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02.12.1983 - 

Neue Dienste der Deutschen Bundespost ab 1984:

Kostenersparnis durch höhere Geschwindigkeit

Neue Funktionen und Geschwindigkeiten innerhalb ihrer DÜ-Dienste will die Bundespost ab 1984 bieten. Dazu gehören Nutzungsgeschwindigkeiten ab 64 Kilobit pro Sekunde, wobei die Post zur Netzsteuerung und -überwachung mit 72 KBaud arbeitet und dazu notwendige Funktionen über das sogenannte Envelope-Verfahren ausfährt. Neben der Geschwindigkeit von 64 Kilobit pro Sekunde wird die Post im kommenden Jahr digitale Verbindungen mit einer DÜ-Rate von knapp 2 MBit pro Sekunde bereitstellen.

Diese beiden neuen Dienste der Deutschen Bundespost eröffnen für den Anwender neue Möglichkeiten, wobei insbesondere die gebührenrechtliche Gestaltung dieser Dienste sehr attraktiv ist. Insbesondere für die grafische Datenverarbeitung und für digitales Fernkopieren sind diese Dienste mit höherer Geschwindigkeit sehr interessant.

Damit hat die Post wahrgemacht, was sie bei HfD für die nächsten Jahre angekündigt hat: Der Kunde bezahlt wie im Datex-P-Netz für das übertragene Datenvolumen und nicht für Lehrzeiten, in denen er die Leitungen nicht effektiv nutzt.

Diese Tatsache bringt den entscheidenden Gebührenvorteil gegenüber der heutigen Regelung bei HfD-Leitungen. Gehen wir davon aus, daß der Kunde zwischen zwei Punkten innerhalb seines Netzes eine solche 64-kbit/s-Leitung schaltet und unterschiedlichste Anwendungen wie asynchrone Start-/Stop-Anwendungen, CAD-Anwendungen mit grafischem Bildschirm sowie die klassischen Datenkommunikationsprotokolle BSC und SDLC betreiben will. Bei einem Echtbetrieb all dieser Anwendungen zeigt sich sehr bald, daß eine entsprechende Leitung niemals zu 100 Prozent ausgenutzt wird. Der mittlere Auslastungsgrad liegt zwischen 30 und 40 Prozent.

Die gebührenrechtliche Regelung bei diesem neuen Dienst sieht nun wie folgt aus:

Der Kunde mietet beispielsweise eine 64-kbit/s-Leitung an, bezahlt für die Datenanschlußgeräte jeweils auf beiden Seiten 550 Mark. An Entfernungsgebühr wird ihnen die Gebühr gemäß den HfD-Gebühren für 2 x 4800 Baud berechnet. Dies ergibt bei einer Nutzungsdauer von 80 Stunden pro Monat ein Übertragungsvolumen von rund 2,3 Millionen Zeichen (64 Kilobit pro Sekunde) und von rund 0,8 Millionen Zeichen (2 x 4800 bit pro Sekunde).

Höhere Kanalgeschwindigkeit

Diese vorstehende Aufrechnung zwischen 80-Stunden-Betrieb auf der 64-kbit/s-Leitung und 180-Stunden-Betrieb auf der 2 x 4800

bit/s-Leitung zeigt klar, daß bei gleichen Kosten der Kunde bei den neuen Diensten das dreifache Übertragungsvolumen in Anspruch nehmen kann. Die Kosten für die Modems der Deutschen Bundespost sowie etwaiger

notwendiger Zeitmultiplexer sind dabei nicht berücksichtigt.

Neben der Kostenersparnis ergibt sich durch die höhere Übertragungsgeschwindigkeit ein weiterer wesentlicher Vorteil, der insbesondere im Bezug auf CAD-Systeme und Remote-stehende Schnelldrucker von Bedeutung hat. Über entsprechende

Zeitmultiplexer-Einrichtungen läßt sich nun erstmals eine Kanalgeschwindigkeit über 9600 bit pro Sekunde bis zu 56 Kilobit pro Sekunde realisieren.

Die Einsatzmöglichkeiten für diese neuen Dienste werden nur durch eng ausgelegte Vorschriften der Deutschen Bundespost begrenzt.

So sind heute schon Produkte auf dein Markt, die eine Zusammenfassung aller derzeit für ein Unternehmen notwendigen Kommunikationsdienste erlauben. Das beginnt mit der Anschaltung von Datenkanälen bis zu Geschwindigkeiten von 512 Kilobit pro Sekunde pro Kanal, der Übertragung von bewegten Video-Bildern in sogenannten

Slow-scan-Verfahren, die Zusammenschaltung von Nebenstellenanlagen über einen 32 Kilobit pro Sekunde digitalen Sprachkanal ohne Verlust der Sprachqualität.

Vorteil in komplexen Netzen

Leider gestatten nun die von der Post festgelegten Vorschriften nur die Übertragung von digitalen Daten über diese

Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Bei den digitalen Festverbindungen ist die Kostenersparnis nicht unerheblich. Für geschaltete höherwertige Leitungen von 64 Kilobit pro Sekunde beziehungsweise 2 Megabit pro Sekunde ist die Gebührenstruktur aus der derzeitigen Sicht relativ uninteressant.

Neben dem klassischen Zeitmultiplex-System, das die Geschwindigkeit von 64 Kilobit pro Sekunde beispielsweise in fest zugeordnete transparente Kanäle unterteilt, sind für komplexere Datennetzgestaltungen vor allen Dingen dynamische Multiplexer sowie die seit geraumer Zeit auf dem Markt befindlichen statistischen Multiplexer von großem Interesse.

Der erwähnte Kostenvorteil ergibt sich schon bei einfachen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, wird jedoch besonders interessant, wenn diese Systeme in komplexeren Datennetzen mit entsprechenden Netzknoten und Vermittlungseinrichtungen zusammengefaßt werden. Die nachfolgenden Beispiele sollen dies verdeutlichen.

Bei diesen Beispielen handelt es sich nicht um reinrassige Netzarchitekturen. Vielmehr können verschiedene Anwendungen oder unterschiedliche Rechnerhersteller über ein solches Netz

zusammengeschaltet werden. Die unterschiedlichen Schnittstellen zwischen den einzelnen Richtungen werden über )sogenannte Protokollkonverter angepaßt. Damit erreicht der Benutzer einen Bedienungskomfort, den er mit derzeitig ausgerüsteten Geräten nicht hat.

Flaschenhals entschärft

Die praktische Erfahrung aus zwei Installationen hat gezeigt, daß der von der Deutschen Bundespost angebotene 64-kbit/s-Dienst im

IDN-Netz stabil läuft, Ausfälle fast ausschließlich nur durch Falschschaltung bei Netzumstellungen vorkommen, was auch bei normalen HfD-Anschlüssen im IDN-Netz keine Seltenheit ist.

Dem Argument, das man durch die Konzentrierung vieler Anwendungen auf eine 64-kbit/s-Leitung einen gefährlichen Flaschenhals erhält, kann man damit begegnen, daß im IDN-Netz die

Weitverkehrsverbindung bei Ausfall einer PCM-Strecke automatisch umgeschaltet werden kann. Desweiteren kann die Deutsche Bundespost bei mehreren parallel verlaufenden 9,6-kbit/s-Strecken nicht gewährleisten, daß beispielsweise bei Ausfall einer PCM-Strecke auch diese Leitungen nicht mit einem Schlag weg sind. Dieser geringe Nachteil, wenn es Oberhaupt ein Nachteil ist, wird auf alle Fälle durch die geringeren Kosten sowie die Möglichkeit, höhere Übertragungsgeschwindigkeiten als 9600 bit pro Sekunde zu realisieren, aufgehoben.

*Helmut E. Wörner ist Geschäftsführer der Controlware GmbH, Dreieich.