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09.05.1997 - 

IT in der Touristik/Software-Eigenentwicklung auf Sequent-Rechner übernommen

Kreutzer: Schneller buchen dank Multiprozessor-Technologie

Ein wenig unangenehm war es schon. Immer wieder saß man freundlich lächelnd, aber wartend vorm Bildschirm, wenn es kurzfristig um sehr umfassende Anfragen über mögliche Reiseziele ging. Den Reisebüroangestellten war das vor Kunden lästig - nur wenige Sekunden Antwortzeit wirkten manchmal wie eine kleine Ewigkeit.

Zwar hatte die Kreutzer Touristik GmbH schon 1993 auf ein neues Buchungssystem umgestellt, doch viele zusätzliche Anforderungen machten jetzt eine weitere Rechnerausrüstung unumgänglich. Die Datenmenge hat sich vergrößert, kürzere Antwortzeiten werden gebraucht, neue Technologien erlauben neue Anwendungen, die jedoch neben hoher Verfügbarkeit auch ein schnelleres DV-System voraussetzen. Mehr Service für die 7000 Vertragsbüros und einfacheres Buchen stehen absolut im Vordergrund.

In den letzten drei Jahren hat der Datenumfang kräftig zugenommen. Gleichzeitig kamen viele neue Transaktionsarten hinzu. "Die mächtigste" ist nach DV-Leiter Walter Reiß, die "Combi-Kurzfrist-Vakanz", kurz CK. "Sie ist im Last-Minute-Bereich sehr beliebt. So werden auf einer Maske nicht nur die freien Flüge und auf der nächsten die freien Hotels angezeigt, sondern sie ist eine Kombination aus beidem. Man kann beispielsweise abfragen, was ab München an einem bestimmten Tag frei ist - egal wohin - und bekommt den Preis pro Person gleich mitgeliefert. Im ungünstigsten Fall belaufen sich die Transaktionszeiten hierfür auf 20 Sekunden. 1994 hatte Kreutzer eine durchschnittliche Antwortzeit von 2,2 Sekunden, vor kurzem lagen wir bereits bei 4,5 Sekunden. Montags, an unserem buchungsstärksten Tag, steigt sie sogar noch höher. Das ist zuviel."

Ganz wichtig ist für den Reiseveranstalter, daß die Applikation "Topix", das selbstentwickelte Tour-Operator-Programm, problemlos auf den neuen Rechnern läuft. Im Unterschied zu manch anderen Buchungsprogrammen lassen sich hiermit auch Teilstornos und Umbuchungen vornehmen. Außerdem können die Mitarbeiter vorhergegangene Änderungen über eine Vorgangshistorie nachvollziehen. Umgeworfene Pläne unschlüssiger Kunden sind so häufig gerade noch einmal "reparierbar".

Die Stärke von Topix zeigt sich bei umfangreichen Buchungen. Ließen sich bisher nur sechs Personen und sechs Leistungen über eine Maske buchen, so können jetzt für neun Personen 18 Leistungen über externe Systeme ohne weitere Buchung reserviert werden.

Die Software wurde zusammen mit Enator, Hamburg, sowie ISO Softwaresysteme, München und Nürnberg, entwickelt und eingesetzt. Seit seiner Einführung verwaltet das Kooperationsprodukt die Daten der Flugverträge und der Hotels mit Konditionen, Kapazitäten und Preisen, kalkuliert die Angebotspreise und vereinfacht damit auch die Produktion der Kataloge. Heute bedeutet das die Herstellung von zehn Katalogen - und zwar im Sommer. Von der Städtereise bis zum Ferntrip läßt die Angebotspalette keine Wünsche offen.

Kreutzer wird das Buchungssystem nun erneut mit Sequent-Rechnern aufrüsten. Soeben wurde die Entscheidung gefällt, ein 8-Prozessor-NUMA-Q-System mit insgesamt einem GB Speicherkapazität und einem 88 GB starken RAID 5 Subsystem an Stelle des bestehenden Sequent Symmetry 2000 Cluster einzusetzen. Dies ist eine Reaktion auf die seit 1993 stark gewachsenen Systemanforderungen.

Auf die Reisebüros wartet ab dem nächsten Winterprogramm eine Direktinkassofunktion. Die Abrechnung mit den Leistungsträgern im Ausland wird ebenso automatisiert wie die Anbindung an die Reservierungssysteme Amadeus, Galileo und Sabre. Hierüber sollen die notwendi- gen Linienflugsegmente zu einer Pauschalreise ohne Verzögerungen für den Kunden im Reisebüro direkt gesucht und gebucht werden.

Kreutzer begründet die Entscheidung für die neuen Rechner mit der Geschwindigkeit der Architektur, der Unabhängigkeit der Applikationen von bestimmten Quads/Prozessoren und den um 60 Prozent verringerten Wartungskosten. DV-Leiter Reiß rechnet damit, daß das Buchungsverfahren jetzt "drei- bis fünfmal schneller" wird. "Momentan haben wir eine Netzgeschwindigkeit von zehn MBit/Sekunde. Mit den neuen Technologien wird sie sich auf 100 MBit/Sekunde im Backbone erhöhen." Das Warten am Bildschirm hat also vorerst ein Ende.

Topix läuft - unverändert - auf der neuen Maschine. Damit sind frühere Investitionen in die Anwendungsprogrammierung gesichert. Darüber hinaus haben Kostenrechnungen ergeben, daß sich das neue System gegenüber dem bestehenden Cluster - trotz zehnfacher Leistungsfähigkeit über drei Jahre betrachtet - kostenneutral verhält.

An Hochtagen in der buchungsstärksten Zeit im Januar und Februar kommt es heute bei Kreutzer zwischen acht und 18 Uhr zu 80000 Transaktionen pro Tag, im Durchschnitt sind es 55000. Der Begriff Transaktion ist dabei wesentlich gewichtiger als beim üblichen OLTP. Zum Leistungsspektrum gehört, jeweils auch die beiden Flüge vorher und nachher sowie insgesamt fünf Rückflugmöglichkeiten aufzuzeigen. Das entspricht einer Matrix von 25 Flügen mit freien Plätzen und der gleichzeitigen Überprüfung von verschiedenen Limits und Preisarten. Sollte der Wunschtermin nicht möglich sein, kann der Reisebüromitarbeiter sofort auf die Alternativinformation zugreifen. Das gleiche gilt auch für Hotelbuchungen.

Nach erfolgter Buchung übernimmt das Programm automatisch auch noch einigen "Papierkram". Buchungsbestätigungen, Rechnungen, Flugtickets und Hotelvouchers werden erstellt und verschickt. Die gebuchten Hotels und die Reiseleiter sind über Gäste und Termine zu informieren. An einer Online-Verbindung mit den Zielgebieten wird gearbeitet.

Ohne die Anlage läuft so gut wie nichts mehr. Ausfallsicherheit lautet demnach die oberste Devise. Reiß: "Wenn unsere Rechner ausfallen, sind wir nicht mehr buchbar. Das kostet uns im Schnitt drei Millionen Mark Umsatz am Tag." Fällt ein Prozessor aus, wird die fehlerhafte CPU einfach auskommentiert, das heißt das System läuft ohne Unterbrechung weiter. Sollte ein komplexes Quad-Board defekt sein, steht der Server nach einem automatischen Reboot innerhalb weniger Minuten wieder zur Verfügung.

Basis des Buchungssystems ist eine Datenbank von Oracle. Der Datenbankanbieter arbeitet im eigenen Haus selbst auf Sequent-Maschinen. Im Moment hält Kreutzer einen Datenumfang von 30 GB auf der Datenbank, der Rest ist für Programme, Systemdateien, Textverarbeitung und Finanzbuchhaltung.

Die Buchungskapazität umfaßt an allen Wochentagen 24 Stunden. Das stellt einen deutlichen Wettbewerbsvorteil für Kreutzer dar, arbeiten doch Reisebüros an Flughäfen und Bahnhöfen mit immer längeren Öffnungszeiten. Auch für den im Wohnzimmersessel buchenden Kunden mit Internet-Anschluß ist die ständige Verfügbarkeit des Systems erforderlich. Hier unternimmt Kreutzer im Internet die ersten Gehversuche. Auf der Firmen-Homepage (www. kreutzer.de) können sich vom Reisefieber "infizierte" Interessenten über die Kataloge, Flugpläne oder Frühbuchungsvorteile informieren. An einer Vakanzdarstellung wird zusammen mit der Condor gearbeitet.

Für die Zukunft sieht sich der Reiseveranstalter Reiß zufolge gerüstet. "Selbst wenn es kurzfristig zu eng wird, können wir das System problemlos ausbauen." Und weiter erklärt der DV-Leiter: "Deshalb haben wir uns für Rechner mit skalierbarer Multiprozessor-Technologie entschieden. Unsere bisherige Anlage, die seit 1993 läuft, läßt sich ebenso einfach erweitern. Allerdings war jetzt ein Sprung auf die neueste Technologie sinnvoll.

Die Kreutzer Touristik GmbH

Das Unternehmen wies 1996 einen Umsatz von 630 Millionen Mark aus. 463000 Passagiere buchten 1996 ihre Urlaubsreise bei dem Münchner Veranstalter, was in etwa 210000 Buchungen entspricht. Rund 300 Mitarbeiter, einschließlich der Reiseleiter im Ausland, sind für Kreutzer im Einsatz. 150 davon arbeiten in der Zentrale in München. Weitere Niederlassungen finden sich in Stuttgart, Frankfurt am Main, Leipzig, Berlin und Salzburg. Kreutzer hat insgesamt 7000 Reisebüros in Deutschland, Österreich, Oberitalien und der Schweiz unter Vertrag. Jeden Sommer erscheinen an die zehn Programmkataloge. Die Reisebüros buchen die Reisen für ihre Kunden zu 82 Prozent über das Reservierungssystem Start, an das auch das Buchungssystem angeschlossen ist. Die restlichen Buchungen erfolgen über Telefon beziehungsweise Fax. Sie werden bei Kreutzer vor Ort entweder in der Zentrale oder in den online angeschlossenen Niederlassungen direkt in das System eingegeben.

Angeklickt

Neue IuK-Technologien erlauben immer schnellere und komplexere Anwendungen - auch und gerade in der Reisebranche. Kreutzer Touristik bot dem Wettbewerb und steigenden Anforderungen mit einer neuen Hardware-Ausstattung die Stirn. Die 1993 eingeführte, eigenentwickelte Software ließ sich auf die neuen Systeme übernehmen und funktional noch ausbauen.

*Ulrike Mäncher ist freie Jpurnalistin in München.