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09.02.1979 - 

Anpassungsschwierigkeiten im Mensch-Maschine-Verhältnis:

Krankheitsbilder am Bildschirmarbeitsplatz

BONN - Was das Werkstück für die Fertigung bedeutet, ist für das Büro die Information, mit wechselnden Inhalten ständig im Verarbeitungsfluß: Die Verarbeitungsprobleme sind zu einem Teil aus der Produktion ins Büro verlagert, was bedeutet, die Abläufe zu automatisieren. um sie besser zu kalkulieren und kontrollieren. Dem Rationalisierungsprozeß ist aber dort Einhalt geboten, wo die Erfahrungen der Vergangenheit heute in doppeltem Sinn zu verstehen sind: - Tayloristisches Gedankengut einmal als Arbeitsantrieb zu sehen, es andererseits aber als Humanisierungsfaktor in das Arbeitsleben einzubauen.

Anders ausgedruckt heißt das, Eingliederung der sachbezogenen Hilfsmittel in die vom Menschen bestimmte Ablauforganisation. Über die Wechselbeziehung zwischen Menschen - Maschinen - Computern heute schon eine schlüssige Aussage zu machen, ist schwierig Hier suchen vornehmlich die Arbeitswissenschaftler nach zahlreichen Kriterien, den Weg in eine humanisierte Arbeitswelt zu bereiten.

Bildschirmarbeit führt zu typischen Störungen

Berufstätige sind typischen Belastungen unterworfen, Beispielsweise erfordert die Bildschirmtätigkeit nach Erfahrungen und aufgrund von Messungen wenig Muskelkraft. An Stelle dessen werden aber Sinnesorgane und Nerven in Anspruch genommen. Die Unterbelastung auf der einen, die Überbelastung auf der anderen Seite fuhren nicht zur Kompensation der Kräfte, sondern zu krankhaften, meist vegetativen Syndromen.

Der Arbeitsmediziner Th. Peters hat die wichtigsten Tätigkeiten in einer Tabelle zusammengefaßt. Das Ziel bestand darin, die einzelnen Beanspruchungsgrade ins Verhältnis zum Lesen = 100 Prozent zu setzen. Für die Bediener des Bildschirms ist der Tatbestand aufschlußreich, daß das normale Lesen unter einer Reihe anderer Tätigkeiten den höchsten geistigen Beanspruchungsgrad aufweist. Rechnet man die weiteren Störfaktoren beim Bildschirmlesen hinzu, dann wird verständlich, daß die Dauerbelastung am Datensichtgerät zu einer zusätzlichen Beanspruchung und letztlich zu den bekannten Krankheitsbildern führt.

Prozentsätze geistiger Beanspruchung bei verschiedenen Tätigkeiten (nach Bornemann)

1. Putzen, Staubwischen, Kehren 9,0

2. Arbeiten an der Drehbank 14,7

3. Stopfen, Maschen aufnehmen 16,0

4. Sternzeichnen 20,1

5. Perlen aufreiben 25,5

6. Stanzen am Fließband 26,5

7. Autofähren (Landstraße) 35,l

8. Nägel einschlagen 43,8

9. Geschicklichkeitsspiel 44,5

10. Kochen (mehrere Gerichte zugleich) 53,7

11. Klavierspielen 56,3

12. Autofähren (Stadt) 58,9

13. Tischtennis spielen 61,0

14. Adressen schreiben 62,9

15. Bekannten Text schreiben 74,3

16. Schreibmaschine schreiben 78,2

17. Geld zählen 80,0

18. ABC-Schreiben 82,0

19. Alphabetisch ordnen 90,3

20. Lesen 100,0

Das Datensichtgerät als Schnittstelle

Die Funktionen am Bildschirmarbeitsplatz sind grundsätzlich zu unterscheiden nach

- Datenerfassung

- Programmierung

- Sachbearbeitung.

Datensichtgeräte sind die Schnittstelle zwischen visueller Informationsübermittlung, Datenträgern und einem Rechnersystem. Die hier aufgetretenen Anpassungsschwierigkeiten im Mensch-Maschine-Verhältnis hat unter anderem ein Arbeitsteam der Technischen Universität Berlin untersucht Schon während der Konzeptionsphase hat man festgestellt, daß theoretische Studien allein nicht weiterhelfen. Insofern ist man dazu übergegangen, Felduntersuchungen in 30 Betrieben mit etwa 1000 Beteiligten durchzuführen. Ihre Erkenntnisse hat die Forschungsgruppe in einer umfassenden Dokumentation (1) niedergelegt. In der Schrift versuchten die Autoren vor allem nachzuweisen, daß die Arbeit am Datensichtgerät, neben einer Reihe ergonomischer Forderungen, hauptsächlich eine Systemfrage ist. Bildschirmarbeitsplätze sind deshalb so gut oder schlecht, wie Rechnersystem und Arbeitsverfahren den Bedürfnissen der im Datenverarbeitungsprozeß Tätigen angepaßt sind.

Die Zusammenhänge der Mensch-Maschine-Kommunikation und die Auswirkungen auf die Bildschirmarbeit lösen die Hersteller heute in Weise, daß sie nicht nur Anlagen oder Geräte anbieten, sondern verkaufsfertige Arbeitsplätze. In den Verhandlungen zwischen Auftraggeber und Hersteller sollte daher der DV-Arbeitsplatz immer in seiner Gesamtheit im Blickfeld stehen. Wichtige Arbeitsplatzkriterien als Ausgangsbasis für eventuelle Gespräche sind: Sitzhöhe, Armhaltung, Arbeitshöhe, Rückenstütze, Kopfneigung, Kopfdrehung, Sehabstand, Konzepthalter, Greifraum, Tischhöhe Beinfreiheit, Fußstütze.

Die analytisch Vorgehensweise der Forschungsgruppe, die quantitative Werte ermittelte, soll in zwei Beispielen verdeutlicht werden:

- Die lichte Beinraumhöhe sollte 690 Millimeter und

- der Winkel für die günstigste Kopfhaltung 32 bis 44 Grad (zwischen Blincklinie und Horizontaler) betragen. Schlecht ausgestattete Arbeitsplätze solcher Art wurden mehrfach angetroffen, sie rufen infolge falscher Körperhaltung Beschwerden hervor, die überwiegend aus dem Nacken-Wirbelsäulenbereich herrühren. Die Störungen können mannigfacher Art sein, wie die Abbildung zeigt Manche Körperteile sind zu wenig, andere wiederum zu stark belastet Krankhafte Organveränderungen, die meist mit Durchblutungsstörungen beginnen, bleiben nicht aus.

Bildschirmarbeitsplatz und Umfeld

Zu den arbeitsbestimmenden Elementen der Umgebung gehören - Beleuchtung, akustische Phänomene und klimatische Bedingungen.

Mit als zentrales Problem steht die Beleuchtung im Vordergrund. Räume ohne Tageslichteinstrahlung dürfen nur in Ausnahmefällen kurzfristig für Terminalarbeiten benutzt werden. Leuchtröhren finden heutzutage als künstliche Lichtquellen allgemeine Verwendung. In der Qualität sind die Leuchten mit Prismenabdeckung den Rasterleuchten vorzuziehen. Nackte Leuchtstofflampen, das heißt Lampen ohne diffuse Verteilung des Lichtes, reichen für die Beleuchtung nicht aus. Zu wenig Beachtung wird der Beleuchtungsrichtung, -verteilung und -stärke geschenkt. Die daraus resultierenden negativen Effekte sind, insbesondere bei direktem Lichteinfall in die Röhre, starke Spiegelung und Blendung. Zur Vermeidung der Blendwirkung wird empfohlen, Bohren mit beschichteter Oberfläche aufzustellen, Beleuchtungsstärken (normale Bürobeleuchtung) von 500 Lux sind angemessen, Bei Installation von Bildschirmgeräten ist darauf zu achten: Senkrecht zum Betrachter und unter Augenhöhe. Der Abstand der Bildschirmzeichen muß so bemessen sein, daß sich die einzelnen Zeichen möglichst wenig beeinflussen, um dadurch die optimale Leuchtdichte (2) zu erreichen. Sehstörungen können nicht in allen Fällen durch den Arzt behoben werden, da die visuellen Probleme am Datensichtgerät noch nicht genügend erforscht sind.

Klimatische Umweltreize üben bekanntlich einen erheblichen Einfluß auf das Befinden der Menschen aus. Zu den Komponenten zählen: Strahlungs-, Zugluftbelastung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Die durch Zuglufteinwirkungen hervorgerufenen Beschwerden in der Nacken-Lendengegend sind bekannt Hinzu kommt besonders bei vollklimatisierten Räumen starke Wärmebelastung verbunden mit Gebläseeinwirkung. Der durch Bildschirme verursachte Geräuschpegel liegt im allgemeinen unter 55 Dezibel. Schon eher stören Fremdgeräusche, die durch Schreibmaschinen, Drucker, Locher oder Telefone verursacht werden.

Empfehlungen zur Gestaltung des Arbeitsplatzes und des Umfeldes

Zur Humanisierung des Arbeitslebens können alle beitragen,

- die Designer sind verantwortlich für das physiologisch ausgewogene Möbelstück.

- die Klimatechniker sehen sich täglich vor die Aufgabe gestellt, natürliche Umweltreize mit Hilfe klimatechnischer Anlagen wirkungsvoll zu unterstützen oder gar zu substituieren.

(1) "Anpassung von Bildschirmarbeitsplätzen an die physische und psychische Funktionsweise der Menschen" Forschungsbericht im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Autorenteam. Ahmet Cakir, H. J. Reuter, L. v. Schmude, A. Armbruster Veröffentlichung April 1978.

(2) DIN 66 233. Die Leuchtdichte ist der Quotient aus dem durch eine Fläche in einer bestimmten Richtung durchtretenden Lichtstrom und dem Produkt aus dem durchstrahlten Raumwinkel und der Projektion der Fläche auf eine Ebene senkrecht zur betrachteten Richtung.

* Erwin Panitz ist Mitarbeiter der GMD