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COMPUTERWOCHE E-Business-Forum


29.03.2002 - 

Kosten senken mit Kreativität und Know-how

MÜNCHEN (sp) - Mit Hilfe von durchdachten Strategien und geschickt ausgehandelten Verträgen lassen sich die IT-Ausgaben eines Unternehmens um 20 bis 30 Prozent senken - das erklärten Teilnehmer einer CeBIT-Podiumsdiskussion der COMPUTERWOCHE.

Vor allem E-Business-Projekte werden vielerorts verschoben oder ganz aufgegeben - mit dem Argument, der Return on Investment sei nicht klar erkennbar oder liege in zu weiter Ferne. Das Problem ist jedoch weniger die Effizienz der Projekte selbst, sondern die mangelhafte Planung, so das Fazit der Diskutanten im E-Business-Forum der COMPUTERWOCHE auf der CeBIT.

"Die Verantwortlichen müssten schon im Vorfeld viel genauer analysieren, was der IT-Einsatz bringt, und wenig erfolgversprechende Projekte gnadenlos von der Liste streichen", so Alfons Wahlers, IT-Leiter bei der Keiper GmbH, Kaiserslautern. Enorme Einsparungen bewirke auch das Aushandeln neuer Verträge und Abrechnungsverfahren mit den IT-Lieferanten. "Zum Beispiel kann ein Unternehmen durch geschickt formulierte Leasing-Verträge immer auf dem neuesten technischen Stand bleiben und gleichzeitig die Kosten senken." Vor allem die Consultants seien unter heutigen Umständen zu teuer. "Sinnvoll sind hier Benchmarking-Verträge, die jedes Jahr neu bewertet werden und regelmäßig aktualisierte Zielvorgaben enthalten." Dazu sei allerdings intern sehr viel Know-how vonnöten: "Langfristig läuft das darauf hinaus, dass Firmen ihre eigenen Beraterteams aufbauen und an den externen Consultants sparen."

Die dafür nötigen Kenntnisse fehlen jedoch in den IT-Abteilungen, meint Thomas Frister von der Beratungsfirma CSC Ploenzke. "Speziell im Mittelstand ist die Situation zum Teil katastrophal." Auch bei der Neuverhandlung von Verträgen komme das Unternehmen nicht umhin, aufzuräumen, auszumisten und zu konsolidieren. "Dazu braucht man nicht unbedingt die Hilfe von externen Beratern", so Frister. "Aber meistens muss man da ein bisschen nachhelfen." Das Outsourcing der kompletten IT-Abteilung ist nach Ansicht vieler Experten allerdings nicht sinnvoll. Dazu Sven Peters von Cap Gemini Ernst & Young: "Das Prozess-Know-how muss im Haus bleiben, sonst lässt sich nichts mehr steuern."

Umstritten bleibt das Thema Standardisierung von Software. Einerseits ist sie eine Voraussetzung, um neue Anwendungen zu implementieren, ohne teure Consultants bezahlen zu müssen. Andererseits sind es gerade die speziellen Funktionen und Modifikationen, die den Nutzen bringen. "Das ist ein Widerspruch, den wahrscheinlich jeder für sich abwägen muss", so Wahlers.

Individuelle Erweiterungen erweisen sich aber in jedem Fall als Ausgabentreiber: "Die Betriebskosten liegen drei- bis viermal höher als bei Standardfunktionalität", beobachtet Ralph Treitz, Geschäftsführer der VM Solutions GmbH, die sich mit dem Benchmarking und der Optimierung von R/3- und Mysap-Systemen beschäftigt. "Unter reinen Kostensapekten muss man auch von bloßen Erweiterungen Abstand nehmen." Trotzdem sei es unwahrscheinlich, dass man ganz darauf verzichten könne.

Den Grund für ausufernde Individualentwicklungen sieht Peter Körting, Partner bei Deloitte Consulting, sowohl bei Beratern als auch bei Anwendern. "Immer wieder fordern Anwender Spezialfunktionen, weil sich die Anforderungen im Standard nicht erfüllen ließen." Allerdings zeige sich dann im Nachhinein oft, dass viele Spezialfunktionen nicht verwendet würden.