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09.11.2001 - 

Informatica komplettiert seine Analyseplattform

Kraftwerk für die Informationsverarbeitung

SAN FRANCISCO (as) - Ein Softwarepaket für die Server-basierte Integration, Auswertung und Distribution von Geschäftsinformationen hat die Firma Informatica geschnürt. Ergänzt um analytische Anwendungen für CRM, Web, Geschäftssteuerung und Supply-Chain-Management, will der Hersteller die durchgängige Informationsverarbeitung im Unternehmen ermöglichen.

Informatica verabschiedet sich vom Image eines reinen Technologielieferanten von Software für die Extraktion, Transformation und das Laden (ETL) von Data-Warehouse-Systemen. Angelockt von neuen Absatzchancen und durch die Hoffnung auf mehr Sichtbarkeit im Markt für Business-Intelligence-Produkte, verfolgt das Unternehmen aus dem kalifornischen San Jose seit einiger Zeit die Strategie, sich im Markt für analytische Anwendungen zu etablieren. Das Unternehmen hatte bereits Ende 1999 die Firma Influence Software gekauft und begonnen, deren analytische Anwendungen in die eigenen Produkte zu integrieren. Anfang des Jahres folgten dann erste Lösungen.

Laut Chief Executive Officer Gaurav Dhillon ist der Trend zu analytischer Standardsoftware dank ihrer Vorzüge gegenüber Eigenentwicklungen etwa durch eine schnellere Implementierung und stärkere Ausrichtung an betriebswirtschaftlichen Anforderungen nicht aufzuhalten. Erstmals könne Informatica zudem mit den Fachabteilungen ins Gespräch kommen, statt nur mit IT-Spezialisten verhandeln zu müssen. Auf der diesjährigen Kundenveranstaltung wurde nun den rund 500 Teilnehmern Release 5 der "Informatica Applications" vorgestellt. Es umfasst die bisherigen Lösungen für Customer-Relationship-Management und Web-Channel-Analysen sowie als neue Angebote ein Produkt zur Geschäftssteuerung (Human Resources und Finanzen) sowie für die Analyse beim Lieferketten-Management. Sie alle bieten Standard-Modelle und Key Performance Indicators (KPIs) und basieren jetzt auf einer gemeinsamen Architektur (siehe Grafik). Sie können laut Dhillon gemeinsam oder im Stand-alone-Betrieb laufen. Die Lizenzkosten der Anwendungen richten sich nach der Benutzerzahl, die Server-Plattform hingegen nach der Prozessorleistung.

Doch solche Produkte können nur Querschnittsfunktionen für ein bestimmtes Anwendungsgebiet liefern. Dhillon bestätigte Schätzungen aus der Industrie, wonach sich rund 70 Prozent der Anforderungen von Großunternehmen abdecken lassen. Die Produkte müssen deshalb flexibel sein. Wie Jon Herstein, Director Application Delivery bei Informatica, erklärte, sollte die Implementierung im Rahmen eines umfassenderen Projekts erfolgen, um unter anderem die Mappings zwischen den Quell- und Zielsystemen anzupassen. So sei beispielsweise bei der Anbindung von Personalverwaltungssystemen damit zu rechnen, dass die in ihnen vorgehaltenen Daten sehr vielfältig sind und nachbearbeitet werden müssten.

Implementierung mit MethodeWie auch andere Hersteller - etwa Applix - hat Informatica zudem eine Projektmethode entwickelt und unter dem Namen "Velocity" auf 400 Seiten zusammengefasst. Zu den Erkenntnissen gehört, dass nach der genauen Definition der Benutzeranforderungen die analytischen Anwendungen möglichst früh im Projekt installiert werden sollten, um Lücken in den Mappings und Datenmodellen aufzuspüren und den künftigen Benutzern schneller erste Resultate vorführen zu können. Kunden sollten bei der Analyse stets mit den mitgelieferten Adaptern und Berichten den Standardsoftware beginnen und nicht die System-Schnittstellen oder den Analytic Server verändern, da dies zu Inkonsistenzen im Datenmodell führen könnte.

Anschließend sollte eine schrittweise, sich an der Dringlichkeit der Funktionen und Metriken orientierende Umsetzung zusätzlicher Funktionen erfolgen. Die Informatica-Software wartet hierzu mit "Extension Fields" auf, die eine gute Integration mit bisherigen ETL-Produkt "Powercenter" versprechen. Folgt man den Vorgaben und konzentriert sich zunächst auf die wesentlichen Funktionen und Anforderungen einer analytischen Anwendung, so seien laut Herstein Projektlaufzeiten von drei Monaten möglich. Das Fein-Tuning wäre dann etwas für die Folgezeit - möglicherweise in einem zusätzlichen Projekt.

Durchgängige IntegrationWesentlich für den Erfolg der neuen Produkte ist die erwähnte gemeinsame technische Architektur. Hier meldete der Hersteller die Fertigstellung einer integrierten Server-basierten Analyseplattform für die unternehmensweite Entscheidungsunterstützung. Sie besteht aus Powercenter für die Backend-Datenintegration und Metadatenverwaltung, den darauf aufsetzenden analytischen Anwendungen sowie dem neuen Modul "Analytics Delivery Platform" (ADP) für die Distribution der Informationen und der Zugriffssteuerung. Ferner lassen sich "Analytic Workflows" implementieren. Sie bilden "Best Practices" als Verknüpfungen zwischen den diversen Informationen ab und sollen den Anwendern einen erprobten, aber auch ausbaubaren Pfad durch den Datendschungel bieten.

Die ADP ist Java-basiert und laut Hersteller nicht nur eng mit Powercenter gekoppelt. Vielmehr wird sie über einen mitgelieferten Java-Applikations-Server gesteuert. Dieser sorgt für die nötige Skalierbarkeit und Transaktionssteuerung, die Authentifizierung über LDAP oder Windows NT Services, die Integration mit Groupware wie "Lotus Notes" oder "MS Exchange" und übernimmt die Seitengenerierung. In diesem Zusammenhang gab Informatica ein OEM-Abkommen mit dem Java-Server-Hersteller Bea Systems bekannt. Eine Kooperation mit der Sun-Netscape-Firma Iplanet sei in Vorbereitung.

Bestandteile der ADP ist zum einen der "Analytics Server". Dieser versorgt Browser und Verwaltungskonsolen mit Analysefunktionen sowie Alarmmeldungen. Als Benutzeroberfläche will Informatica ein neu entwickeltes "Dashboard" als schlankes, personalisierbares Frontend benutzen. Partner aus dem Business-Intelligence-Markt wie Business Objects oder Microstrategy, die Informaticas Backend-Plattform bisher um Distributions- und Präsentationstechnik ergänzten, geraten damit ins Abseits, sofern ein Kunde im Projekt nicht auf deren Produkte besteht.

Flexible FrontendsAußerdem bietet ADP als Zusatzoption das Modul "Informatica Mobile", das die Übermittlung von Dashboards auf WAP-Handys, PDAs mit den Betriebssystemen Windows CE, Pocket PC sowie Palm OS, Pagers und zu Spracherkennungssoftware bewerkstelligt. Laut Hersteller lassen sich mit dem Modul kontextbezogene Informationen über diverse Geräte gemeinsam nutzen sowie Druckaufträge auslösen. Informatica kündigte in San Francisco zudem eine Reihe von Technologiepartnerschaften an. So will das Unternehmen mit dem Hersteller Nuance kooperieren, der die Analytics Delivery Platform um Spracherkennungssoftware ergänzen soll, sowie mit der Firma Research in Motion, die Technik für den Versand von E-Mails an mobile Geräte entwickelt. Außerdem plant Informatica, den WAP-Browser des Anbieters Neomar künftig als bevorzugten Client seiner mobilen Lösungen zu vermarkten.

Gegenüber der CW sagte Dhillon, dass Informatica vor allem mit der Technik für die Datenintegration und der durchgängigen Plattform einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Kokurrenz bieten könne, die ebenfalls mit analytischen Anwendungen werbe. Informatica konkurriere jedoch nicht mit Produkten für Online Analytical Processing (Olap) oder Ad-hoc-Abfragen, da beide Einsatzgebiete auch künftig von Analysespezialisten und kleinen Anwendergruppen benötigt würden.

ETL-Markt bleibt wichtigZugleich setzt man weiter auf den ETL-Markt, der laut Dhillon gerade erst zu wachsen beginne. Rund 1400 Kunden und 4000 Installationen zähle man weltweit. Darunter insbesondere solche für die Datenintegration von SAP-Systemen. Dass die Walldorfer mittlerweile mit ihrer Data-Warehouse-Software "SAP BW" ebenfalls Funktionen für den Datenimport bieten, störe Dhillon wenig: " Die SAP wird smarter. Aber sie bietet keine horizontale Datenintegration für BW."

Abb: Analyseplattform

Über eine einheitliche Architektur sollen sich Daten integrieren, verarbeiten und ausliefern lassen. Quelle: Informatica