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06.02.1998 - 

System-Management

Kostenexplosion ist vorprogrammiert

Framework-Anbieter, allen voran die IBM-Tochter Tivoli mit "Tivoli Management Environment 10" (TME 10) und Computer Associates (CA) mit "Unicenter TNG", haben dem ganzheitlichen Management-Ansatz bereits Offerten folgen lassen. Hersteller wie Hewlett-Packard mit "HP Openview" und Cabletron mit "Spectrum" begleiten diese Angebote, indem sie zusätzlich zur klassischen Netzwerk-Management-Funktionalität in Ansätzen System-Management-Funktionalität bieten. Immerhin lockt insbesondere im Bereich des System-Managements (inklusive Applikations-Management) ein lukrativer Markt, dem die Analysten von IDC ein weltweites Wachstum von 13,7 Prozent pro Jahr prognostizieren, bevor er im Jahr 2000 ein Umsatzvolumen von 12,7 Milliarden Dollar umfassen wird.

Obwohl die Framework-Lösungen seit mittlerweile knapp zwei Jahren vollmundig angeboten werden, zeigen sich die Anwender mit entsprechenden Installationen sehr zurückhaltend. "Die meisten Framework-Installationen sind Pilotinstallationen bei Kunden, die aufgrund der spezifischen IBM-Integration auf TME 10 oder wegen der Tandem-Unterstützung auf Unicenter TNG setzen", weiß Rüdiger Both, Geschäftsbereichsleiter bei Diebold Deutschland in München. Daß die wenigen Framework-Installationen bei den Anwendern bisher nicht über den Status eines Piloten hinausgekommen sind, hat gute Gründe. Both geht generell davon aus, daß die Abstimmung solcher Lösungen auf den unternehmensspezifischen Einsatz eineinhalb bis zwei Jahre in Anspruch nehmen kann. Außerdem ist die Einführung derartiger Werkzeuge teuer. "Weil ein ganzheitliches Management hohe Investitionen erfordert, muß ein solches Projekt die langwierigen Entscheidungsprozesse der größeren Unternehmen durchlaufen", unterstreicht Rainer Klug, Consultant bei der Schumann Unternehmensberatung in München und zertifizierter Framework-Insider. Große Anwender mit verteilten Installationen (derzeit die typische Framework-Klientel) müssen für eine sogenannte Enterprise-Framework-Lösung bis zu einer Million Mark ausgeben. Egon Bohländer, verantwortlich für den Geschäftsbereich Telekommunikation und Netze bei der Unternehmensberatung Gora, Hecken & Partner GmbH in Sulzbach, gibt je nach Installationsgröße und Grad der Netzverteilung eine Investitionssumme zwischen einer halben und mehr als einer Million Mark an.

Hohe Startkosten sind üblich

Dabei ist die reine Anschaffung des ganzheitlichen Management-Systems noch der geringste Teil der Kosten, so die Erfahrung von Diebold-Manager Both. Für ein verteiltes Netz mit rund 3000 PCs rechnet er mit einem Betrag zwischen fünf und sieben Millionen Mark, da Planung, Konzeption, Anpassung, Integration und Installation einer Enterprise-Framework-Lösung anfallen. Doch auch die Betriebskosten dürfen nicht vergessen werden. In der genannten Beispielkonfiguration hält Both es für angemessen, in der Zentrale pro Schicht sechs bis acht Administratoren einzusetzen. "Kommt ein User-Helpdesk hinzu, wird es noch teurer: Für das Trouble-Ticketing-System, inklusive Integrationsarbeit und Anpassung an die spezifischen Unternehmensanforderungen, sollten die Entscheider zusätzlich mit zwei Millionen Mark rechnen; den Personalaufwand für den User-Helpdesk-Betrieb nicht eingerechnet", warnt Both. Für den Betrieb der Enterprise-Framework-Lösung in den Niederlassungen sind je nach Größe der dezentralen Installation einer bis drei Administratoren erforderlich, so Both weiter.

Damit trifft der Diebold-Geschäftsbereichsleiter mit seinen Schätzungen ziemlich genau ins Schwarze. Selbst Tivoli gab bei einem Partnertreff im November 1997 in Austin/Texas, wenn auch indirekt, ähnliche Kostenrelationen an: Jeder Dollar für die Anschaffung des Framework-Systems, hieß es auf der Veranstaltung, würde neun Dollar für die Planung, Konzeption, Implementierung und den anschließenden Support der ganzheitlichen Management-Lösung nach sich ziehen. Anders dürfte die Situation auch nicht unter Unicenter TNG aussehen, selbst wenn bis heute laut CA rund 1,4 Millionen kostenlose Framework-CDs verteilt wurden. Die Partner der jeweiligen Anbieter mögen sich bei solchen Botschaften voreilig die Hände reiben. Für potentielle und betriebswirtschaftlich denkende Anwender rücken jedoch vertretbare Amortisationszeiträume in weite Ferne.

Die Framework-Anwender werden auch nach gelungener Anpassungs- und Integrationsarbeit sowie erfolgreicher Inbetriebnahme lange Zeit mit Ausgaben konfrontiert, bevor sich das ganzheitliche Management irgendwann rechnet. "Anpassung und Integration sind keine einmalige Aufgabe, sondern stehen auch nach der Inbetriebnahme der Framework-Lösung im Rahmen eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses an. Das betrifft etwa die ständig zu verbessernde Verfügbarkeit der Systeme im Netz und die Automatisierung", erklärt Michael Rudolphi, Associate Partner bei Andersen Consulting. Laufende Anpassungs- und Integrationskosten entstehen zudem, weil laufend alle Veränderungen der IT-Installationen zeit- und kostenaufwendig in die Management-Architektur eingebunden werden müssen.

Zertifizierte Berater sind Mangelware

Damit entpuppt sich das Projekt für das Framework-basierende Management als eines der teuersten und zeitaufwendigsten Unterfangen innerhalb der IT. Anders als bei Netzwerk-Management-Lösungen oder System-Management-Teillösungen ist hier eine ganzheitliche und betriebsablauforientierte Sicht auf die IT-Ressourcen notwendig, bevor an eine technische Umsetzung gedacht werden kann. IT-Abteilungen und Organisationsverantwortliche müssen Hand in Hand arbeiten, um ein solches Projekt zu realisieren - ein für viele Unternehmen ungewohnter Projektierungsansatz im IT-Bereich.

Die Planung, Konzeption und Implementierung verlangt den Anwendern ein immenses Know-how ab, das die Unternehmen jedoch in den seltensten Fällen intern bereitstellen können. In dieser Situation sind die meisten Früheinsteiger auf Gedeih und Verderb auf professionellen Beistand von außen angewiesen. Das Manko: Bisher werden nur wenige Consultants in Deutschland von den Herstellern wie Tivoli und Computer Associates für die Planung, Konzeptionierung und Implementierung solcher Lösungen zertifiziert. Ganz augenscheinlich wird der Zertifizierungsrückstand in dieser Hinsicht bei letzterem Unternehmen, das kürzlich in seiner Pressemeldung den ersten zertifizierten Consultant in Deutschland feierte. Nichtsdestoweniger verschenkt CA im Kampf um Marktanteile mehr als eine Million CDs mit dem nackten Framework an Anwenderunternehmen.

Hinzu kommt das strategische Risiko für die Unternehmen, sich derzeit für eine Alternative zu entscheiden. Zu unterschiedlich und damit proprietär sind die Lösungsansätze wie TME 10 und Unicenter TNG. Keinen Zweifel hegt Anderson-Berater Rudolphi daran, daß Anwender mit der Framework-Entscheidung eine starke Bindung und damit Abhängigkeit zum jeweiligen Hersteller eingehen. "Die große Anzahl an Frameworks und der als solche bezeichneten Produkte zeigt, wie stark dieser Markt noch im Fluß ist." Damit fehlten auch weitgehend verbindliche Standards vor allem im Bereich des System-Managements. Fällt der gewählte Anbieter dem Ausleseprozeß des Marktes zum Opfer, steht dem Kunden ein kostenintensiver Umstieg auf ein neues Produkt ins Haus.

Integrationsaufwand bei Drittherstellern

Betroffen sind Dritthersteller, die sich mit ihren Werkzeugen meist unter den Frameworks mehrerer Anbieter formieren und selbst mit erheblichen Integrationskosten konfrontiert sind. Zertifizierte Produktpartner von Tivoli und CA sprechen von einem Integrationsaufwand von teils mehr als einem Mannjahr je Management-Werkzeug und Framework. Und mit jeder neuen Produktversion fallen erneut Kosten an. "Für viele Hersteller wird es sich auf Dauer kaum lohnen, mit ihren Werkzeugen gleichzeitig auf verschiedenen Hochzeiten zu tanzen", stellt Egon Bohländer von Gora, Hecken und Partner fest.

Einzellösungen sind oft die bessere Alternative

Klare Empfehlungen in dieser komplexen und uneinheitlichen Situation liefert Oliver Flüs, Consultant bei Comconsult Beratung und Planung in Aachen: "Framework-Lösungen dürften, wenn überhaupt, derzeit nur für Großanwender und Host-Umsteiger in Frage kommen. PC-Anwender sollten dem Trend zu Microsoft-Betriebssystemen und -Anwendungen folgen und den System Management Server (SMS) wählen. Für Anwender mit ausgeprägten Unix-Umgebungen stellt HP Openview eine interessante Alternative dar." Sein Ratschlag insbesondere an mittlere Unternehmen lautet, zunächst einmal die Management-Anforderungen im einzelnen zu priorisieren. In der Folge lassen sich die Probleme mit geeigneten und spezialisierten Lösungen adressieren.

Sind die Integrationsversprechen der Framework-Anbieter nicht auf Sand gebaut, ist mit der Wahl von speziellen Teillösungen nichts verloren. "Eine solche Entscheidung schließt nicht aus, später den Schritt zu integrierten Framework-Lösungen zu vollziehen", pflichtet Rudolphi dem Flüs- Urteil bei. Beim Einsatz von Einzellösungen sollten die Anwender jedoch darauf achten, daß die Framework-Unterstützung dieser Werkzeuge gewährleistet ist.

TME 10 mit eindeutigen Vorteilen

Die beiden Hauptkombattanten im Framework-Geschäft trennen technologisch mittlerweile Welten, auch wenn das Computer Associates (CA) mit seinem allzu offensiven Marketing-Drang kaum wahrhaben will. Die Drei-Ebenen-Architektur und traditionelle SNMP-Agenten-Philosophie von "Unicenter TNG" konfrontiert den Anwender mit mehreren Benutzeroberflächen, einer langsameren Administration und einer mehr oder weniger gelungenen Integration der einzelnen Werkzeuge. Zu einem ähnlichen Ergebnis ist jüngst auch das "PC Magazine" nach einem Test beider Framework-Lösungen gelangt. Parallel attestieren die Tester der Zeitschrift, daß Unicenter TNG im Vergleich zu "TME 10" schwieriger zu installieren und zu konfigurieren sei und über seine SNMP-Agenten-Philosophie zu einer größeren Abhängigkeit zwischen Framework und den integrierten Plattformen führe. Zudem basiert Unicenter TNG bis heute auf klassischen SQL-Servern. Von einer objektorientierten Struktur im Kern des Frameworks - sie existiert nur im CA-Marketing - ist die CA-Lösung damit noch weit entfernt. Eine Umstellung auf Unix-Server in unterschiedlichen Derivaten im Zusammenspiel mit dem Datenbanksystem "Open Ingres 2.0" steht noch bevor. Erst danach wird der Kern des Unicenter-Frameworks eine objektorientierte Middleware enthalten.

Anders bei TME10 von Tivoli, das im Kern bereits weitgehend auf der Common Object Request Broker Architecture (Corba) und damit auf einer objektorientierten Middleware basiert. Außerdem sorgt eine Zwei-Ebenen-Architektur dafür, daß Administratoren bei allen Management-Disziplinen durchgehend unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche sowie mit gleichen Verfahren arbeiten können und Management-Aufgaben beliebig im Netz verteilen können. Dazu wurde die objektorientierte Struktur im Kern des Frameworks von Tivoli um Grundfunktionalitäten ergänzt, die alle Management-Anwendungen teilen. Dazu zählen etwa Inventarisierung, Softwareverteilung, Benutzerverwaltung und Funktionen zur Überwachung von Systemen im Netz. Erst hier klinken sich Dritthersteller mit ihren Management-Werkzeugen ein.

Entsprechend fällt auch die Einschätzung von Rainer Klug, Consultant bei der Schumann Unternehmensberatung, München, und zertifizierter Framework-Kenner, aus: "Tivoli TME 10 ist im Vergleich zum CA-Produkt die reifere Lösung, allerdings auch nicht ohne Fehler." Neben der Tivoli- und der CA-Lösung gibt es für Klug derzeit keinen weiteren Lösungsansatz, der das Attribut "systemübergreifend" verdient hätte.

Alternative Plattformen

Neben "TME 10" von Tivoli und "Unicenter TNG" von Computer Associates liefert laut Rüdiger Both von Diebold Deutschland die Firma Hewlett-Packard mit "Openview" interessante Ansätze im Bereich System-Management. Insbesondere die Agenten zum Applikations-Management, das integrierte "Legato Networker" für das Operations-Management und erste Ansätze für das Asset- Management fielen positiv auf. Beim "Solstice Sunnet Manager" entdeckt er mit "Symon" zumindest erste Ansätze in Richtung Asset-Management.

Partner-Boom

Glaubt man den Angaben der Hersteller wie Tivoli und Computer Associates, haben sich bereits Hunderte von Herstellern unter dem jeweiligen Framework formiert. Tivoli spricht von rund 350, CA immerhin von über 200 Partnern. Das heißt aber keineswegs, daß Produkte dieser Hersteller bereits für den Einsatz unter dem Framework zertifiziert wurden. Nur rund ein Drittel aller Tivoli-Produktpartner können etwa ein entsprechendes Zertifikat vorweisen.

*Hadi Stiel ist freier Journalist in Bad Camberg.