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22.03.1985 - 

Microdata stach namhafte Anbieter aus:

Kraftfahrt Bundesamt reorganisiert Datenerfassung

FLENSBURG (sch) - Zutritt zum DV-Bereich des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg verschaffte sich ein bisher recht unbekanntes Unternehmen auf dem deutschen Computermarkt: Zur Datenerfassung setzt die oberste Behörde jetzt Systeme von Microdata ein.

Ausschlaggebend für die Neuorganisation der Datenerfassung beim KBA war weniger eine steigende Datenflut als vielmehr der Wunsch nach mehr Ergonomie am Arbeitsplatz und nach einer höheren Erfassungsqualität. Bei der Dateneingabe an den alten Inforex-Systemen vom Typ 1330 schlichen sich aufgrund mangelnder Prüfmöglichkeiten immer wieder Fehler ein. So mußten rund sechs Prozent der Belege zweimal erfaßt werden, weil die Zulassungsstellen falsche oder unvollständige Angaben übermittelten.

Um die aufgetretenen Fehler zu beheben, bedurfte es umständlicher und langwieriger Vergleiche mit Hilfe eines Karteikastensystems. Oft wurden die "Schnitzer" auch erst nach der Speicherung im Hauptrechner erkannt. Zu den Fehlern, die den Zulassungsstellen häufig unterlaufen, gehören laut KBA zum Beispiel die Angabe von nicht erlaubten Kennzeichenkombinationen oder nicht existierenden Fahrzeugausstattungen oder Farbnuancierungen.

Mischarbeitsplätze in der Pilotphase

Nach dem Auswahlverfahren im Hinblick auf die geplante DV-Umstellung entschied sich das Flensburger Amt für das "Distrubuted-Data-Processing-System" M8000 von Microdata, einem Tochterunternehmen des amerikanischen Luftfahrt- und Raumfahrtkonzerns McDonnell Douglas. Als weitere Anbieter waren unter anderem Datapoint, MDS, Kienzle, Philips, Siemens und Nixdorf im Rennen, wobei laut KBA Nixdorf mit seinem System neben Microdata in die engste Wahl kam.

Von dem Ziel, alle Fehler schon bei der Erfassung auszubügeln, ist man allerdings beim Kraftfahrt-Bundesamt auch mit dem neuen System noch ein gutes Stück entfernt. So nutzen erst acht der insgesamt 180 Datenerfassungskräfte die von der neuen Microdata-Anlage zur Verfügung gestellten Prüfroutinen und Referenzdateien.

Langfristig strebt das Flensburger Amt eine generelle Einführung der sogenannten Mischarbeitsplätze im Bereich Datenerfassung an. Die bisher im Rahmen des seit Februar 1985 laufenden Pilotprojekts gemachten einschlägigen Erfahrungen sind aus KBA-Sicht durchaus positiv.

So würden es die Mitarbeiterinnen begrüßen, daß ihre Tätigkeit abwechslungsreicher geworden ist und sie auch eigene Entscheidungen treffen können. Günter Pütz, Leiter des Sachgebiets Datenerfassung beim KBA, nennt in diesem Zusammenhang zunächst folgendes typische Beispiel: "Bei Fahrzeugen, die ungetypt zu uns kommen, kann die Sachbearbeiterin schon während der Erfassung in die Herstellertyp-Datei einsteigen und auf diese Art und Weise den Typschlüssel ermitteln."

Häufig passiere es auch, so Pütz weiter, daß der Herstellerschlüssel nicht zur Fahrgestellnummer passe. In diesem Falle habe die Sachbearbeiterin die Möglichkeit, ein Verzeichnis mit den weltweiten Schlüsselnummern aufzurufen, das selbständig auf etwaige Fehlinformationen aufmerksam mache. Ein anderer Fehler, der sich jetzt gleich bei der Erfassung abfangen lasse, sei die Angabe eines falschen Herstellerlandes bei einem Fahrzeugtyp, der von einem Automobilkonzern in mehreren Ländern gleichzeitig hergestellt wird.

Schließlich und endlich nennt der KBA-Abteilungsleiter noch ein weiteres Anwendungsbeispiel: "Oft werden dem Kraftfahrt-Bundesamt Fahrzeuge gemeldet, von denen wir eigentlich schon alle technischen Daten haben. Wenn beispielsweise an einem Auto eine Anhängerkupplung angebracht wurde, dann reduziert sich die Erfassung heute auf die Eingabe des Grundtyps und der Erweiterung." Die übrigen technischen Daten könne man aus einer Datei einspeisen.

Online-Zugriffe zum Zentralrechner geplant

Auf lange Sicht will das KBA bei der Datenprüfung noch einen Schritt weiter gehen: Im Online-Verfahren soll die Sachbearbeiterin schon während der Erfassung die Möglichkeit erhalten, das derzeit noch im Aufbau befindliche zentrale Informationssystem Zevis "anzuzapfen". In diese Datei werden alle Daten des zentralen Fahrzeugregisters eingegeben - das sind rund 33,5 Millionen Autos mit Anhängern.

Zu den geplanten Online-Zugriffen meint Pütz: "Um festzustellen, ob sich ein Halterwechsel vollzogen hat oder nicht, muß zur exakten Bestimmung einer Neuzulassung, einer Löschung oder einer Wiederzulassung ein Einblick in den zentralen Datenbestand gewährleistet sein." Der Abruf von zentralen Daten solle entweder über das Bildschirmgerät der Sachbearbeiterin oder über ein autorisiertes Terminal erfolgen. Für den Durchgriff auf den Siemens-Zentralrechner müßten aber erst die technischen Voraussetzungen geschaffen werden.

Ein Einbau sämtlicher Prüfroutinen in die Siemens-Rechner und deren Nutzung im Online-Verfahren hat beim KBA eigenen Angaben zufolge nicht zur Debatte gestanden. Dazu Hubert Grzesiak vom Referat Datenverarbeitung beim Kraftfahrt-Bundesamt: "Beim derzeitigen Ausbau von Zevis betreten wir aufgrund des enormen Datenvorlumens praktisch Neuland, Im Hinblick auf die zu erwartenden hohen Up-date-Raten und das hohe Anfrageaufkommen können wir nicht abschätzen, welche Rechnerleistung man im Endeffekt benötigt." Darum wolle das KBA Zusatzbelastungen der Großrechner durch die Datenerfassung vermeiden.

Tastaturen wurden komfortabler

Dennoch sei es fraglich, ob man die Anwendung Zevis mit respektablen Antwortzeiten zum Laufen bringe. Darum plane man auf lange Sicht die Implementierung des Modells 7570 "Paula" von Siemens. Vielleicht wolle man im Zuge dieser Umstellung sogar das Betriebssystem BS3000 nutzen.

Wichtig erscheint es der DV-Mannschaft beim KBA im Rahmen der Umstellung auf die Microdata-Systeme auch, daß die Tastaturen der neuen Installation auf die Bedürfnisse des gemischten Sachbearbeiterplatzes und die wahrscheinlich ins Haus stehenden gesetzlichen Vorschriften zugeschnitten sind. Günter Pütz: "Reine Datenerfassungstastaturen sind hier ungeeignet. Die eingedrillte Erfassungstechnik hat versagt, weil man aufgrund von Tastaturerweiterungen leicht aus dem Schreibrhythmus herauskam."

Durch eine Umverteilung der neu hinzugekommenen Umlauttasten und anderer Funktionstasten sei man dem geschilderten Problem aber zu Leibe gerückt, Microdata habe die neue Tastatur-Version inzwischen sogar zum Standard erhoben.