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09.06.1995

Kostenreduzierung bei Client-Software Softwareverteilung vermag auch groessere Probleme loesen Von Edgar Heinzel*

09.06.1995

Viele DV-Abteilungen sehen in der Client-Server-Architektur ein Allheilmittel zur Behebung der Mainframe-Nachteile. Das gilt vor allem fuer die Kosten und die Benutzerunfreundlichkeit. Dabei wird haeufig uebersehen, dass die Moeglichkeiten der verteilten Umgebung wesentlich weiter reichen. Vor allem beim Management solcher Systeme spielt Softwareverteilung eine zentrale Rolle.

Im Unterschied zum Peer-to-peer-Verfahren arbeiten bei der Client- Server-Architektur keine gleichberechtigten Partner zusammen. Die Server stellen bestimmte Dienste zur Verfuegung, die von den Clients genutzt werden. Somit ist die Wiederverwendbarkeit, in dem Sinne, dass ein Programm mehrfach abgerufen werden kann, das wesentliche Charakteristikum einer Client-Server-Architektur. Dies muss sich auch auf die Anwendungssoftware beziehen. Ziel ist es auch hier, Software zentral zu speichern und zu pflegen, aber dezentral aufzurufen.

In Zeiten der Vernetzung von PCs kommt es immer wieder vor, dass Anwendungssoftware mit Disketten oder CDs dezentral vor Ort installiert wird. Dies bringt nicht nur einen erheblichen Zeitaufwand mit sich, sondern bedeutet auch eine merkliche Verzoegerung beim Laden von Updates. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass die Dokumentation der Programmversionen oft manuell erfolgt und so die Uebersicht bezueglich der eingesetzten Software fehlt. Dadurch wird oftmals Geld fuer gar nicht benoetigte Lizenzen ausgegeben.

Diese Probleme lassen sich in einer Client-Server-Umgebung jedoch mit einem Softwareverteilungsprogramm beheben. Alle Stationen erhalten fast gleichzeitig die neuesten Update-Versionen. Auch die Wartung der PCs wird mit einer derartigen Management-Funktion erheblich erleichtert, weil der Betreuer die Moeglichkeit hat, sich vom Server aus in den Client einzuloggen (Remote Control), vorausgesetzt, der Anwender hat seine Zustimmung erteilt. Zwei verschiedene Verteilungsmethoden koennen unterschieden werden (vgl. Abbildung):

- Die reine Stand-alone-Loesung sieht so aus, dass ein Zentral- Server die Anwendungen auf alle Clients verteilt und diese dort auf der Festplatte gespeichert werden. Es sind fuer jeden PC alle Lizenzen der auf ihm installierten Programme zu erwerben. Dies erweist sich oft als Nachteil, weil die Auslastung der Programme (Anzahl der geladenen Programme) oft keine 100 Prozent betraegt. Kein Anwender nutzt zur gleichen Zeit alle ihm zur Verfuegung stehenden Programme.

- Bei der zentralen Speicherung, gewissermassen einer partiellen Stand-alone-Loesung, kann sich die Anzahl der Lizenzen an der Spitzenauslastung der Programme orientieren. Die Programme liegen auf dem Server, nur das Betriebssystem ist auf der Festplatte der Clients gespeichert. Wenn der Anwender mit einem Programm arbeiten moechte, laedt er es vom Server in den Hauptspeicher seines PCs.

Verwaltung von Softwarelizenzen

Das Lizenz-Management spielt bei der Verteilung von Software eine entscheidende Rolle. Wichtig ist, dass ein Lizenzvertrag besteht, der die Benutzung eines Programmes durch mehrere Anwender an unterschiedlichen Rechnern ermoeglicht. Wird die Anzahl der erworbenen Lizenzen erreicht, muss eine Messung dafuer sorgen, dass die Anwendung von keinem weiteren Benutzer aufgerufen werden kann. Die Aufgabe des Messsystems besteht nicht nur in der Kontrolle der Anwenderzahl, sondern fuehrt auch eine Statistik ueber die Auslastung der einzelnen Programme und schafft so eine Planungsgrundlage fuer den weiteren Lizenzenerwerb. Diese Funktion ist in modernen Softwareververteilungs-Programmen schon integriert.

Die inzwischen von Novell uebernommene Wordperfect Corp. hat sich als erster Anbieter auf die veraenderten Anwenderbeduerfnisse eingestellt und bereits im Maerz 1993 nur in dem Ausmass Lizenzgebuehren gefordert, die tatsaechlich gleichzeitig von mehreren Usern genutzt werden. Die Gebuehren richten sich also nach der Auslastung der einzelnen Anwendung und nicht nach der Anzahl der installierten Programme.

Microsoft verhindert bislang durch eine geschickte Preispolitik die Moeglichkeit der zentralen Speicherung und dezentralen Ausfuehrung der Programme. So ist etwa das Office-Paket erheblich guenstiger als die in ihm enthaltenen Einzellizenzen. Gleichzeitig darf das Paket aber nicht auf verschiedene PCs aufgeteilt und kann somit nur im Rahmen einer reinen Stand-alone-Loesung eingesetzt werden. Dieser Nachteil faellt aber dadurch nicht so stark aus, dass es gelaeufige Standardanwendungen beinhaltet, bei denen sich eine Aufteilung nicht lohnen wuerde. Die Auslastung bei Winword oder Excel ist so hoch, dass eine zentrale Speicherung vor Ort wegen der damit verbundenen Belastung des Netzes nicht sinnvoll ist.

Die Datensicherheit darf nicht als notwendiges Uebel angesehen werden, sondern als Grundvoraussetzung eines effektiven DV- Einsatzes. Das Bundesamt fuer Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nennt drei Standardprobleme bei der Sicherheit bezogen auf Hard- und Software, Leitungen und Daten:

- den moeglichen Verlust der Verfuegbarkeit des Systems,

- die Gewaehrleistung der Datenintegritaet,

- die Behandlung von vertraulichen Daten.

Beim vernetzten Einsatz verschiedener Systeme ist zudem auf Risiken zu achten, die sich daraus ergeben, dass jedes Netzverwaltungsprodukt separat gepflegt werden muss. Das Unternehmen insgesamt braucht ein integriertes Sicherheitssystem, das auf fundierten Risikoanalysen basiert.

Die Datensicherheit ist bei intelligenten Endgeraeten ein grosses Problem, weil sie durch dezentrale Veraenderungen das unternehmensweite Sicherheitssystem unterlaufen koennen. Deshalb ist es ratsam, den Anwendern am Client nur die Gestaltung des Benutzerprofils zu gestatten. Konsequent wird dieser Gedanke umgesetzt, wenn auf dem Client nichts anderes als das Betriebssystem installiert ist. Dafuer reichen PCs ohne Diskettenlaufwerke, die darueber hinaus den Vorteil haben, dass sie gegen unbefugtes Starten geschuetzt sind und gleichzeitig einen Viren- und Kopierschutz bieten.

Fallen die Diskettenlaufwerke weg, braucht der PC jedoch einen anderen Mechanismus fuer die Datensicherung, etwa durch einen automatischen Backup-Service. Diese Aufgabe faellt in der Regel dem Server-System zu.

Aus Kostengruenden ist es sinnvoll, ein ueberall in der Firma gebrauchtes Office-Paket dezentral vorzuhalten (Stand-alone- Loesung). Wie sieht es aber mit Programmen aus, deren Auslastung geringer ist? Mit folgender Gleichung lassen sich erfahrungsgemaess die durchschnittlichen Ausgaben fuer Lizenzkosten solcher Zusatzprogramme ermitteln:

Softwarekosten pro PC = Preis * Ip * Ap. Dabei ist Ip die Anzahl der PCs, auf denen das Programm installiert ist, geteilt durch die Gesamt-PC-Anzahl. Ap ist die Anzahl offener Programme zu Spitzenzeiten geteilt durch die Anzahl der PCs, auf denen das Programm installiert ist

Es gilt die Daumenregel, dass die zentrale Speicherung um so guenstiger ist, je hoeher der Installationsprozentsatz (Ip) und je geringer der Auslastungsprozentsatz (Ap) ist, bezogen auf die PCs, auf denen das Programm installiert wurde.

Es kann davon ausgegangen werden, dass Software kuenftig auf der einen Seite immer spezieller gestaltet wird, die Auslastung aber in Folge der massgeschneiderten Entwicklung geringer ausfallen wird. In diesem Fall empfiehlt sich ein Mischverfahren, bei dem das Betriebssystem und das Office-Paket auf dem PC liegen, waehrend die zusaetzlichen Programme vom Server geladen werden.

Die zentrale Speicherung und das dezentrale Laden von Software duerfen nicht isoliert von den anderen Servicediensten der Client- Server-Architektur gesehen werden. Folgende auch kombiniert einsetzbare Funktionen muss ein Client-Server-Systen einbringen:

- Die zentrale Speicherung von Programmen, Programmodulen und gemeinschaftlichen Daten.

- Die zentrale Verwaltung der Hard- und Software mit Hilfe einer Inventardatei. Diese spielt auch als Uebersicht bei der zentralen Speicherung von Software eine wichtige Rolle.

- Eine Fehlerdatei, die mit der Inventardatei verknuepft ist, so dass eine moegliche Fehlersuche schneller bewaeltigt werden kann.

- Groupware-Anwendungen, also zum Beispiel das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten, die gemeinsame Terminverwaltung oder E- Mail-Systeme.

- Ein zentrales Sicherungsverfahren, wie das Abspeichern von individuellen Daten auf zwei verschiedenen Festplatten. So kann auf dezentrale Diskettenlaufwerke verzichtet werden und die Datensicherheit naehert sich dem Mainframe-Niveau.

- Die gemeinsame Nutzung von Peripheriegeraeten, wie es jetzt schon durch den Druckerservice ermoeglicht wird.

Alle Features zusammen machen ein "Computer Integratet Service Paket" aus. Nur so koennen DV-Abteilungen ein umfassende Serviceangebot praesentieren.

* Edgar Heinzel ist freier Autor in Stuttgart