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Kontroverse Diskussion auf der Systems

Krise der Informationstechnik trifft laengst nicht alle Anbieter

22.10.1993

MUENCHEN (hv) - Nicht die DV-Branche steckt in der Krise. Es sind einzelne, traditionell starke Unternehmen - darunter IBM und DEC - , die mit grossen Problemen kaempfen. Peter Page, ehemaliges Vorstandsmitglied der Darmstaedter Software AG (SAG) und inzwischen Unternehmensberater, mag deshalb von einer allgemeinen "Rezession in der IT-Branche" nicht reden.

Bis 1996, so berief sich Page auf Aussagen des Marktforschungsunternehmens IDC, werde der DV-Markt jaehrlich um etwa sieben Prozent wachsen. In Schwierigkeiten steckten ausschliesslich einige "frueher marktbeherrschende Unternehmen". Ein Blick in die Bilanzen von Companies wie Microsoft oder Hewlett- Packard dagegen zeige, dass man von einer allgemeinen Krise nicht reden koenne. Der ehemalige SAG-Manager war Gast einer Podiumsdiskussion im Systems-Studio zu dem Thema: "IT-Branche in der Rezession: Eine Fuehrungskrise?"

Ob es, wie der Titel der Veranstaltung andeutete, tatsaechlich die "Nieten in Nadelstreifen" sind, die Unternehmen wie IBM oder Digital Equipment in die roten Zahlen getrieben haben, diese Frage klammerten die Vertreter der DV-Industrie wohlweislich aus. Wesentlich sei, so resuemierte Alwin Schumacher, Marketing Director von NCR, dass sich die Erfolgsfaktoren in der DV-Industrie grundlegend geaendert haetten. In Zeiten, in denen sich offene gegenueber proprietaeren Systemen durchsetzten, muessten die Anbieter mehr Kreativitaet aufbringen, um potentielle Kunden fuer sich zu begeistern. Der Preisdruck werde staerker, die Wettbewerbsbedingungen in der Com- puterbranche schwieriger.

Hierarchische Arbeitsteilung wurde noch zementiert

Obwohl der DV-Markt insgesamt noch immer lukrative Geschaefte verspricht, sind die Auswirkungen der Rezession auf deutsche Grossunternehmen unuebersehbar. Folge ist eine deutlich gesunkene Investitionsbe- reitschaft, von der nur solche DV-Anbieter verschont bleiben, deren Produkte und Dienstleistungen fuer Rationalisierungseffekte sorgen oder deren Angebot einen organisatorischen Neuanfang moeglich macht.

So freute sich Walter Gerdes, Mitglied des DV-Serviceunternehmens EDS Deutschland GmbH: "Wir haben als Dienstleister das Glueck, in die Rezession hineinzugeraten." Die Outsour- cing-Bereitschaft der Anwender steige deutlich. Allerdings spuere EDS die Rezession im Projekt- und Produktgeschaeft durchaus.

Von einer Krise bei grossen Anwenderunternehmen berichtet auch Page. In vielen Konzernen stellten die Fachabteilungen dem internen Dienstleister IT ein schlechtes Zeugnis aus. Folge sei die Beschaffung von DV-Equipment an den IT-Verantwortlichen vorbei.

Das Verstaendigungsproblem ziehe sich hinauf bis in die Vorstandsetagen: "Die Finanzvorstaende haben Scheu, sich mit den DV-Verantwortlichen zu unterhalten", bilanzierte Page. Schuld daran sei nicht zuletzt die technologiegepraegte Sprache der DV- Spezialisten, vor der die Finanzexperten immer haeufiger Reissaus naehmen.

Die Forderung, DV-Manager in die Vorstandsetagen zu berufen - daran hielt etwa EDS-Manager Gerdes fest, ist laut Page derzeit voellig unrealistisch: "Diese Chance ist beim gegenwaertigen Image der DV-Abteilungen im Unternehmen vertan." Eher daechten Unternehmen zur Zeit ueber Outsourcing nach, als in der Informationstechnologie ein strategisches Werkzeug zu sehen. Tatsaechlich muesse mit dem "Strategiegerede" endlich Schluss sein, die Informationstechno- logie sei nichts anderes als ein Produktionsfaktor - ob dieser auslagerfaehig sei, diese Frage sei bis heute noch nicht generell beantwortet.

Page haelt - im Gegensatz zu den anderen Diskutanten - die Altersstruktur im DV-Management fuer ein gravierendes Problem. "Die heutige Fuehrungsebene ist von Technologiedenken gepraegt." Der ehemalige SAG-Vorstand sieht allerdings auch die Gefahr, dass sich die junge Generation der DV-Manager ebenfalls als zu technologieverliebt erweisen koennte.

Friedrich Christeiner, Direktor fuer Fertigung und Grundstoffe bei IBM, mochte den IT-Managern fuer das schlechte Zusammenspiel mit den Managern nicht pauschal die Schuld zuweisen: "Die DV- Verantwortlichen werden zu oft im Stich gelassen." Das eigentliche Problem vieler Unternehmen sei betriebswirtschaftlicher Art. Durch DV-Massnahmen werde die "hierarchische, funktionsorientierte, vertikale Arbeitsteilung" noch zementiert. "Wir muessen Abteilungsdenken ueberwinden und in Prozessen denken", so der Forschungschef, "dann koennen IT-Entscheidungen Siebenmeilenstiefel sein!"

Der IBM-Manager erhielt fuer seine Analyse Zustimmung: "Oft ist die Datenverarbeitung noch dem Finanzvorstand zugeordnet", erklaerte EDS-Geschaeftsfuehrer Gerdes. "Die DV-Chefs sind allein gelassen. Sie verfuegen nicht ueber eine gesamtunternehmerische Sicht." In zu vielen Betrieben sei die Datenverarbeitung nicht an den Unternehmenszielen ausgerichtet. u