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30.01.2004 - 

Enormer Preisverfall im Markt für Betriebsdienstleistungen

Kostenprimat fördert SAP-Auslagerung

MÜNCHEN (CW) - Die Nachfrage nach SAP-Betriebsdienstleistungen ist im vergangenen Jahr kräftig gewachsen. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch den enormen Preisverfall in diesem Geschäft.

Während der ERP-Lizenzmarkt praktisch nicht mehr wächst, legte das Geschäft mit Betriebsservices im vergangenen Jahr deutlich zu. In ihrer Studie "Der Markt für SAP-Betriebsdienstleistungen: Outsourcing, ASP und Hosting 2003/2004" beziffern die Autoren vom Beratungshaus Strategy Partners International (SPI) das Marktwachstum auf 17 Prozent. Dies ist umso bemerkenswerter, als die Anbieter diese Zunahme trotz eines deutlichen Preisverfalls erzielt haben. Nachdem im Jahr 2002 die Preise um rund 16 Prozent nachgaben, sackten sie im vergangenen Jahr immerhin noch um sechs bis sieben Prozent. "Im Mittelpunkt dieses Wettbewerbs stehen die so genannten Basisbetriebsleistungen, also jene Dienste, die keine Kenntnis von Anwendung und Branche verlangen. Die Preise sinken hier immer noch schneller, als gute CIOs bei Eigenbetrieb Kosten reduzieren", behaupten die Analysten von Strategy Partners.

In einem von Kostendruck und Sparzielen dominierten Umfeld müssen IT-Leiter also gute Gründe jenseits der wirtschaftlichen Eckdaten finden, wollen sie den SAP-Betrieb weiterhin selbst verantworten. Das fällt zunehmend schwerer, denn einstmals schwer wiegende Hinweise auf drohenden Kompetenzverlust, fehlende Innovationsmöglichkeiten und die enge Verzahnung mit Geschäftsprozessen zählen heute nicht mehr in dem Maße wie noch vor drei oder vier Jahren. Die IT und die SAP-Applikationen unterliegen dem unerbittlichen Primat der Betriebswirtschaft: Die Unternehmen investieren nur noch, wenn nach wenigstens zwölf Monaten ein positiver Nettobeitrag zum betriebswirtschaftlichen Ergebnis in Aussicht steht.

In der Vergangenheit folgten die Anwender dagegen meist den Empfehlungen des Herstellers SAP, wenn auch manchmal mit Verzögerung. Doch diese Zeiten sind offenbar vorbei: So ist nach Angaben von Strategy Partners die Marktdurchdringung von Mysap deutlich geringer, als es die SAP glauben machen will. Nur 30 Prozent der SAP-Kunden, so die Analysten, verfügen über Mysap-Verträge, von denen haben lediglich 20 Prozent die neue Technik implementiert, die meisten Anwender nutzen also weiterhin R/3. Demzufolge stehen mehr als 90 Prozent aller SAP-Nutzer vor der Entscheidung, wann und wie der vom Hersteller als unvermeidlich dargestellte Wechsel am besten zu bewerkstelligen sei.

Klima begünstigt Outsourcing

Die Situation in vielen Unternehmen lässt sich demnach wie folgt beschreiben. Die Finanzvorstände drücken auf die Kostenbremse, und die IT-Verantwortlichen agieren in einem eng anliegenden finanziellen Korsett. Der Sparzwang und die damit einhergehende schleppende Investitionsbereitschaft in neue ERP-Produkte hat die Anwendungslandschaft der Unternehmen zusehends veralten lassen. Zudem schließen sich in den nächsten Jahren die Wartungsfenster der SAP für ältere Applikationen, so dass für viele Nutzer eine Migration auf neuere Versionen unausweichlich erscheint.

Daraus ergibt sich ein Klima, das den Markt für SAP-Betriebsdienstleistungen gedeihen lässt. "Je stabiler die Landschaft ist, desto eher können Betriebsdiensleister Produktivität schöpfen. Das geht nicht, wenn Applikationen ständigen Änderungen unterliegen", erläutert Helmuth Gümbel, Managing Partner bei der Unternehmensberatung Strategy Partners und einer der Autoren. Zudem bietet sich den Anwendern die Möglichkeit, ihre Applikationen, die von neueren Releases abgekoppelt sind und nur noch per Wartungsverlängerung über Wasser gehalten werden, im Rahmen eines Auslagerungsvertrages zu migrieren.

Doch damit nicht genug: Anwender sollten in einem heute abgeschlossenen und über fünf Jahre laufenden Betreibervertrag unbedingt eine Technikmigration im größeren Stil einplanen, denn die Strategy-Partners-Analysten halten Mysap in der heutigen Form nicht für die Plattform der Zukunft. Die nächste Generation der ERP-Software wird von Web-Services geprägt. Alle Applikationsanbieter sehen sich damit einer grundlegenden Überarbeitung ihrer Software gegenüber. Inwieweit dabei die Kompatibilität zu den heutigen Produkten gewahrt werden kann, ist noch völlig unklar.

Alterndes Know-how auslagern

Absehbar ist auch, dass Abap in der künftigen ERP-Welt keinen bedeutenden Platz mehr hat. Abap wird eine ähnliche Entwicklung wie Cobol nehmen. Es wird weiterhin Abap-Programmierer geben, aber ihr Wissen wird keinen strategischen Wert mehr haben. Um die Entwicklung in diesem Umfeld einschätzen zu können, ziehen die Autoren der Studie einen Vergleich zur Bankensoftware Kordoba von Siemens auf dem Großrechner BS 2000. Die Anwendung war nützlich, basierte aber auf einer Technik mit ungewisser Zukunft und wurde ausgelagert. Die Analysten vermuten, dass heutige SAP-Nutzer einen ähnlichen Weg einschlagen und mehr Unternehmen als bisher den Betrieb ihrer SAP-Software einem Betriebsdienstleister anvertrauen werden. "Die Anwender werden versuchen, neues Wissen für die nächsten Generationen aufzubauen und Mitarbeiter mit gutem, aber alterndem Know-how Betriebsdienstleistern zu überlassen", so die SAP-Experten.

Allerdings werden sich nicht für jeden Anwender entsprechende Outsourcing-Offerten finden lassen, denn zum Teil sind die Applikationen zu speziell, die Sicherheitsanforderungen zu hoch oder zu viele unternehmensspezifische Kenntnisse erforderlich, als dass sich die Applikationen auslagern ließen. Zudem sind auch von Seiten der SAP noch Nachbesserungen erforderlich, insbesondere beim Lizenzmodell. Zwar gibt es bereits ein speziell auf Service-Provider zugeschnittenes Verfahren, das es erlaubt, frei werdende Lizenzen für andere Kunden zu nutzen. Wünschenswert wäre aber ein echtes "On-Demand"-Konzept, das auch eine Reduktion zulässt. Dennoch sind sich die Analysten sicher, dass der Markt für das SAP-Outsourcing auch weiter expandieren wird, wenngleich nicht mehr mit den Wachstumsraten der Vergangenheit. (jha)

Darum scheitern Deals

- Geringe Restkompetenz beim Anwender und damit hohe Abhängigkeit vom Dienstleister,

- ungenügende Planung für den Fall des Provider-Wechsels,

- starre betriebliche Prozesse und Verlust der Integrations- und Anpassungsfähigkeit,

- angelhafte Prozesse zwischen Kunde und Anbieter,

- ungenügende Definitionen in Vertrag und Service-Level-Agreement.

Vorteile des Fremdbetriebs

- Höhere Kostenflexibilität bei Lastschwankungen,

- besserer Zugang zu Spezialisten und Innovationen,

- Kostensenkung durch Ressourcen-Sharing,

- Konzentration auf das Kerngeschäft,

- größere Unabhängigkeit von internen Leistungsträgern,

- bessere Kostentransparenz und Planbarkeit,

- methodischeres Vorgehen.

Abb: Der Preis entscheidet

Die Anwender schauen zumeist auf den Preis, um sich für einen Outsourcing-Anbieter zu entscheiden. Nur kleine Firmen legen mehr Wert auf die technischen Fähigkeiten ihres künftigen Dienstleisters. Quelle: SPI