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20.03.1992

Kristallisationspunkte noch nicht auszumachen

Fangen wir mit einem Paradoxon an: Nichts Genaues weiß man nicht. Denn eines ist sicher: So lautet das heimliche Messe-Motto der CeBIT '92. Das wäre so schlimm nicht, aber werden auch die richtigen Fragen gestellt? In diesen Tagen ist viel von einem Verlust der Identität bei den DV-Herstellern die Rede. Wer so argumentiert, geht immerhin davon ans, sie hätten eine. Da wird außerdem gesagt, Firmenfusionen seien unter dem Identitätsaspekt Gift - zumindest für einen Partner. Am Beispiel der Übernahme von Mips Computer durch Silicon Graphics (Seite 21) läßt sich verdeutlichen, daß dieses Argument einer näheren Prüfung nicht standhält.

Weder Mips noch Silicon Graphics haben bisher ein starkes Profil gezeigt. Wie sollten sie auch? Hochgekommen sind beide, weil andere, insbesondere Branchengrößen wie IBM und DEC, geschlafen haben. Jetzt kommt das Erwachen, doch viele wissen nicht, ob das, was sie sehen, noch Alptraum oder bereits Realität ist. Ein schöner Traum, eine Option auf die Zukunft, war gewiß ACE oder vielmehr das, was die ACE-Initiative bewirken sollte: Einen Kompatibilitätsrahmen für zukünftige Client-Server-Plattformen zu schaffen, Konkurrenten im Workstation-Geschäft vorübergehend hinter eine Idee zu bringen - die Erkenntnis nämlich, daß der Anwender Implementierungsleitlinien braucht.

Pustekuchen, statt dessen haben wir das organisierte Chaos: IBM bricht Bull aus dem ACE-Konsortium heraus; Digital bringt mit Alpha eine eigene Chip-Entwicklung ins Spiel; Compaq schlägt sich mit Problemen im Low-end-PC-Markt herum. Und nun die Mips-Ehe: Branchenkenner schließen bereits Wetten ab, das sei der Anfang vom ACE-Ende. Doch man sollte das Problem, das ACE zweifellos hat, nicht überbetonen. Die Frage, was das alles den Anwender angeht, bringt die Hersteller auf den Teppich zurück. Client-Server-Konzepte auszutüfteln ist eine Sache, die Anwender zu überzeugen, eine andere.

Das führt uns zur Frage aller Fragen: Die Technik ist vorhanden, doch wo sind die Anwendungen? RISC, CISC, Sparc, ARC, Unix, gut und schön, doch den Anwender interessiert nur, welche Client-Server-Applikationen echte Vorteile bringen. Das Defizit ist offenkundig: keine Ideen, keine Anwendungen! Nach dem Personal Computing soll nun Workgroup Computing der DV einen neuen Schub geben. Doch was ist der Kristallisationspunkt im Server-Markt? Wird es ein Betriebssystem sein (die Diskussion um Unix) oder ein Softwareprodukt, das eine Initialzündung auslöst, wie Lotus 1-2-3 in der PC-Welt? Auf Antworten wird man wohl noch eine Weile warten müssen. Mit Spekulationen über Mips und ACE können wir uns die Zeit vertreiben.