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11.02.1977 - 

EDV außer Haus:

Kostenstruktur klar definiert

INNSBRUCK (CW) - Den Führungskräften in Handels- und Dienstleistungsunternehmen widmete die Siemens AG ein stark software-orientiertes Seminar im noblen Holiday Inn in Innsbruck. Vor allem durch die Gastkommentare gewann das Seminar an Aussagekraft. (Prof. Dr. Helgo O. Grimm Curtius, Fachhochschule Augsburg; Achim Josefy, Gruoner KG, Stuttgart; Harry Ladwig, Hahn & Kolb, Stuttgart, Willy Pesch, Cornelius Stüssgen AG; Köln; die CW wird auf die einzelnen Referate noch zurückgekommen.) Horst Rittenbruch, Geschäftsführer des FRZ-Frischdienst-Rechenzentrum GmbH & Co. in Hannover beschäftigte sich mit der Datenverarbeitung außer Haus, und zwar unter dem Aspekt der rationellen Rechenzentrumsorganisation. Das FRZ hat sich auf die Dienstleistung im Lebensmittelbereich spezialisiert und inzwischen rund 30 Kunden, die zusammen etwa 1,5 Milliarden Mark Umsatz über die FRZ-Maschinen laufen lassen. Diese Kunden hatten ursprünglich entweder eigene Anlagen stehen, wurden bei anderen Rechenzentren herausgeboxt oder sind in die "EDV-Größe" hineingewachsen. Die FRZ-Hardware besteht aus einer Siemens 4004/135 und 145, die mit erheblicher Plattenperipherie und drei Druckern als Duplex-System ausgelegt sind. Die Drucker können dem einen oder anderen System zugeschaltet werden. Als Datenfernübertragungssystem ist im FRZ eine Nixdorf 620 eingesetzt; Maschinen dieses Typs stehen bei den großen Kunden auch als "Datenvorverarbeitungs-Systeme". (Das Datensammeln bezahlen die Kunden selbst, die Organisation und Programmierung der Datenerfassung leistet das FRZ.)

Mit nur 25 Mann "üblichem" EDV-Personal (das sich allerdings nicht mit der Datenerfassung beschäftigt) kommt das FRZ mit einem geringen Stamm aus; darunter befinden sich jedoch Branchenspezialisten aus dem Lebensmittelhandel.

Wesentlich sind für das FRZ die Dienstleistungsgrundsätze, nach denen es operiert. Rittenbruch: "Wir liefern nicht einfach Hardware, indem wir Blockzeiten zur Verfügung stellen, sondern unsere Leistung besteht in der Lieferung eines Paketes von Hard- und Software mit Full-Service. Wir sagen nicht nur, hier ist das Programm und hier die Auswertung, sondern wir gehen zum Kunden und richten ihn auf die EDV ein. Ein wichtiger Punkt, denn was vor Ort falsch läuft, das kann der Computer nicht mehr in Ordnung bringen." Das FRZ versteht 4 seine EDV-Arbeit als ein klares Marketingkonzept der Dienstleistung und nicht nur als simple Abrechnungsmethode. Die Hannoveraner erstellen deshalb Informationslisten, mit denen das Marketing gesteuert werden kann. Zum Beispiel Nutzenanalysen, aus denen sich quasi Vorschläge ergeben. So über das Umsatzverhalten beim "Kunden des Kunden".

In den Kunden hineinorganisieren

Dies liefert auch das nächste Stichwort: "Coorganisation" mit EDV-Unterstützung, das ist die Organisation des FRZ-Kunden hin zur Organisation seines Kunden. Klassisches Beispiel ist dafür der Datenträgeraustausch. ("Das Kritischste am Datenträgeraustausch ist die miserable Dienstleistung von Bundespost und Bundesbahn", lästert Rittenbruch.) "Wenn beispielsweise unser Münchener Kunde an Tengelmann liefert, bekommt er einen Stapel Rechnungen und ein Magnetband dazu, das genau so aussieht, wie es der Tengelmann braucht. Tengelmann braucht nicht umzuwandeln, sondern der Satzausbau ist uns von Tengelmann im FRZ vorgegeben Wir organisieren also in den Einzelhändler hinein, und zwar für 30 Kunden, mit Umsätzen zwischen 150 und 200 Millionen Mark." Rittenbruch: "Wir glauben, hierin eine Marktlücke gefunden zu haben. Denn ein Rechenzentrum, das sich auf die üblichen Lohn- und Gehaltsabrechnungen beschränkt, wo ja ein unglaublicher Preiskampf herrscht, das ist nichts Besonderes."

Um diese Grundsätze realisieren zu können, benötigt das FRZ hochentwickelte Standardprogramme, qualifiziertes Personal - und langfristige Verträge. Die bisherigen Arbeitsverträge haben fünf Jahre Laufzeit. Das Problem: Der gesamte Manpower-Aufwand muß über "adäquate" - sprich marktfähige Preise - finanziert werden. Im übrigen rechnet das FRZ nach "Zeile" und nicht nach schwer kontrollierbarer "CPU-Zeit" ab. Die "marktfähigen Preise" verursachen stets harte Diskussionen, wenn bewiesen werden muß, daß ein konkurrierendes Rechenzentrum eben lediglich Fakturierung anbietet und dafür natürlich scheinbar weniger verlangen kann. Bei diesen Gesprächen fallen jedoch auch die Argumente, warum ein Service-Rechenzentrum tatsächlich wirtschaftlicher als eine eigene Datenverarbeitungsanlage arbeiten kann.

Konzentration auf Primäraufgaben

Rittenbruch: "Unser erstes und wichtigstes Argument: Der potentielle Kunde kann und soll sich auf seine Primäraufgaben konzentrieren. Zwar braucht jeder Mensch Strom,- aber deshalb stellt sich nicht jeder ein E-Werk hin." Wer mit einem Rechenzentrum arbeitet, hat keine Investitionen für schwere Hardware, obwohl natürlich für Terminals Investitionen anfallen. Kosten für Klimaanlagen, Räume und nicht vergessen Stromkosten - was meistens bei Kostenvergleichen vergessen wird - entfallen ebenso. "Wir glauben auch", so der FRZ-Geschäftsführers "daß die begrenzteren Personalprobleme für uns sprechen". Obwohl einzusäumen ist, daß man bei der Mentalität deutscher EDV-Leute, je größer die Anlage, desto höher mein Gehalt, nach einem qualifizierten EDV-Koordinator lange suchen muß.

Gespräch von Mann zu Mann

Aber: Via EDV-Rechenzentrum verfügt man über hochqualifizierte Manpower, über moderne Großcomputer und als wesentliches Element - den Multiplikatoreffekt: Wo viele Kunden betreut werden, gibt es viele Anregungen, viele Verbesserungen. Und dann sticht noch ein Trumpf für Dienstleistungs-Rechenzentren Die Kostenstruktur ist klar überschaubar. Denn die Anlaufkosten werden genau fixiert und die Dauerkosten lassen sich in Abhängigkeit von der Inanspruchnahme rauf- und runterfahren was unmöglich ist, wenn man einen eigenen Apparat aufgebaut hat.

Rittenbruch, der selbst EDV-Chef in einem Großunternehmen war, schwört auch auf den psychologischen Effekt des Kunden-Lieferanten-Verhältnisses. Fehler in einem hausinternen EDV-Zentrum werden zumeist durch Gespräche von Mann zu Mann ausgebügelt. Wenn aber das Dienstleistungsrechenzentrum etwas falsch macht; dann platzt eine Bombe. Denn da kommt zum Monatsende nicht einfach eine Kostenstellenumlastung, sondern eine Rechnung.