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Anwenderbericht Eisenwerk Sulzau-Werfen: BDE mit Markierungsbeleg


24.02.1978 - 

Kreuzchenen malen wie beim Lottospiel

SALZBURG- Im Eisenwerk Sulzau-Werfen, einer österreichischen Pro-

duktionsstätte für "maßgeschneiderte" Walzen aller Art, arbeitet sich seit Mitte 1974 ein Minicomputer vom Typ ERA General Automation 18/30 "quer durchs Unternehmen", so EDV-Chef Gerhard Krames. Von der Vorkostenrechnung, Fertigungssteuerung, Auftragsspeicherung, Auftragsverwaltung, Terminüberwachung, Fertigungssteuerung, Terminkontrolle bis zur Lohnverrechnung und Kostenrechnung steuert der 16 K-Worte-Rechner nahezu alle Funktionen des Unternehmens. Die 18/30-Peripherie besteht aus einem 20000-Karten-Leser, einem Teletyp -Terminal, einem 10-Mio-Worte-Platte, einer Magnetbandeinheit und einem Markierungsleser.

Im Eisenwerk gibt es keine Massenproduktion; jede Walze muß für ihren speziellen Einsatzzweck individuell entwickelt werden. Dazu Krames: "Jede Walze durchläuft 48 Fertigungsstationen, eine sogenannte"Linienproduktion".

Bereits die Vorkostenkalkulation, die als Basis für ein Kundenangebot dient, wird über den Mini abgewickelt. Die jeweiligen Zeichnungsdaten, das Einsatzgebiet der Walze sowie die erforderliche Legierung und der entsprechende Fertigungsweg werden auf Lochkarten oder Magnetband erfaßt. Zusammen mit den bereits im System gespeicherten Informationen über alle Fertigungsmaschinen des Betriebes ergeben diese Werte die Vorgabezeiten je Arbeitsgang, und zwar immer für zwei Maschinen: Sollte die Hauptmaschine einmal ausfallen, muß eine zweite als Ausweichmöglichkeit bereitstehen.

Der Mini schreibt dann mit diesen Daten eine "innerbetriebliche Ausschreibung", einen Markierungsbeleg mit 24 Markierungsstellen für Konstanten und 80 Spalten für die BDE, auf dem die errechneten Vorgabezeiten sowie der jeweilige Produktionsweg als Konstanten markiert sind. Alle freien Markierungsfelder dienen manuellen Eintragungen, wie etwa Korrekturen während der Produktion - wenn beispielsweise die Maschinenkapazität nicht ausreicht, kann der zuständige Planer auf eine andere Maschine "ummarkieren".

Krames bezeichnet diese Art der Betriebsdatenerfassung als " ausgesprochen

unkonventionell, ja geradezu unmöglich", wie ihm Fachleute bestätigt haben. Es geht aber

doch:"Unsere Markierungsbelege sind auszufüllen wie ein Lottoschein-und Lottospielen kann schließlich jeder", bemerkt der EDV-Cef trocken. Nach der manuellen Markierung gehen Nach der manuellen Markierung gehen die Daten via Markierungsleser wieder zum Rechner, der eine entsprechende Verknüpfung mit dem gespeicherten Auftragssatz herstellt und für die Produktion eine "Warteschlange" disponiert. Nach Beendigung jedes Fertigungsvorganges erhält der Mini eine entsprechende Meldung. Krames konnte nach eigenen Worten innerhalb eines Jahres durch verbesserte Kapazitätsauslastung eine wesentliche Verringerung der Halbfertig-Bestände erreichen.

Wie vieles andere auch war das Auswahlverfahren beim Eisenwerk recht unkonventionell: Nachdem die erste Computer-Installation im Jahre 1974, eine IBM 1130, "viel zu klein wurde" - Krames hätte in der letzten Phase 400 Betriebsstunden fahren müssen, um die Arbeit überhaupt zu bewältigen - wurde ihm von IBM ein System 3, Modell 10 angeboten. Diese Maschine war aber - so Krames - dreimal langsamer als die 1130. Nach umfangreichen Systemvergleichen und Testläufen, die zu keinem Ergebnis führten, wurde er langsam mürbe: "Alle Tests verliefen negativ. " Ohne viel Hoffnung übergab er einem General Automation-VB 10 000 Karten für 50 Programme, die umgewandelt und im Test gefahren werden sollten. Mitbewerber hatten dafür bis zu drei Monaten gebraucht. Krames war deshalb sicher, den Mann "so schnell nicht wiederzusehen". Er irrte. Drei Tage später kam der Anruf, die Anwendung würde laufen, und zwar in einem Drittel der 1130er Zeit. Die Maschine wurde "ohne lange zu zögern" gekauft. Die Umstellung mit 250 Program-men dauerte insgesamt 14 Tage. Parallel-Läufe fanden nicht statt. Krames: "Die eine Maschine wurde aus- und die andere eingeschaltet."