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Bayerisches Landesamt für Datenverarbeitung:

Kostendegression und bessere Auslastung zweier Rechenzentren bei der Zusammenfassung

25.03.1977

In der Vergangenheit wurde immer wieder darüber diskutiert, ob "Fach"- oder "Mehrzweck"-Rechenzentren die richtige Lösung für den staatlichen Bereich seien. Kernpunkt der Diskussion in der Vergangenheit war jedoch nicht die Frage "Fach"- oder "Mehrzweck"-Rechner, sondern richtiger die Alternative ressortübergreifender oder Ressortrechner mit dem maßgebenden Kriterium der Weisungsbefugnis.

Wenn aber in der Praxis Ressortrechner als Fachrechner oder Mehrzweckrechner mit allen dazwischenliegenden Schattierungen und daneben ressortübergreifende Rechner als Mehrzweckrechner alle in befriedigender Zusammenarbeit mit den jeweils unterstützten Fachverwaltungen betrieben werden, wenn also alle diese Betriebsarten möglich sind, dann kommt der Wirtschaftlichkeit (und hier wieder der Kostenminimierung) eine außerordentliche Bedeutung zu.

Die nachfolgend angegebenen Zahlen beruhen auf Erfahrungswerten des Landesamtes bzw. Auskünften der Herstellerfirmen. Sie können sich je nach den Gegebenheiten des Einzelfalls (z. B. Aufgabenspektrum, Anlagen verschiedener Hersteller) geringfügig verschieben. Der Aussagewert bleibt im Ergebnis immer gleich.

1. Kostenersparnis

Hier bietet sich eine Gliederung nach Hardware-, Software-, Personal- und Raumkosten an.

a) Hardware

- Anlagenmiete

Bestanden bisher zwei Rechenzentren mit je 1024 KB, dann kann die Arbeit in einem Rechenzentrum mit entsprechend vergrößerter Ausstattung abgewickelt werden. Die Mietkosten für Zentraleinheit sowie Ein- und Ausgabegeräte ohne Spezialgeräte für die größere Anlage erhöhen sich etwa von 208000 DM auf 252000 DM. Die monatliche Ersparnis beträgt demnach rund 160000 DM oder 1,9 Mio. jährlich.

- Spezielle Peripheriegeräte

Ein Teil der Peripheriegeräte, z. B. Plotter (ca. 2500 DM Miete monatlich) Mikrofilmausgabegerät (ca. 7000 DM Miete monatlich), Belegleser (ca. 14000 DM bis 28000 DM Miete monatlich), Falz- und Kuvertiermaschine (100000 DM Kaufpreis) werden regelmäßig nur zu einem geringen Teil ihrer Leistungsfähigkeit ausgenutzt. Bei der Zusammenlegung zweier Rechenzentren reicht deshalb je nur ein Gerät für die gesamten Arbeiten aus. (Ersparnis 280000 DM jährliche Miete und einmalig der Kaufpreis in Höhe von ca. 100000 DM.)

- Datensicherung

Kosten für das Zugangssicherungssystem (etwa IBM-System /7 ca. 100000 DM) und Raummelder gegen unbefugtes Betreten außerhalb der Betriebszeit (ca. 10000 DM) fallen je nach der Zahl der Rechenzentren an, bei der Zusammenfassung nur einmal. Auch für ein feuer-, wasser- und einbruchdiebstahlsicheres Archiv ist nur in etwa die Hälfte des Aufwandes nötig. 3 Archivschränke zu je 8000 DM können durch einen Tresorraum mit ca. 12000 DM ersetzt werden. (Einmalige Ersparnis ca. 120000 DM.)

- Klimaanlage und unterbrechungsfreie Stromversorgung

Bei der Zusammenfassung zweier Rechenzentren fallen auch hier geringere Kosten an. Die Ersparnis beträgt ca. 25% des Gesamtaufwandes von etwa 1,0 Mio. DM für zwei Rechenzentren. So ergibt sich ein

- einmaliger - Betrag in Höhe von 250000 DM.

b) Software

Die Systemsoftware, betriebssystemnahe Software und die Standardsoftware werden bei einer Zusammenfassung nur einmal benötigt. Für die von Anlagenherstellern oder Softwarehäusern zur Verfügung gestellte Software fallen etwa folgende Kosten an:

Für 4 Compiler rund 2500 DM Miete monatlich, für ein Datenbanksystem 5500 DM Miete monatlich, jährlich demnach rund 100000 DM laufende Ersparnis.

Der Wegfall der Software wirkt sich auf die Wirtschaftlichkeit doppelt aus. Einmal entfällt die Miete und zusätzlich wird nicht mehrmals der teuere Speicherplatz für diese Software benötigt (Speicherplatzbedarf z. B. für mindestens ein Datenbanksystem ca. 300-500 KB, für ein Betriebssystem mindestens 200-300 KB).

c) Personal

- RZ-Sicherungspersonal

Bei der Zusammenfassung ist RZ-Sicherungspersonal nur einmal erforderlich. Bei einem Zweischichtbetrieb können je 1 Mann pro Schicht = 2x ca. 30000 DM, also 60000 DM, jährlich erspart werden.

- Maschinenbedienungspersonal

Infolge der hohen Leistungsfähigkeit der Rechner kann die Leistung nach der Zusammenfassung mit etwa 30% Personal weniger als vorher (Erfahrungssatz aus der Wirtschaft) erbracht werden. Bei der Besetzung der beiden Rechenzentren mit je 20 Bediensteten bedeutet das eine Ersparnis von etwa 12 Mitarbeitern, das sind zumindest 360000 DM Personalkosten im Jahr.

- Spezialpersonal

Beim Einsatz eines Datenbanksystems zum Beispiel werden hochqualifizierte Spezialisten für jede Installation benötigt. Beim vollen Einsatz müssen diese Verwaltungsangehörigen in etwa die Fähigkeiten eines Systemprogrammierers haben. Werden die Aufgaben bei einem Rechenzentrum zusammengefaßt, dann werden zumindest 3 solche Mitarbeiter eingespart. Das bedeutet bei einem Gehalt von 50000 DM jährlich etwa 150000 DM.

d) Raumkosten

Infolge der Personalverringerungen und der höheren Leistungsfähigkeit der Maschinen ist der Raumbedarf geringer. Auch die Räume für die Zugangssicherung (Kosten der Sicherungseinrichtung mit Schleuse rund 350000 DM) werden nur einmal benötigt.

2. Auslastung

- Ungleichmäßige Auslastung durch einzelne Aufgaben

Wie sich bei Überprüfungen in der Wirtschaft und in anderen Verwaltungen ergeben hat, werden die Rechenzentren monatlich (insbesondere bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs der gebenden und nehmenden Verwaltung) und im Jahreslauf verschieden hoch ausgelastet. Da sich diese Arbeiten nicht verschieben lassen, muß der Rechner nach dem Höchstbedarf ausgelegt werden. Die zwischen den Spitzen liegenden Täler lassen sich um so besser ausfüllen, je vielseitiger die Aufgaben sind, die mit Hilfe eines Rechners erledigt werden. Bei der Zusammenfassung lassen sich leichter Aufgaben mit verschiedenem Anforderungsprofil zusammenlegen. Das führt ebenfalls zu einer Kostendegression.

- Ermöglichung einer Nachtschicht durch Einbringung von Stapelarbeiten

Durch Nachtschichtbetrieb lassen sich die Kosten pro Betriebsstunde um etwa 20% senken. Für die Nachtschicht sind jedoch große Stapelverarbeitungen erforderlich. Diese fehlen oft bei Rechenzentren, die in Form von Datenbanken und dgl. während des Tages Online-Verarbeitung betreiben müssen. Hier kann - wie die Erfahrung in anderen Ländern der Bundesrepublik gezeigt hat - durch Zusammenfassung die Möglichkeit für eine gleichmäßige Auslastung der Nachtschicht geschaffen werden, wenn entsprechende Stapelverarbeitungen zu einer günstigen Mischung eingebracht werden.

- Ungenutzte Aufstockungskapazität

Die Kapazität eines Rechenzentrums kann nur stufenweise aufgestockt werden, wobei derzeit die Aufstockungsraten zwischen 128 B und 512 B liegen. Die auf den Rechnern zu erledigenden Arbeiten dagegen vermehren sich zumeist nicht stufenweise, sondern linear. Das führt dazu, daß nach einer Aufstockung zunächst ein Teil des Leistungsgewinns nicht voll ausgenutzt werden kann. Als Folge davon dürfte - bei gleichmäßig verteilter Aufstockung mehrerer Rechenzentren - im Durchschnitt etwa die Hälfte des Aufstockungsgewinns ungenutzt sein. Diese Mängel lassen sich durch die Zusammenfassung wesentlich verringern.

- Andere Vorteile

Bei geringem EDV-Bedarf können manche Geschäftsbereiche für sich allein ein Rechenzentrum nicht wirtschaftlich betreiben, insbesondere wenn sie Planungs- und Entscheidungshilfen mit Hilfe von Datenbanken erstellen oder Fernverarbeitung betreiben wollen. Ihnen wird der Einsatz der EDV erst durch die Zusammenfassung mehrerer Aufgaben ermöglicht. Erst große Anlagen lassen den Einsatz speicherplatzaufwendiger Softwaresysteme wie der Datenbank- und Datenkommunikationssysteme des Timesharing-Betriebs zu, ohne gleichzeitig die Stapelverarbeitung sowie das Kompilieren und Testen der Programme zu behindern. Umgekehrt sind für die volle Auslastung dieser Rechenzentren dann Massen- und Routinearbeiten für die Stapelverarbeitung in der Zeit erforderlich, in der kein Bedarf für Online-Verarbeitung besteht, d. h. außerhalb der üblichen Dienstzeit.

Wirtschaftlichkeit

Die unter II. 1. genannten Maßnahmen würden bei der Zusammenfassung in etwa eine Einsparung an einmaligen Kosten in Höhe von ca. 800000 DM und an laufenden jährlichen Kosten von 2,8 Mio. DM ergeben. Dazu kommen die unter II. genannten Vorteile bei der Auslastung.

Die vorgenannten Überlegungen haben auch in der Wirtschaft mehr und mehr dazu geführt, daß die Rechenzentren zusammengefaßt wurden oder von vornherein nur entsprechend ein Rechenzentrum konzipiert wurde, ähnlich liegt es bei den Banken.