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20.07.1990 - 

Gartner Group sieht Produkteinführungen in weite Ferne gerückt

Kritik an SAA-Politik der IBM: Blabla statt Technik-Kompetenz

STAMFORD (IDG) - Die IBM gerät mit ihrem SAA-Konzept zusehends unter Druck. Von ihrem Ziel, portable Anwendungen auf verschiedenen Systemebenen unter einer einheitlichen Oberfläche laufen zu lassen, sind die Armonker nach Einschätzung der Gartner Group weit entfernt. Die Begründung der Marktforscher: Big Blue kümmert sich vor allem um das Marketing, weniger um den technologischen Fortschritt.

Vorgestellt im März 1987, war die Systems Application Architecture (SAA) als ein Konzept gedacht, das zur Entwicklung portabler Anwendungen für vier verschiedene Systemumgebungen führen sollte. Dieselben Programme, so versprach Big Blue damals, würden sowohl auf 1370-Mainframes unter VM und MVS als auch auf AS/400-Midrange-Systemen unter OS/400 und auf PS/2-Rechnern mit dem Betriebssystem OS/2 Extended Edition laufen.

Jede Anwendung, die als SAA-kompatibel eingestuft wurde, sollte laut Gartner binnen zwei Jahren für die gesamte SAA-Umgebung verfügbar sein. Bis heute, so kritisiert die Gartner Group, konnte Big Blue seine Versprechen in keiner Weise einhalten.

Echte portierbare SAA-Anwendungen stehen nach wie vor aus, heißt es im Bericht der Marktforscher, auf den sich die CW-Schwesterpublikation "Network World" in einem Bericht beruft. Glaubwürdigen Prognosen zufolge seien solche Programme nicht einmal vor 1995 zu erwarten. Möglicherweise werde es zwar die eine oder andere Anwendung geben, die auf zwei oder mehreren SAA-Plattformen laufe, ein identischer physischer Code sei aber nicht zu erwarten. Auch das Konzept des Common User Access (CUA), das die gleiche Benutzeroberfläche für alle SAA-Anwendungen verspricht, sei bisher nur unzulänglich realisiert. Zur Zeit gebe es verschiedene Ausführungen, die auf unterschiedlichen Versionen des Presentation Managers basierten.

Außerdem habe IBM die Anwendungen einiger Dritt-Anbieter als SAA-kompatibel bezeichnet, obwohl deren Benutzerschnittstellen unterschiedlich seien. US-Marktforscher sehen in der SAA-Strategie - so wie sie sich heute präsentiert - vor allem ein Marketing-Spektakel. IBM habe zum Beispiel im März 1988 versprochen, den Listengenerator RPG SAA-weit einzuführen. Als Programmiersprache sollte RPG nicht nur in der 136-, sondern auch in der AS/400-Umgebung sowie auf PS/2-Rechnern verfügbar sein.

IBM: Die SAA-Akzeptanz bei den Kunden ist gut

"IBM hat RPG im März 1988 als eine SAA-Sprache angekündigt, um das Konzept für die große Anzahl an /36-Anwendern attraktiv zu machen", erläutert Senior Vice-President Michael Braude von der Gartner Group. Tatsächlich habe Big Blue aber nie vorgehabt, RPG bis auf die Mainframe-Ebene hinauf zu unterstützen.

Ähnlich verhält es sich laut Braude mit der 4GL-Sprache Cross System Product (CSP): Bereits im März 1987 sei CSP als 4GL für das SAA-Konzept ausgewiesen worden - bis heute aber sind die Armonker eine Version für die AS/400 schuldig geblieben.

Den heftigen Vorwürfen der Gartner Group ist die IBM inzwischen mit einem offiziellen Statement begegnet: "Die Kundenakzeptanz der SAA-Produkte hat alle Erwartungen übertroffen", verkündete eine Unternehmenssprecherin. SAA werde vielerorts als Gerüst akzeptiert, auf dessen Basis die Kunden ihre eigene DV-Strategie realisieren wollten.

Ähnlich urteilt Frank Dzubeck, Präsident der Communications Network Architects Inc. in Washington D.C.: Anwender wollen sich seiner Ansicht nach langsam mit dem SAA-Konzept vertraut machen. "Noch gehen User mit der SAA-Strategie erst 'ein bißchen schwanger'. Was beim Menschen physisch unmöglich ist, läßt sich bei Architekturen realisieren". Gleichzeitig mit der zunehmenden Verfügbarkeit der Systeme wachse auch die Akzeptanz bei den Anwendern.