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04.12.1987

Kosten senken mit Partnern oder Verlust der Eigenständigkeit

Der Gedanke, die Datenverarbeitung auszugliedern und eine eigenständige DV-Tochtergesellschaft zu gründen, ist nicht neu. Die Electronic Data Systems zum Beispiel gehört zu 100 Prozent General Motors und organisiert die DV des Automobilherstellers. Die Dienstleistung von EDS wird erfoigreich auch an nicht zum Konzern gehörende Kunden verkauft. In ähnlicher Weise hat der Krupp-Konzern in Deutschland eine Tochtergesellschaft gegründet, um DV-Know-how gewinnbringend zu vermarkten. Auch kleinere Unternehmen praktizieren solche Neugründungen, zumeist jedoch mit Partnern aus anderen Branchen. Ein Grund sei unter anderem die günstigere Auslastung von Rechnerkapazitäten, meint Gerhard Eisenberg, Leiter eines solchen Rechenzentrums in Hamburg. Burkhard Welkener von VW plädiert allerdings dafür, genau zu differenzieren, welche Aufgabenbereiche der Datenverarbeitung überhaupt ausgelagert werden können. Management und Organisation der Anwendungssysteme beispielsweise müssen seiner Ansicht nach unbedingt innerhalb des Hauses verbleiben. Dagegen biete sich der Bereich Anwendungsentwicklung oder die Datenhaltung schon eher zur Auslagerung an.

Vor gut zwei Jahren wurde das Rechenzentrum der Gebrüder Scharfe GmbH, ein Großhandel für Pharmaprodukte, von der Unternehmensleitung in eine eigene Gesellschaft umgewandelt. Die Idee war, die Kosten zu verringern und möglicherweise auch noch an der DV zu verdienen: Freie Kapazitäten sollten an andere Firmen verkauft werden. An der neuen Gesellschaft für ein Rechenzentrum beteiligten sich auch ein Großhandel für Heimwerker und die DPS-Mikroland als Kommanditisten. Der Anstoß für die Umstrukturierung der DV ergab sich zu einem Zeitpunkt,

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Gerhard Eisenberg

DV-Leiter, DPS Gesellschaft für Datenverarbeitung mbH & Co,

Computerservice KG, Hamburg

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als die Rechnerkapazitäten bei der Gebrüder Scharfe GmbH nicht mehr ausreichten und neues Equipment angeschafft werden mußte. So wurde zum Beispiel von den beteiligten Handelsunternehmen ein Backup-System mit größerer Kapazität benötigt.

Das führte dann zu der Überlegung, das Rechenzentrum mit einem Partner zu organisieren, der möglicherweise auch noch andere Dienstleistungen über dieses Rechentzentrum abwickeln kann. Insgesamt konnten so für die Firma Scharfe etwa

20 000 Mark im Jahr an DV-Kosten eingespart werden. Diese Zusammenarbeit dauerte ungefähr zwei Jdhre und wurde aufgelöst, weil dieser Partner sich mit einem eigenen Zentrum wieder selbständig machte. Auch Management-Fehler bei DPS führten zu dieser Situation geführt. Derzeit haben wir also freie Kapazitäten und suchen neue Partner. Die sollten natürlich nicht aus der Arzneimittelbranche kommen, sonderen aus anderen Handelsbereichen. Wir stehen diesbezüglich bereits in Verhandlungen mit entsprechenden Interessenten.

Trotz dieser organisatorischen Schwierigkeiten, mit denen wir uns befassen müssen, halte ich es dennoch für richtig, die Datenverarbeitung eienes Unternehmens zu verselbständigen, um Kosten zu sparen. Das beginnt schon bei der Systemprogrammierung: Hochqualifizierte Spezialisten für die Systemsoftware sind kostspielig. Da ist es doch sinnvoll, wenn man deren Know-how für mehrere Firmen nutzen kann.

Man sollte aber die Schwierigkeiten, die mit einer Kooperation von mehreren Unternehmen verbunden sind, nicht unterschätzen. Die Konkurrenz der Rechenzentren untereinander ist groß. Hier bei uns im Norden einen Partner zu finden, ist ziemlich schwierig, wenn man nur Standardpakete anzubieten hat.

Die Datenverarbeitung in einem Unternehmen ist ein Dienstleistungebetrieb. Im Rahmen einer Dienstleistungs-Tiefenstrategie ist es durchaus denkbar, die reine Datenverarbeitung im ureigensten Sinne als Verarbeitung von Unternehmensdaten, also Rechenzentren, auszugliedern.

Die eigentliche Datenverarbeitung stellt kein strategisches Instrument für die VW AG dar; allerdings ist die gesamte Informationsversorgung und die entsprechende Datenhaltung sehr wohl ein Instrument, das dazu dient, unter einheitlichen Berichtssystemen entsprechende Entscheidungsgrundlagen präzise, schnell und am richtigen Ort zur Verfügung zu stellen.

VW nimmt bereits heute Dienstleistungen von Software-Gesellschaften in Anspruch; der budgetierte Wert für 1987 betrug dafür zirka 80 Millionen Mark. Auf dem Gebiet der "Netze" bedient VW Funktionen zum Beispiel des Mark III von General Electric.

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Burkhard Welkener

Leiter des Bereiches

Führungsorganisation und Systeme, Volkswagen AG, Woltsburg

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VW hat 1983 in Berlin die VW-Gedas, Gesellschaft für technische Datenverarbeitungssysteme, gegründet. Dabei spielten unter anderem die Gründe eines Know-how-Transfers zum VW-Konzern beziehungsweise Nutzung optimaler Ressourcen am Standort Berlin eine Rolle. Untersuchungen, Rechenzentrumsleistungen dieser Gesellschaft von der VW AG nutzen zu lassen, sind inzwischen gerechnet worden, und die Ergebnisse erwiesen sich als durchaus wirtschaftlich sinnvoll.

Ein Vorgehen der totalen Ausgliederung der gesamten Informationsversorgung, inklusive der entsprechenden Entwicklung der Anwendungssysteme sowie des entsprechenden Managements, kommt für Volkswagen nicht in Frage. Wir vertreten die Auffassung, daß vor allem das Management und die Organisation dieser Anwendungssysteme innerhalb der VW AG bleiben müssen. Die Anwendungsentwicklung der Lösungen sowie operatives Abwikkeln und Datenhaltung sind durchaus auch außerhalb der VW AG denkbare Alternativen.

Für uns kommt eine Ausgründung des Rechenzentrums nich in Frage, weil wir unsere Eigenständigkeit

behalten wollen. Außerdem haben wir gerade erst eine IBM /36 gekauft und somit für die nächsten Jahre genügend

Rechnerkapazitäten zur Verfügung. Wir haben seit über 25 Jahren eine eigene DV-Abteilung, die wir auch auf keinen Fall an Dienstleistungsunternehmen abgeben. Unsere Flexibilität würde erheblich beeinträchtigt werden, wenn wir unsere DV außer Haus geben würden. Jetzt können wir kurzfristig, zum Beispiel auch nachts oder am Wochenende, gesonderte Läufe starten, was

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Manfred Kalms

Kaufmännischer Geschäftsführer, StephanWerke GmbH, Hameln

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sonst nur unter erschwerten Bedingungen möglich wäre.

Bei der dezentralen Lösung, die wir mit dem neuen Rechner praktizieren, wird immer mehr Arbeit in den Fachabteilungen

erledigt. Somit ist für uns auch das Argument der steigenden Personalkosten für die DV-Abteilungen entkräftet. Die zwölf DV-Fachleute in unserem Unternehmen bilden eine reine Service-Abteilung für andere Unternehmensbereiche. Gegen ein DV-Dienstleistungsunternehmen spricht auch, daß wir eine spezielle Software benötigen, die extern hohe Entwicklungs-Kosten verursachen würde, weil das dafür nötige Know-how in den einzelnen Abteilungen unseres Unternehmens steckt.