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03.08.2001 - 

Datenschützer machen Front gegen Microsoft

Kritiker wollen Windows XP stoppen

MÜNCHEN (CW) - Knapp drei Monate vor der geplanten Markteinführung von Windows XP stößt Microsoft auf Widerstand. Während Politiker die enge Integration des Betriebssystems mit herstellereigenen Anwendungen kritisieren, haben Datenschützer Bedenken gegen Funktionen wie den Authentifizierungs-Dienst "Passport" angemeldet.

Mit einer Beschwerde bei der US-Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC) wollen Datenschützer und Verbraucherschutzinitiativen die Auslieferung von Windows XP am 25. Oktober verhindern. Sie kritisieren insbesondere die in Windows XP integrierte Authentifizierungs-Software Passport und fordern eine Untersuchung von Microsofts Praktiken bei der Sammlung von Benutzerdaten. Zu den Initiatoren der Eingabe gehören mehr als zehn Organisationen, darunter die Verbraucherschutzvereinigung Electronic Privacy Information Center (Epic) sowie die Datenschutzorganisationen Electronic Frontier Foundation und Junkbuster.

Der in Windows XP integrierte Passport-Dienst speichert persönliche Daten von Benutzern auf zentralen Microsoft-Servern. Anwender seien damit nicht mehr gezwungen, die Informationen bei jeder Anmeldung neu einzugeben, so die Argumentation des Herstellers.

Gegenwärtig nutzt Microsoft Passport nur als Authentifzierungs-Werkzeug für seinen E-Mail-Dienst Hotmail. In Zukunft aber soll die Software auch die Basis für die "Hailstorm"-Services bilden, die zu den zentralen Bestandteilen von Microsofts .NET-Strategie gehören.

Hailstorm ist eine XML-basierende Internet-Plattform, die das Einrichten von Web-Services für unterschiedliche Betriebssysteme und Endgeräte ermöglichen soll. Microsoft denkt dabei an die Lieferung von Inhalten, elektronisches Einkaufen oder Online-Banking. Dabei würden auch so sensible Daten wie Passwörter oder Kreditkartennummern über Passport verwaltet.

Junkbuster-President Jason Catlett erklärte dazu: "Angesichts Microsofts bisheriger Leistungen im Datenschutz ist das Unternehmen die letzte Organisation, dem wir die Kontrolle über solch eine Vielzahl von Informationen anvertrauen wollen." Epic kritisiert in diesem Zusammenhang auch die geplante Zwangsregistrierung bei der Installation von Windows XP. Kunden werden dabei aufgefordert, persönliche Daten an Microsoft zu übermitteln. Die Kartellbehörde müsse das Ansinnen des Herstellers prüfen, "Daten von Millionen von Internet-Nutzern zu sammeln und Kundenprofile zu erstellen", forderte der Epic-Vorsitzende Marc Rotenberg.

Wer kontrolliert persönliche Daten?Microsoft-Sprecher Jim Desler nannte die Beschwerde der Datenschützer "völlig unbegründet". Datenschutz und Sicherheit gehörten zu den "grundlegenden Prinzipien in der Architektur sowohl von Passport als auch von Hailstorm und .NET-Services". Diese Dienste versetzten Benutzer in die Lage, ihre persönlichen Informationen selbst zu kontrollieren. Eben dies bestreiten die Verbraucherschützer. Die Kombination von teilweise irreführenden Optionen in Windows XP und in Passport mache es für Benutzer schwierig, wenn nicht unmöglich, die Kontrolle über ihre Daten zu behalten.

Nur einen Tag vor der Initiative der Datenschützer hatte der New Yorker Senator Charles Schumer eine gerichtliche Verfügung gegen die Auslieferung von Windows XP am 25. Oktober gefordert. In einem Brief an den Chef der Kartellbehörde Charles James mahnte der demokratische Politiker zudem die Kläger, sich solange nicht außergerichtlich mit Microsoft zu einigen, bis sichergestellt sei, dass Anwender Softwareprodukte der Konkurrenz ungehindert unter Windows XP einsetzen könnten. Wegen der engen Integration des Betriebssystems mit Microsoft-Anwendungen beispielsweise für Instant Messaging oder Fotobearbeitung würden Konkurrenten benachteiligt. Er nannte als Beispiele AOLs "Instant Messenger" und die Software "Digital Photo Imager" von Kodak.

Im September wird sich der Justizausschuss des US-Senats mit Windows XP und damit verbundenen Wettbewerbsfragen im Internet befassen. Schumer ist Mitglied dieses Gremiums. Die Motive des Politikers sind allerdings umstritten. Lange Zeit galt er als Kritiker des Kartellverfahrens gegen Microsoft. Im New Yorker Wahlkreis des Politikers sitzt seit der Fusion aber AOL Time Warner und mit Eastman Kodak ein weiterer Konkurrent der Gates-Company. Microsoft wirft Schumer deshalb vor, mit seiner geänderten Position auf diese Enflüsse zu reagieren.

Ungemach droht dem Konzern auch noch von anderer Seite. Der US-Softwarehersteller Intertrust hat eine bereits anhängige Patentklage ausgeweitet und will ebenfalls den Verkaufsstart von Windows XP stoppen. Mit der darin enthaltenen Produktaktivierung verstoße Microsoft gegen vier Patente, so der Vorwurf.