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Wenig Verbesserungen, aber Kompatibilitätsprobleme


11.01.2002 - 

Kritik am Entwurf für XML-Version 1.1

MÜNCHEN (ws) - Mit dem Entwurf für XML 1.1 stößt das W3-Consortium (W3C) auf breite Ablehnung in der XML-Gemeinde. Demnach versäume das Gremium, bekannte und gravierende Defizite zu beseitigen. Für marginale Änderungen nehme es in Kauf, dass bestehende Software erneuert werden muss.

Der nun publizierte Working Draft für XML 1.1 (http://www.w3.org/TR/xml11) nimmt im Wesentlichen Vorschläge auf, die zuvor in einem Entwurf unter dem Codenamen "Blueberry" entwickelt wurden. Im Vordergrund stehen dabei Änderungen hinsichtlich des Zeichensatzes. Bereits XML 1.0 basiert auf Unicode, begrenzt aber den Zeichenvorrat, der für Namen von Elementen ("Tags"), Attributen oder Entities verwendet werden darf. Der Entwurf für XML 1.1 will diese Beschränkung weitgehend aufheben. Daher soll es auch möglich sein, Markups in Sprachen wie Khmer (Kamboscha) oder Amharisch (Äthiopien) zu formulieren. Diese geplante Neuerung betrifft nicht den Inhalt von Dokumenten, für den auch bisher jedes in Unicode definierte Zeichen zulässig war.

Größere Folgen droht die Aufnahme eines Vorschlags zu bringen, den IBM einreichte. Das Unternehmen will, dass die in XML als Whitespace definierten Zeichen (etwa Tabulator, Leerzeichen oder Wagenrücklauf) um "NEL" erweitert werden. Es handelt sich dabei um den Zeilenvorschub, der auf Mainframes verwendet wird.

Die Arbeitsgruppe des W3C stand hinsichtlich der XML-Version vor einem Dilemma: Werden die genannten Änderungen einfach in XML 1.0 integriert, scheitert bestehende Software wie etwa Parser an Dokumenten, die von IBM-Großrechnern stammen. Erhält das modifizierte XML wie jetzt geplant die Versionsnummer 1.1, dann verweigern vorhandene XML-Tools den Dienst, sobald sie auf Daten mit einer neuen XML-Deklaration stoßen. Würden tatsächlich nur Dokumente als XML 1.1 ausgezeichnet, die von den zusätzlich erlaubten Zeichen Gebrauch machen, hielte sich der Schaden in Grenzen. Da aber vermutlich eine Vielzahl von XML-Dateien ohne Not als 1.1-kompatibel ausgewiesen werden, droht Anwendern das Update von XML-Software auf breiter Front.

Prominente Kritiker wie Elliotte Harold oder Tim Bray (http://lists.xml.org/archives/xml-dev/200106/msg00671.html) widersetzen sich nicht generell den geplanten Neuerungen, sondern bezeichnen den Preis für den geringen Fortschritt als zu hoch. Der ließe sich zumindest dann rechtfertigen, wenn das W3C schon länger bestehende Forderungen der XML-Gemeinde berücksichtigt hätte. Dazu zählt insbesondere die Integration der W3C-Empfehlung "Namespace" in den Kernstandard. Viele der XML-Co-Standards wie Xpath oder Infoset setzen Namespace-konforme Dokumente voraus. Der Entwurf für XML 1.1 lässt aber etwa den Doppelpunkt, der für Namespaces eine besondere Bedeutung hat, weiterhin als gültiges Zeichen für Elementnamen zu.