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17.10.1980

Kreativität lebt von der Improvisation

"Improvisation" passe nach Ansicht von Manfred Lupas, DV-Chef bei der C. Behrens AG in Alfeld, zunächst nicht in das Bild vom Datenverarbeiter. Dieser neige eher Jazu, den absolut höchsten Grad der Organisation zu verwirklichen. Doch der Anschein trügt: "Strenge organisatorische Regeln", so der Behrens-DV-Chef, "können sich nicht nur innovationshemmend bei den Mitarbeitern auswirken, ein geringer Improvisationsspielraum baut auch zwangsläufig Kreativität und Flexibilität ab." Organisation, verdeutlicht Org/DV-Leiter Peter Christoph Gruse, sei in der EDV der Versuch, immer alles 150prozentig zu machen. Habe man sich jedoch erst einmal organisatorisch festgelegt, sei "die Querschnittlähmung der Datenverarbeitung" bereits vorprogrammiert. Symptomatisch erscheint insofern die Aussage von Hans Dieter Rösler, der Improvisation in der DV grundsätzlich bejaht, solange sie für ihn noch überschaubar ist. ha

Peter Christoph Gruse, Org./DV-Chef, Edeka Handelsgesellschaft mbH,

Berlin (Univac 90/30, OS 3)

Wenn man heute etwas über DV hört oder liest, dann erfährt man meist nur von Steuerungen, optimalen Programmen oder maximalen Organisationen. Besonders im gehobenen Management und von umsatzgesteuerten "Vertriebsberatern" namhafter oder unbekannter Herstellerfirmen kann man auf diesem Sektor ein Schlagwortverzeichnis ungeahnt erweitern. Ohne dieses "Wissen" ist heute jedoch auch ein DV-Organisationsleiter nicht "in".

Was ist jedoch eine maximale Organisation oder ein optimales Programm? Es ist der Versuch, etwas 150prozentig zu machen, was man zum Zeitpunkt eines Auftrags 100prozentig zu wissen meint. Hat man sich hier für alle Zeiten festgelegt, ist die Querschnittlähmung beider Faktoren vorprogrammiert. Dies verhält sich adäquat so, als wenn man mit einem angebremsten Auto fährt und bei einer Straßenverlegung nicht mehr aussteuern kann.

Organisationen oder Programme leben, weil jedes Unternehmen mit der stets beweglichen und wandelbaren Wirtschaft lebt und weil Menschen damit arbeiten und niemals eine Anlage allein.

Und damit ist Improvisation ein Teil der Organisation, der bewußt oder unbewußt miteingeplant sein muß. Es gibt auch heute im (scheinbaren) Zeitalter der totalen "Verdatung" Arbeiten, die sich schneller, sicherer und variabler manuell erledigen lassen. Tätigkeiten, die nicht nur den Knopfdruck für ein Programm, sondern das persönliche Wissen um eine Sache erfordern.

Der Rechner erstellt lediglich Daten; aber es kommt vielmehr auf die Augen an, die sie lesen. Für das kleine Einmaleins sollte man nicht den Rechner benutzen, denn der Aufwand ist zu groß und in diesem Bereich treten die meisten Veränderungen ein. Hier ist vor allem der menschliche Geist beweglicher.

Einen falschen oder richtigen Wareneingang kann man in der georderten Größenordnung zum Beispiel mit einem Blick schneller überprüfen als über Check-Programme. Hier ist das schnelle Ergebnis wichtig und nicht das optimale Programm. Der Mensch muß die Entscheidungshilfe für den Computer sein. Dies ist organisierte Improvisation.

Da es die genannten Entscheidungspunkte in jedem Unternehmen gibt (man spricht nur nicht darüber), erübrigt sich eigentlich die Frage: Wie wichtig ist die Improvisation in der DV? Improvisation ist ein wichtiger Stein des Sockels, auf dem die sonst wackligere DV steht.

Wo Improvisation gedacht, eingeplant und auch vorhanden ist, das heißt, Datenverarbeitung nicht nur zum Selbstzweck läuft, um Daten zu erzeugen, ist auch der Boden für Kreativität gegeben. Eine DV-Anwendung ist vergleichsweise wie eine elektrische Eisenbahn. Nur solange an ihr gebaut und improvisiert werden kann, ist sie als Spielzeug interessant. Kann man keine Kreativität mehr-entwickeln, verstaubt sie in der Ecke.

Manfred Lupas, EDV-Leiter, C. Behrens AG, Alfeld (IBM /3-8; ab 1981 Univac System 80/3)

Improvisieren - das heißt, ohne Vorbereitung handeln - scheint zunächst in unser Metier nicht hineinzupassen. Wie wollte man die Datenverarbeitung oder mehr Datenverarbeitung in den Betrieb bringen, es den Mitarbeiten in den Fachabteilungen leichter machen bei ihrer täglichen Arbeit, dem Management eine Vielzahl von Informationen aus der aktuellen Verarbeitung zur Verfügung stellen, wenn nicht zuvor "wir EDV-Fachleute" bestrebt gewesen wären, den höchsten Grad der Organisation zu verwirklichen. Schließlich neigen wir dazu.

Je größer der Betrieb, das Unternehmen, und damit die Zahl der Datenverarbeiter in der EDV-Abteilung selbst und auch in den Fachabteilungen, um so weniger scheint die Möglichkeit, nicht die Notwendigkeit, zur Improvisation gegeben.

Wirkt die Arbeit nach strengen organisatorischen Regeln nicht innovationslähmend bei den Mitarbeitern? Grenzen fehlende Flexibilität und ein zu geringer Improvisationsspielraum die Kreativität der Leute total ein? Für Datenverarbeiter in Mittel- und Kleinbetrieben sind diese Arbeitsbedingungen offenbar idealer. Obwohl hier oft die Kombination EDV-Abteilung/Organisationsabteilung anzutreffen ist, zwingen bescheidenere personelle und finanzielle Möglichkeiten zu mehr Beweglichkeit und Improvisation. Häufig sind in diesen Unternehmen EDV-Leiter und auch dessen unmittelbare Mitarbeiter "sorgfältig ausgesuchte Gewächse des eigenen Hauses". Diese haben meist nicht nur Kenntnis von Betrieb, Verwaltung oder Personal, sondern auch von alten eingefahrenen Gleisen. Ohne Einengung durch übermäßig strenge Organisation lassen sich von diesen Spezialisten EDV-Lösungen auch dort einführen, so dies bis dahin bedenklich erschien.

Bei Ausnutzung eines größtmöglichen Improvisationsspielraumes ist jedoch darauf zu achten, daß die Transparenz in der jeweiligen EDV-Konzeption sowie die Wirtschaftlichkeit der im Einsatz befindlichen EDV-Anwendungen gewährleistet sind.

Hans Dieter Rösler, DV-Leiter, Afri-Cola Bluna GmbH, Köln (IBM 3/10, DOS)

Improvisation in der DV ist immer eine Frage des Überblicks

und somit der Größenordnung einer DV. Je größer die Anwendung, um so schwieriger ist es den Überblick und somit die Kontrolle über Auswirkungen von Improvisationen zu behalten.

Grundsätzlich gehört erst einmal ein Mindestmaß an Flexibilität innerhalb des Ablaufs dazu, um überhaupt improvisieren zu können. Diese Flexibilität sollte in jeder DV vorhanden sein, um eventuelle Abweichungen des normalen organisatorisch fixierten Ablaufs zu ermöglichen und um somit gegebenenfalls eine größere Effektivität zu erzielen oder um außergewöhnliche Situationen und Anforderungen zu kompensieren und in den Ablauf zu integrieren.

Diesen Freiraum innerhalb des normalen organisatorisch geregelten Ablaufs, und nur in diesem sind Improvisationen möglich möchte ich folgendermaßen aufteilen, und zwar in einen Freiraum a) für organisatorisch begrenzte Improvisationsmaßnahmen und b) für situationsbedingte Improvisationsmaßnahmen.

Unter einem organisatorisch begrenzten Improvisationsfreiraum verstehe ich die Flexibilität des Ablaufs, die der DV die Möglichkeit gibt, gewisse Abläufe in einem mehr oder weniger fest abgegrenzten Rahmen den Gegebenheiten anzupassen. Diese Möglichkeiten und Auswirkungen müssen klar erkannt werden, was selbstverständlich eine gewisse Erfahrung der DV-Mitarbeiter voraussetzt. Im Gegensatz zur organisatorisch abgegrenzten Improvisation beruht die situationsbedingte Improvisation in der DV mehr auf spontanen Ereignissen oder Anforderungen, die kurzfristig in den Ablauf integriert werden müssen, auch deshalb, um diesen aufrechtzuerhalten. Diese Art der Improvisation bringt sicherlich einige Gefahren mit sich und setzt eine gute Kenntnis der Abläufe in der DV voraus. Bei entsprechenden Voraussetzungen kann man diese Improvisations-Variante sicherlich bejahen, wenn sie nicht manchmal sogar notwendig ist. Selbst wenn mir bei dem Begriff der Notwendigkeit im Zusammenhang mit dem Begriff Improvisation ein kleiner Schauer den Rücken herunterläuft, meine ich, daß auch der geregeltste Ablauf manchmal ein wenig aus den Fugen geraten kann.

Solange die Möglichkeiten zum lmprovisieren vorhanden und deren Auswirkungen überschaubar sind, kann man das Praktizieren von Improvisation in der Datenverarbeitung nur bejahen. Aber dies hängt wiederum mit der Größenordnung der DV zusammen, die in reziproker Relation zur Improvisationsfähigkeit sowie zur Improvisationsmöglichkeit steht.