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UMTS-Technologie mit immer größeren Fragezeichen


30.08.2002 - 

KPN schreibt Milliarden Euro ab

MÜNCHEN (CW) - Der niederländische Telekommunikationsriese KPN hat insgesamt neun Milliarden Euro bei seinen deutschen und belgischen Mobilfunk-Töchtern abgeschrieben. Rund 6,6 Milliarden Euro davon entfallen auf E-Plus. Hiervon wiederum strich KPN wertmäßig allein 3,9 Milliarden Euro an UMTS-Lizenzen aus den Büchern.

Mit diesem Schritt habe man die eigenen Geschäftspläne der allgemeinen Wirtschaftslage angepasst, sagte KPN-Finanzchef Maarten Henderson. Die Niederländer hatten im August 2000 ihre deutsche UMTS-Lizenz für 8,4 Milliarden Euro ersteigert. In den Büchern steht sie jetzt allerdings nur noch mit 4,5 Milliarden Euro. Ebenfalls Lizenzen erworben hatten seinerzeit T-Mobile, Vodafone, Viag Interkom (heute O2), Mobilcom und Quam. Finanzminister Hans Eichel konnte sich über rund 100 Milliarden Mark an Lizenzgebühren freuen.

Wert stark gesunken

Neben der Wertberichtigung der UMTS-Lizenz von E-Plus hat der niederländische Konzern auch den Wert der deutschen Tochter um 2,7 Milliarden Euro nach unten korrigiert. Insgesamt summiert sich die Wertberichtigung bei E-Plus somit auf 6,6 Milliarden Euro.

Dies ist bereits die zweite Anpassung der Firmenpassiva von E-Plus. KPN hatte den Firmenwert der deutschen Mobilfunk-Tochter bereits im Jahr 2001 per Sonderabschreibung reduziert. Einst für 19 Milliarden Euro gekauft, bilanzieren die Niederländer die deutsche Tochter heute nur noch mit elf Milliarden Euro.

Der Schritt wird allgemein als notwendig und überfällig angesehen. E-Plus unterhielt mit dem spanischen Kommunikationskonzern Telefónica und dessen Tochter Quam eine Partnerschaft, um in Deutschland ein UMTS-Netz aufzubauen. Hier verhandelt KPN momentan nur noch über eine Vertragsstrafe, nachdem das deutsche UMTS-Engagement von Quam auf Eis gelegt wurde. Quam ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Telefónica (57 Prozent) und der finnischen Sonera (43 Prozent).

Auch mit Mobilcom unterhielt E-Plus vertragliche Beziehungen. Danach sollte das deutsche Mobilfunkunternehmen, das sich mehrheitlich im Besitz der France Télécom befindet, das Mobilfunk-Netz von E-Plus nutzen. Diese Option hat Mobilcom bislang nicht verwertet. Die Manager von KPN gehen offensichtlich auch nicht mehr davon aus, dass sich hier eine Wende abzeichnen könnte.

Insofern meinen manche Analysten, dass die jetzt erfolgte Wertberichtigung von E-Plus für KPN nur ein erster Schritt zu einer Ablösung von der deutschen Tochter sein könnte.

KPN muss durch die Sonderabschreibungen von insgesamt neun Milliarden Euro bei seinen deutschen und belgischen (KPN Belgium) Mobilfunktöchtern im zweiten Quartal 2002 einen Rekordverlust von 9,3 Milliarden Euro verkraften. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres verbuchten die Niederländer einen Verlust von 499 Millionen Euro. Für die belgische Tochter sucht KPN einen Partner.

Die UMTS-Lizenzabschreibungen von KPN sind nicht der erste Rückschlag für die breitbandige Übertragungs-Technologie, die vor Jahren mit großen Vorschusslorbeeren bedacht worden war. Schon früher hatte etwa Telefónica mit der Tochter Quam nicht nur den Rückzug in Deutschland vollzogen, sondern sich komplett aus dem europäischen UMTS-Markt verabschiedet und sich auf das spanische Mutterland konzentriert.

Immer mehr springen ab

Die finnische Sonera tat es mit ihren europäischen UMTS-Töchtern den Iberern gleich. Beide Unternehmen nahmen mit diesen Rückzugsgefechten auch gleich jeweils eine Wertberichtigung in ihren Büchern von vier Milliarden Euro vor. Die France Télécom hatte ferner geplant, die Installation eines UMTS-Netzes in Schweden über deren Tochter Orange für drei Jahre auf 2006 zu verschieben. (jm)