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Unscharfes Berufsbild verunsichert Absolventen


07.08.1992 - 

Kritik an der CDI-Ausbildung: Anspruch wurde nicht erfüllt

Unter dem Pseudonym Else Greif* verbirgt sich der Name einer Teilnehmerin des Kurses zum Medienanaytiker, die nicht genannt werden möchte.

Demnächst werden die ersten Medienanalytiker das Computer Data Institut (CDI) in München verlassen. Mit dieser einjährigen Ausbildung will CDI "dem Computer in seiner zunehmenden Rolle als Kreativ-Medium Rechnung tragen", so die institutseigene Broschüre. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit, so Else Greif*, klafft schon bei der Ausbildung eine große Kluft.

"Der Medienanalytiker ist kein in sich geschlossenes Berufsbild", erzählt Georg Löffler, Münchner CDI-Institutsleiter, eines Dienstag morgens den neuen Kursteilnehmern. Eigens herbeigeholt, erklärte er den 17 vor ihm sitzenden Anwärtern auf diesen Beruf ohne Berufsbild ihre Lage. Viele Möglichkeiten würden ihnen mit ihrer Ausbildung offenstehen; ihr "kommendes Einsatzgebiet" ließe sich jedoch nicht allgemeingültig definieren. Dies hänge in starkem Maße von "den Vorkenntnissen ab".

In der Broschüre von CDI liest sich das anders: "Ein neues Berufsbild entsteht durch den zunehmenden Technikeinsatz bei den Medien, in der Pädagogik und Didaktik." So sähen Medienfachleute wie Redakteure, Texter, Layouter, Grafiker und Designer ihre angestammten Berufsbilder ebenso im Umbruch wie Lehrer. Deshalb lägen "vielfältige Aufgaben" vor Geisteswissenschaftlern mit Autoren- und Didaktikqualifikationen, wenn sie sich über den Medienanalytiker-Kurs bei CDI dafür fit machen ließen.

Das heißt laut CDI, gängige PC-Anwendungssoftware sowie geeignete Grafik- und Layout- Software nutzen zu können, weiterhin Autorensysteme mit Animationsfunktionen zu beherrschen, um zu ausgewählten Themenbereichen, Lernprogramme zu entwickeln, und schließlich als Multiplikatoren Wissen über den Umgang mit PCs adressatengerecht weitergeben zu können.

Nach dieser Aufzählung werden als typische Arbeitgeber beispielsweise auch Softwarehäuser aufgelistet. Diese sollen die CDI-Abgänger - so will es der Punkt "typische Stellenbezeichnungen" - als Lernsystemanalytiker, Mediendidaktiker und Teachware-Autoren beschäftigen.

Doch genauso könne der Absolvent nach zwölf Monaten Ausbildung seinen Weg als Redakteur, Softwarelektor, Autor und Computergrafik-Designer machen. Wer ohne das Rüstzeug in den Fächern "Redakteursarbeit erledigen" und "Unterricht gestalten" nach acht Monaten abgeht, erreicht immerhin noch den "Computergrafiker/-in CDI". Nach fast allen Seiten offen gibt sich der 25 Jahre alte DV-Qualifizierer und berechnet dies mit 17 830 Mark pro Kursteilnehmer.

Genauso offen bleiben auch die Einsatzmöglichkeiten des zukünftigen Medienanalytikers. Schätzt ein Dozent, daß der Medienspezialist für einen Vorgesetzten die Medien auszuwerten habe, um ihm das Ergebnis in schnell erfaßbarer Form vorzulegen, so meint ein anderer, es gelte den Chef beim Aussuchen der passenden Software zu beraten. Dazwischen liegen einige Varianten, deren aufrichtigste noch die ist, daß bei diesem Berufsbild alles im Werden begriffen sei. Als wenig aufschlußreich hat sich bislang auch das Studium des Stellenmarktes erwiesen. Mit ihren computergestützten Grafik- und Layout-Fertigkeiten finden sich die angehenden Medienanalytiker allenfalls von DTP-Stellenangeboten angesprochen.

Dabei kann der Medienanalytiker am Ende seiner einjährigen Ausbildung weitaus mehr als DTP, wenn es nach dem Lehrplan geht. In den ersten vier Unterrichts-Bausteinen lernt er, "systematisch zu denken, zu lernen, zu arbeiten, vernetzt zu informieren, zu kommunizieren, zu kooperieren, effizient zu wirtschaften, zu vermarkten, zu produzieren, zielbewußt zu planen, zu organisieren und zu kontrollieren".

Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre werden ihm genauso flugs im Zwei-Wochen-Seminar beigebracht wie die Netzplantechnik, Zeitplangrundsätze, Lern-, Kreativitäts- und Präsentationstechniken. Er lernt Kommunikationsmodelle kennen, Organisationsformen und Sozialverhalten, weiß Entscheidungstabellen zu erstellen, kann mit der Lückenanalyse und der Szenariotechnik umgehen.

Als theoretisches As im Selbst-Management geht der künftige Medienanalytiker dann die Anwendersoftware an. Zwei Wochen MS-DOS-Kurs führen zwar in die höheren Weihen des Edlin und der Stapeldatei ein, lassen aber die für denselben Baustein angekündigte Einführung in Windows vermissen; sie findet nur im Skript statt.

Der DV-Dozent war nicht gut vorbereitet

Ab dieser Unterrichtseinheit muß sich der künftige Medienanalytiker im übrigen damit abfinden, daß er von nun an die meiste Zeit seines Unterrichts vor dem Bildschirm zu sitzen hat - und dies meist in unfreiwilliger Teamarbeit zu zweit. Vielleicht hat er Glück und erobert einen Bildschirm für sich ganz allein; doch manchmal ist er schon froh, wenn er am ersten Tag gleich sein neues Skript bekommt.

Bei der Einführung in Wordperfect steigt der Geräuschpegel; inzwischen haben sich die Teammitglieder viel zu sagen. Dafür fällt dank schleichendem Vorankommen das Kapitel "Makros" aus. Diese Möglichkeiten des Automatisierens lernt der beflissene DV-Eleve jedoch einen Baustein später bei Lotus kennen. Daß das Kapitel "Austausch von Daten mit anderen Programmen" hier zu kurz kommt, wird inzwischen kommentarlos weggesteckt - Hauptsache, die sogenannte Bausteinprüfung am Ende des Lotus-Unterrichts geht erfolgreich über die Bühne.

14 Tage später fällt ein Drittel der Klasse durch die Dbase-Prüfung. Das Skript wird allgemein als unzureichend und der Dozent als mäßig vorbereitet beurteilt. Doch danach setzt ein großes Durchatmen ein: Der Unterrichts-Block "Softwarequalifikationen", den auch die Anwärter auf den Computer-Führerschein mitmachten, ist abgehakt.

Jetzt sollen laut Katalog die Grafikkurse beginnen: Paintbrush, Designer, Charisma und Pagemaker stehen auf dem neuen Programm. Das alte listet hingegen Bürokommunikationstechnik, CAD, GEM Draw und Pagemaker auf. Offenbar befinden sich die Lehrplanarchitekten des Instituts noch immer im Zustand der Meinungsfindung.

Da es für den Lehrgang zum Medienanalytiker jedoch kaum eine Orientierung im praktischen Berufsleben gibt, stochert CDI noch mit der Stange im Nebel. Auf Druck der Schüler, die schon jetzt nach dem neuen Lehrplan vorgehen wollen, stellt Institutsleiter Georg Löffler das Programm um. Er bietet also Designer, Pagemaker und Charisma.

Den Kritikern an den Unterrichtsunterlagen, sprich: Skripten, begegnet CDI mit dem Hinweis, daß 30 bis 40 Personen als Skript-Autoren händeringend gesucht würden; für 140 Bausteine müßten Unterrichtsunterlagen geschrieben werden.

Kontrollsystem spornt zu großem Engagement an

Bei den bekannten Engpässen in der Erwachsenenbildung hat es auch der Marktführer nicht immer leicht. In Scharen wandert bewährtes Personal in den deutschen Osten ab. Dennoch entspricht das Institut dem Werbeversprechen von Seite eins seiner Broschüre, "erfahrene Dozenten" einzusetzen. Dagegen spricht auch nicht, daß einige der freiberuflichen Lehrkräfte ihr DV-Wissen als CDI-Schüler erwarben. Auch daß das Kollegium vom ursprünglich erlernten Beruf her ein recht schillerndes Bild abgibt - Germanisten, Schriftsetzer, Filmer, Kaufleute, Architekten, Philosophiestudenten gehören ihm an -, stört nicht weiter. Denn die angehenden Medienanalytiker sind ein ebenso bunter Haufen: Medienleute, Mediziner, ein studierter Kunstmaler, Filmer, Psychologen und Studienabbrecher in der Warteschleife.

Ein rigides Kontroll- und Motivationssystem spornt zu großem Engagement an. Entweder bekommt ein schlechter Lehrer auf dem Fragebogen der Bausteinbeurteilung durch die Schüler schlechte Noten. Oder ein guter Lehrer darf mit ebenbürtigen Kollegen am Ende eines Arbeitsjahres auf CDI-Kosten eine teure Fernreise buchen.

Orientierung an der Praxis fehlt

Vielleicht wird sich der eine oder andere Medienanalytiker ins CDI-Lehrerteam einreihen, wenn er nach Ablauf seiner einjährigen Ausbildung in diesem Jahr auf dem Arbeitsmarkt nichts Besseres vorfindet. Institutsleiter Löffler betont, daß der Didaktikblock als letzte Unterrichtsfolge im alten sowie im neuen Programm auf die Ausbildertätigkeit vorbereite. Nur die IHK-Prüfung müsse der künftige Lehrer noch draufsetzen; sie ist, so der Institutsleiter, "nicht Bestandteil des Bausteins".