Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

27.02.1981 - 

Etablierten Leasern sitzen Restwert-Erfahrungen im Bewußtsein:

Kündbare Verträge von aggressiven Töchtern

SCHRIESHEIM - In jüngster Zeit tauchen auf dein Leasingmarkt Begriffe

auf wie Flexible Leasing, Elasco Leasing und Walk-away-Leasing. Gemeint sind damit solche Leasingverträge, die vor Ablauf der kalkulierten Vertragsdauer aufgelöst werden können.

Als Elasco-Leasing werden derartige Leasing-Verträge von den deutschen Töchtern aggressiver US-Leasing-Gesellschaften angeboten. Unter dem Begriff Flexible Leasing bieten einige englische Leasing-Gesellschaften diese Vertragsform an. Flexible Leasing wird fast ausschließlich für IBM-Großcomputer-Anlagen praktiziert.

Definition

Am einfachsten ist Flexible Leasing anhand eines Beispiels zu erklären. Ein User (Leasingnehmer) schließt mit einer Leasing-Gesellschaft (Leaser) einen Leasing-Vertrag über eine kalkulierte Vertragsdauer von 72 Monaten ab. Der monatliche Mietpreis beträgt 50000 Mark. Das ergibt bei 10 Prozent Refinanzierungssatz einen Kapitalwert zu Beginn der Mietzeit in Höhe von 2700 Mark. Zu diesem Preis kauft die Bank im Zuge des Refinanzierungsverfahrens die Forderungen aus diesem Mietvertrag an.

In einem Side-Letter zwischen dem User und dem Leaser wird von vornherein vereinbart, daß der User die Möglichkeit hat, nach Ablauf von beispielsweise 48 Monaten der kalkulierten Vertragsdauer aus dem Vertrag "auszusteigen" (walk-away). Er kann dies zum vertraglich fixierten Zweck der Ablösung des Systems, das Gegenstand des bisherigen Leasing-Vertrages ist, tun, oder um sein System aufzustocken oder abzurüsten. Der Leaser verpflichtet sich bereits bei Abschluß des Leasing-Vertrages im Falle des vorzeitigen Aussteigens, den noch offenen Restbetrag der Mieten bis zum Ablauf der ursprünglichen 72 Monate über die Wiedervermarktung hereinzuholen und sie dem User gutzubringen.

In unserem Beispiel wäre der , Kapitalwert der noch offenen Mietraten rund 1,0 Million Mark. Dieser Side-Letter wird der Bank gegenüber offengelegt - oder auch nicht.

Ist der Leaser nicht in der Lage, über das Remarketing des Vertragsgegenstandes den noch offenen Restbetrag hereinzuholen, so muß er den Fehlbetrag entweder selbst zuschießen oder sich mit dem User auseinandersetzen.

Wurde der Side-Letter der Bank gegenüber nicht offengelegt, so haben sowohl Leaser als auch User eine unrichtige Garantieerklärung abgegeben, wonach ja außer den im Vertrag festgelegten Vereinbarungen keine weiteren zwischen Leaser und User bestehen. Hier dürfte der Leaser das letzte Finanzierungsgeschäft mit dieser Bank getätigt haben.

Konsequenz

Wurde der Side-Letter der Bank gegenüber offengelegt, so muß bei vorzeitigem Ausstieg zunächst der Restbetrag der noch ausstehenden Mieten als Abschlußzahlung vom User gebracht werden. Gemäß Garantievereinbarung mit dem Leaser wird der User den Betrag zu einem späteren Zeitpunkt ja über die Wiedervermarktung zurückerhalten. Nachdem die Anschlußzahlung an die Bank erfolgte, wird diese das sicherungsübereignete Equipment, das Gegenstand des Leasing-Vertrages war, zur Wiedervermarktung an den Leaser freigeben.

Risikobeteiligung

Flexible Leasing bedeutet eine Risikobeteiligung des User an der Wertentwicklung des Vertragsgegenstandes, also des Computers. Flexible Leasing-Verträge müssen so gestalten sein, daß der Leasing-Gegenstand beim Leasing-Geber zu aktivieren ist gemäß "Restamortisations-Erlaß". Die Erlös-Garantie des Leasers gegenüber dem User hat für den User subjektiven Wert.

De facto wird Flexible Leasing von Computer-Leasern bereits seit Jahren praktiziert, indem bestehende Mietverträge angesichts erhöhter Kapazitätsnachfrage im gegenseitigem Einvernehmen abgewickelt und durch Nachfolgeverträge ersetzt werden.

Entscheidungskriterien

Der User muß sich bewußt sein, daß er am Risiko der Wertentwicklung des Computers beteiligt ist.

Er muß darauf achten, daß alle Vertragsvereinbarungen klar und eindeutig abgefaßt sind. Ihm wird außerdem nahegelegt, alle Vereinbarungen, auch die im Side-Letter, der Bank gegenüber offenzulegen.

Bei den etablierten Computer-Leasern am deutschen Leasing-Markt herrscht eine deutliche Zurückhaltung gegenüber dem Flexible Leasing vor.

Noch sitzen die negativen Erfahrungen des Restwert-Leasings über die Lloyd's Police tief im Bewußtsein. Die meisten verspüren keine Lust, wieder auf das Restwert-Karussell zu steigen, das sich in der Vergangenheit bei den meisten größeren Wettbewerbern drehte.

*Hans Martin Rehbein ist Geschäftsführer der CSC Leasing und Finanzierung GmbH, Schriesheim-Altenbach.