-Optimum bei den langsamen DFÜ-Systemen bis 600 beziehungsweise 1200 Baud.

Datenfernübertragung wird mit Fernschaltgeräten über das Datexnetz mit MDE-Systemen noch kaum praktiziert, vermutlich deshalb, weil neben den Grundkosten für den Telefonanschluß noch die monatlichen Grundkosten für den Datexanschluß bezahlt werden müssen.

Aus diesen Gründen haben sich für DFÜ mit mobilen Terminals folgende Systeme schwerpunktmäßig herausgebildet:

Fall 1: Die akustische Kopplung ist nur in einer Richtung möglich. Es wird ein sogenannter Akustikmuff über die Sprechmuschel des Telefonhörers gestülpt. Maximale Geschwindigkeit: 600 Baud.

Vorteile:

Die Kosten sind gering. Auf der MDE-Seite entstehen nur die reinen Gerätekosten. Die DFÜ kann ortsungebunden von jedem Telefonanschluß - also auch einer Fernsprechzelle - durchgeführt werden.

Nachteile:

Die DFÜ ist nur in einer Richtung ohne Rückmeldung möglich; das bedeutet, daß während der DFÜ aufgetretene Fehler nicht gemeldet werden und daher auch nicht durch eine Wiederholung der DFÜ korrigiert werden können. Auf der Empfangsseite sind deshalb kostspielige Empfangsstationen erforderlich, die die Fehler erkennen und unter Umständen nachträgliche Korrekturen vorbereiten. Die Anwendung standardisierter Leitungsprotokolle ist meist nicht möglich. Automatischer Betrieb ist ausgeschlossen.

Fall 2: Die akustische Ankopplung kann in beiden Richtungen vorgenommen werden. Für die Übertragung zur Zentrale wird der Akustikkoppler auf die Sprechmuschel des Telefons gestülpt, für die Rückübertragung auf die Hörmuschel. Maximale Geschwindigkeit: 600 Baud.

Vorteile:

Der Akustikkoppler kann - im Gegensatz zum Modem - käuflich erworben werden, es entstehen also einmalige Anschaffungskosten. Die laufenden Kosten sind im übrigen wie in Fall 1. Da die DFÜ in beiden Richtungen möglich ist, kann man nach fehlerhaften Übertragungen eine Wiederholung einleiten. Man kann mit standardisierten Leitungsprotokollen arbeiten. Es entfallen meist die kostspieligen Empfangsstationen, da man die Daten direkt zur Datenverarbeitungsanlage überträgt.

Nachteile:

Die Anschaffungskosten für den Akustikkoppler sind höher als für den Akustikmuff (Fall 1). Für den Akustikkoppler wird meist noch ein Netzanschluß (220 V) benötigt, so daß man in diesem Fall nicht von allen Telefonen aus übertragen kann. Wie im Fall 1 ist auch hier kein automatischer Betrieb möglich.

Fall 3: Die Ankopplung erfolgt auch in der Außenstelle über Modems. Maximale Geschwindigkeit: 2400 Baud.

Vorteile:

Man kann standardisierte Leitungsprotokolle für die DFÜ verwenden. Das bedeutet, daß man erkannte Übertragungsfehler durch wiederholte Übertragungen korrigieren kann. Daten können in beiden Richtungen ausgetauscht werden. Vollautomatischer Betrieb (beispielsweise Abruf zum Nachttarif) ist bei allen Modem-Typen möglich. Die Modem-Anschlüsse sind streng nach den CCITT-Normen ausgelegt, so daß auch standardisierte Meßverfahren Anwendung finden.

Nachteile:

Die DFÜ mit Modems ist ortsgebunden, da die Modems fest an den Telefonen installiert werden. Es fallen monatliche Mietkosten für die Modems an. Man benötigt außerdem eine ortsfeste Modem-Anpassung, die die Kopplung zwischen Modem und MDE-Terminal herstellt.

Die vorstehend beschriebenen DFÜ-Einrichtungen der Bundespost legen nur den Hardware-Rahmen der DFÜ fest, also

- Übertragungsgeschwindigkeit

- Übertragungsverfahren (ein oder zwei Richtungen)

- Übertragungsbedingungen (zeitlicher Ablauf beim Anschalten eines Modems an die Übertragungsleitung).

In welcher Form (Aufbau und Länge der Datensätze, Behandlung von Fehlern etc.) die Daten übertragen werden, ist der freien Vereinbarung der Benützer der DFÜ-Einrichtungen überlassen. Eine einzige Ausnahme gibt es: Beim Modem D 20 P-A ist die Codierung der Zeichen festgelegt.

Programmierkosten beachten

Steht man vor der Auswahl eines geeigneten DFÜ-Systems zum Einsatz in der mobilen Datenerfassung und strebt man ein optimales Preis-/Leistungs-Verhältnis an, darf man die Kosten für die Programmierung der DFÜ in keinem Fall vernachlässigen. Die billigste Hardware ist nur in wenigen Fällen die beste Lösung.

Geht man davon aus, daß alle MDE-Geräte mit Mikroprozessoren ausgerüstet sind, so sind für die Abwicklung der DFÜ zwei Programme nötig: ein Programm steuert die DFÜ im MDE-Gerät, ein Programm steuert die DFÜ im datenempfangenden System. Analog zu den Fällen der Hardware unterscheidet man auch bei der Software zwei unterschiedliche Fälle:

Fall A: DFÜ ohne Rückmeldung (entsprechend Fall 1 bei der Hardware)

Fall B: DFB mit Rückmeldung (entsprechend Fall 2 und 3 bei der Hardware)

Fall A: In diesem Fall ist der Software-Aufwand im MDE-Gerät gering. Da Rückmeldungen fehlen, genügt es, daß das Programm des MDE-Systems Zeichen für Zeichen sendet, solange bis alle Daten ausgegeben worden sind. Aufwendiger wird das Programm dann, wenn Prüfsummen (zum Beispiel CRC) errechnet werden sollen.

Nachteile:

Anders stellt sich die Situation auf der Empfangsseite dar. Hier ist der Aufwand für die Programmierung erheblich größer als im MDE-Gerät, denn die eintreffenden Daten müssen geprüft werden. Werden Fehler festgestellt, müssen die protokolliert werden für nachträgliche Korrekturen.

Da kein vollautomatischer Betrieb möglich ist, muß ein Operator bereit stehen, der nach beendeter DFÜ versucht, aufgetretene Fehler über die Sprechverbindung mit dem Inhaber des MDE-Gerätes mündlich zu klären. Wegen dieser Prozeduren wird man in den meisten Fällen eine separate Empfangsstation verwenden. Die Daten werden beispielsweise auf Magnetbändern aufgezeichnet und später im Hauptrechner zur Verarbeitung eingelesen. Ein direkter Anschluß an den Hauptrechner ist zwar hardwaremäßig möglich, er entfällt jedoch in der Regel wegen des Programmieraufwandes.

Fall B: In diesem Fall ist die Übertragung in beiden Richtungen möglich. Das hat zur Folge, daß die empfangende Station den Datenfluß vom MDE-Gerät steuern kann.

Vorteile:

Die empfangende Station kann also

- das Aussenden von Datensätzen durch das MDE-System zeitlich steuern

- bei festgestellten Fehlern eine Wiederholung der Übertragung eines Datensatzes einleiten.

Deshalb bietet es sich bei diesen DFÜ-Systemen an, die Daten des MDE-Systems direkt in den Hauptrechner zu übertragen.

Der Software-Aufwand ist im MDE-Gerät zwar wesentlich größer als im Fall A, jedoch wird dieser höhere Aufwand kompensiert dadurch, daß der DFÜ-Ablauf stark vereinfacht werden kann. Eine Sprechverbindung über das Telefon ist meist nicht mehr notwendig, es sei denn zum Zweck der An- und Absage.

Der Software-Aufwand im Hauptrechner kann gegenüber Fall A erheblich verringert werden, wenn man Standardleitungsprotokolle verwendet, die alle Hersteller von DVA für ihre Rechner anbieten (IBM BSC 2780/3780 oder Siemens MSV 2). Der Vorteil dieser Leitungsprotokolle liegt auf der Hand:

- die Investitionen für die Software im Hauptrechner entfallen

- das Programm für das Leitungsprotokoll im Hauptrechner ist in der Regel erprobt, und es paßt in das Betriebssystem des Hauptrechners.

Nachteile:

Es soll nicht verschwiegen werden daß der Programmierungsaufwand im MDE-Gerät unter Umständen hoch ist, wenn man standardisierte Leitungsprotokolle verwendet. Aber dieser Nachteil wird durch die erheblichen Vorteile der Leitungsprotokolle erfahrungsgemäß ausgeglichen.

Trend zu hochwertigen Allround-Geräten

Die Einteilung der MDE-Geräte in sogenannte Low-cost-Geräte mit wenig Intelligenz und in hochwertige Allround-Geräte gewinnt in der Praxis an Bedeutung. Auf dem maßgebenden Markt, den USA, zeichnet sich ein verstärkter Trend zu mehr Intelligenz ab.

Dementsprechend sind die Low-cost-Geräte meist nur mit einem Akustikmuff ausgerüstet. Für den Empfang der Daten bieten einige Hersteller aufwendige und teure Empfangsstationen an.

Die hochwertigen MDE-Geräte sind mit Ein- und Ausgabeelektroniken ausgerüstet und werden über Modem-Anpassungen an Modems angeschlossen. Da man bei diesen Geräten mit standardisierten Leitungsprotokollen bei der DFÜ direkt arbeiten kann, entfallen die Empfangsstationen und die Daten werden direkt in den Hauptrechner eingespeist. Bei diesen Geräten geht der Trend eindeutig dahin, daß standardisierte Leitungsprotokolle verwendet werden.

Ulrich Siebe ist MDE-Fachautor und Geschäftsführer der Penflex Elektronik GmbH, Starnberg.