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18.02.1994

Kriterien fuer die Auswahl von DV-Schulungen Flexibilitaet des Referenten sichert Nutzen fuer Anwender

Mit der gestiegenen Funktionsvielfalt der Programme nimmt auch die Notwendigkeit zu, die Funktion einer Software zu selektieren, die der Mitarbeiter am Arbeitsplatz tatsaechlich braucht. Der Kursinhalt wird nach Auffassung von Roland Bischoff* durch die Maxime des arbeitsplatznahen Lernens bestimmt, wobei dem Dozenten eine besondere Rolle zukommt.

Der Erfolg einer Schulung wird ganz wesentlich im Seminar selbst bestimmt, wenn immer wiederkehrende Stoerfaktoren und nicht planbare Ereignisse durch das didaktische Geschick und die Flexibilitaet des Referenten ausgeglichen werden muessen.

Bereits im Vorfeld der eigentlichen Schulung muss sich der Seminaranbieter mit dem Anwenderunternehmen zusammensetzen und klaeren, welche Funktionen des Programms fuer die Mitarbeiter ueberhaupt wichtig sind.

"Nicht fuer die Software, fuer den Job lernen wir"

In Abwandlung eines bekannten Satzes muss das Motto der Computerschulung lauten: "Nicht fuer die Software, fuer den Job lernen wir." Je genauer beide Seiten im voraus bestimmen, wozu die Software eingesetzt werden soll, desto groesser ist der Nutzen, den die Teilnehmer im Hinblick auf ihre alltaegliche Arbeit aus dem Seminar ziehen.

Das Ziel effizienter Anwenderschulung sollte nicht sein, saemtliche Tastenkuerzel des Programms durchzupauken, sondern seine grundsaetzliche Funktionsweise zu vermitteln und Moeglichkeiten zur Selbsthilfe aufzuzeigen.

Die Reduktion des Unterrichtsstoffs auf das Wesentliche ist eine gute Sache - besser ist noch, der Seminarleiter kennt auch die alltaeglichen Arbeitsablaeufe seiner Teilnehmer.

Sind nicht nur die Themen arbeitsplatzbezogen gewaehlt, sondern ist auch der Seminarleiter in die konkreten Arbeitsablaeufe und - bereiche beim Anwender ausreichend eingeweiht, verringert sich noch einmal die allgemeine Wissensvermittlung zugunsten einer Zunahme von spezifischen, problembewussten Anleitungen.

Zu Beginn eines jeden Kurses muss der Referent oft feststellen, dass viele Idealvorstellungen nicht zu realisieren sind. Schon bei der Zusammensetzung des Seminars laesst sich die angestrebte Homogenitaet der Gruppe in der Praxis so gut wie nicht erreichen. Gerd Fischer, Geschaeftsfuehrer der pc-plus Training & Service GmbH, meint dazu: "Die Erfahrung mit Firmenschulungen zeigt, dass die einzelnen Teilnehmer meistens aus ganz unterschiedlichen Abteilungen kommen."

Angesichts der aktuell anstehenden Aufgaben wird die Mehrzahl der Abteilungsleiter ihre Mitarbeiter nicht geschlossen zwei oder drei Tage ins Seminar schicken. Oft ist es gerade kleineren Firmen nicht moeglich, auch nur zwei Kollegen gemeinsam eine Fortbildung besuchen zu lassen, obwohl dies wuenschenswert waere.

In Kenntnis dieses Problems tut der Referent gut daran, am Anfang des Seminars die Abmachungen zum Lehrstoff durch Befragen der Teilnehmer zu ueberpruefen. Wenn es zum Beispiel zunaechst hiess, dass grafische Darstellungen im Betrieb nicht benoetigt werden, sitzt im Seminar vielleicht doch eine Sekretaerin aus der Vorstandsetage, die unbedingt fuer ihren Chef Praesentationsgrafiken erstellen muss. Ihre Kollegin erwartet hauptsaechlich Einblick in die Makrosprache des Programms, und ein dritter Mitarbeiter aus der Buchhaltung benoetigt dringend das Wissen, wie der Datenaustausch mit anderen Anwendungen funktioniert.

Der Referent, der darauf nicht flexibel reagiert, hat schon verloren. Ein Teilnehmer, der in der ersten Stunde des Kurses hoert, dass sein Thema nicht behandelt werden kann, schaltet ab und ist nicht mehr motiviert. Fuer den Seminarleiter beginnt die heisse Phase, der Drahtseilakt, alle in der Schulung versammelten Persoenlichkeiten und deren Beduerfnisse unter einen Hut zu bringen.

Was jede noch so gute Vorbereitung haeufig ins Leere laufen laesst, ist der Umstand, dass Wissensvermittlung nicht maschinell funktioniert. Die Definition von arbeitsplatznahen Lernzielen allein gewaehrleistet noch nicht die erfolgreiche Vermittlung von entsprechendem Wissen.

Das Ideal eines nach Kenntnisstand und Zielsetzung homogen besetzten Seminars scheitert in der Praxis haeufig an Sachzwaengen. Aber auch nach der Korrektur der Lernziele zu Beginn der Schulung sind diese aus didaktischer Sicht noch einmal zu pruefen.

Das Ergebnis ist ein Seminar, in dem inhaltlicher Ablauf und didaktische Massnahmen sich gegenseitig beeinflussen. Im Mittelpunkt dieser Wechselwirkungen steht der Referent mit seiner Faehigkeit, immer wieder verschiedene Situationen schnell zu analysieren und flexibel auf sie einzugehen.

Seine fachliche Kompetenz und sein Wissen ueber die Arbeitsplatzsituation der Teilnehmer sind der Grundstein eines guten Seminars - sein didaktisches Geschick und seine Flexibilitaet koennen es zu einem effizienten und nutzbringenden machen.

Wie findet aber der Anwender den kompetenten Schulungspartner, der auch haelt, was er verspricht? Es gibt einen Fragenkatalog, der helfen kann, Unterschiede zwischen den Schulungsanbietern auszumachen und einen Blick hinter die Hochglanzprospekte zu werfen.

Dabei sollte man sich nicht mit Selbstverstaendlichkeiten wie der Tatsache aufhalten, dass jeder Teilnehmer seinen eigenen PC bekommt. Viel wichtiger ist etwa die Frage nach einer individuellen Beratung. Die Vorbe- reitung von Schulungsmassnahmen sollte ueber das reine Absprechen der Seminarinhalte hinausgehen.

Eine ausfuehrliche Planung beinhaltet auch Antworten auf die Fragen, in welchen Zeitabstaenden und Schritten die Ausbildung erfolgen kann und welche Teilnehmergruppen in einer Firma sinnvollerweise gebildet werden koennen.

In der Qualifikation der Referenten gibt es grosse Unterschiede. Da keine allgemeinverbindliche Ausbildung und Pruefung zum DV-Lehrer existiert, faellt um so staerker ins Gewicht, ob die Seminarleiter ihre Taetigkeit hauptberuflich ausueben und wie eng die Bindung an das Schulungsunternehmen ist.

Ein Seminaranbieter, der mehrere festangestellte und einen gleichbleibenden Stamm freier Referenten beschaeftigt, weist eine gewisse Kontinuitaet aus, die auch fuer die Zukunft solide Arbeit verspricht.

Langjaehrige Kunden als Indiz fuer Seriositaet

Referentenprofile geben Kriterien an die Hand, mit denen sich Anbieter vergleichen lassen. Darin sollten Angaben enthalten sein ueber Ausbildung und fachliches Angebot des Trainers, ferner die Anzahl der Schulungstage, die er bereits geleistet hat, und die Dauer seiner Zusammenarbeit mit dem Schulungsunternehmen.

Bei einem groesseren Schulungsaufwand und einer als laengerfristig geplanten Zusammenarbeit sollte abgefragt werden, ob immer derselbe Referent die Kurse abhaelt. Ein staendiger Trainer erfaehrt in den Seminaren am besten die speziellen Beduerfnisse der Teilnehmer und kann sich darauf einstellen.

Neben den ueblichen Referenzen ist eine Statistik aufschlussreich, die besagt, wieviel Prozent des Umsatzes das Schulungsunternehmen mit langjaehrigen Kunden macht. Ein kontinuierlicher Kundenstamm ist das beste Zeugnis fuer eine Firma.

Nach Seminarende sollte jeder serioese Anbieter einen anschliessenden Support anbieten, der in den Kosten des Kurses bereits beruecksichtigt wurde.

*Roland Bischoff ist Seminarleiter bei der pc-plus Training & Service GmbH in Muenchen.