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Personal-Strategien in wirtschaftlich schwierigen Zeiten


17.09.2004 - 

Kündigungen hinterlassen verbrannte Erde

MÜNCHEN (iw) - Konjunkturflauten und Umsatzrückgang verleiten Manager oft zu kurzfristigen Entscheidungen: Schnelle Spareffekte sollen die Bilanz wieder aufpolieren. Deshalb liegt es für viele nahe, die Personalkosten durch Entlassungen zu senken. Doch wie eine Studie des Münchner Ifo-Instituts zeigt, verbaut der scheinbar bequemste Weg oft Chancen auf zukünftiges Wachstum.

In vergangenen Abschwungphasen versuchten deutsche Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit vor allem mit defensiven Strategien zu erhalten, stellten Investitionen zurück und bauten Arbeitsplätze ab. Das Institut für Wirtschaft (Ifo) an der Universität München präsentiert in einer aktuellen Befragung von 1100 Managern folgendes Ergebnis: Die meisten senkten die Sachmittel (72,2 Prozent), wachstumsorientierte Maßnahmen nutzten 65,5 Prozent, aber 58,2 Prozent stellten in der Krisenzeit Investitionen zurück, 53,4 Prozent beendeten mittels betriebsbedingter Kündigungen bestehende Arbeitsverhältnisse und 37,2 Prozent besetzten freiwerdende Stelle nicht mehr.

Großunternehmen sind weniger kreativ

Während in der Industrie kleine und mittlere Unternehmen auf wachstumsorientierte Maßnahmen setzten und weniger Personal abbauten, rangierte die betriebsbedingte Kündigung für Großunternehmen an erster Stelle. Mit 81,3 Prozent der Antworten (Mehrfachnennungen waren möglich) räumten sie dieser Maßnahme die größte Bedeutung ein. Meinhard Knoche, Vorstandsmitglied im Ifo-Institut und Hochschuldozent für Personal-Management, überraschte dieses Ergebnis: "Kleinere und mittlere Unternehmen sehen ihr Personal stärker als Ertragsfaktor, während Großunternehmen eher dazu neigen, die Personalkosten durch Entlassungen und Outsourcing zu senken. Dort sind Arbeitsplätze für Höherqualifizierte auch in Zukunft mehr gefährdet als in anderen Unternehmen."

Personalabbau durch andere, innovative Wege zu vermeiden, spielte in der Vergangenheit über alle Branchen und Unternehmen hinweg nur eine unbedeutende Rolle. Ob Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnanpassung, Teilzeitbeschäftigungen oder Kürzungen bei den Sozialleistungen, vor allem für Großunternehmen waren solche Maßnahmen nebensächlich. Knoche vermutet, dass das Tarifrecht solch kreativen Pfaden Steine in den Weg legt. Doch die Kompromisse mit den Gewerkschaften bei Daimler-Chrysler und Siemens stimmen ihn optimistisch. Er sieht in einer intelligenten Senkung der Personalkosten die größte Herausforderung für eine moderne Personalpolitik, räumt aber ein: "Ein Patentrezept gibt es nicht; jedes Unternehmen muss seinen Weg finden."

Personalabbau verursacht Probleme

Kündigungswellen haben in vielen Firmen verbrannte Erde hinterlassen. Die schmerzliche Erfahrung mussten auch viele Manager machen. Schnelle und einfache Lösungen gibt es zumindest bei Personalanpassungsmaßnahmen nicht. Diese Stimmung bestätigte auch die Studie. Das Ifo-Institut wollte von den befragten Managern wissen, welche Strategien sie heute als erfolgsversprechend einstufen und in einer zukünftigen Abschwungphase nutzen würden. Hochqualifizierten Mitarbeitern betriebsbedingt zu kündigen schätzen die Firmenvertreter aller Branchen als wenig geeignet ein, fast zwei Drittel aller Unternehmen lehnen diese Maßnahme ausdrücklich ab. Auch die betriebsbedingte Kündigung von niedrigqualifizierten Beschäftigten sehen Manager kritischer als in der Vergangenheit. "Offensichtlich sieht ein Großteil der Unternehmen, dass mit der Axt-im-Wald-Methode langfristige Schäden und Probleme entstehen, die eine nachhaltige Unternehmensentwicklung behindern", erläutert Ifo-Vorstand Knoche. Industrieunternehmen bilden auch hier eine Ausnahme: Knapp zwei Drittel schätzen Entlassungen auch zukünftig als passende Lösung, annähernd die Hälfte der Befragten stuft den Personalabbau sogar als sehr geeignet ein.

Während in der Vergangenheit kaum versucht wurde, Personalkosten zu senken ohne zu entlassen, steht der überwiegende Teil (83 Prozent) der Befragten über alle Branchen hinweg diesem Weg heute positiv gegenüber. Auch hier nehmen die großen Industrieunternehmen eine Sonderrolle ein, denn mehr als die Hälfte lehnen diese "sanften" Maßnahmen ab und setzen weiterhin auf Kündigungen. Knoche führt dieses Stimmungsbild in den Konzernen auf schlechte Erfahrungen zurück. Die Einigung von Siemens und Daimler habe ein wichtiges Zeichen gesetzt. "Wenn die großen Unternehmen zum Zeitpunkt der Befragung dieses Signal der Kompromissbereitschaft der Tarifpartner schon gehabt hätten, wäre die Befragung vermutlich zu anderen Ergebnissen gelangt", vermutet Knoche.

Mittelstand leistet innovative Personalarbeit

Doch der Mittelstand geht in der Personalpolitik andere, weniger radikale Wege. "Dort ist man mehr auf einzelne Experten im Unternehmen angewiesen und es wird vielfach eine innovativere Personalarbeit geleistet", analysiert Knoche die unterschiedlichen Ergebnisse. Während manche Unternehmen immer noch damit beschäftigt sind, ihren rabiaten Sparkurs zu verfolgen und sich auf den Personalabbau konzentrieren, verlieren sie die zarten Aufschwungsignale aus dem Blick. Wenn nämlich neue Aufträge eingehen, und nicht abgearbeitet werden können, verlieren Unternehmen den Anschluss an die Zukunft, umschreibt ein IG-Metall-Mann die Situationen in einem Telekommunikationsunternehmen, das an seinem harten Sanierungskurs festhält. "Wer innovativ an Krisensituationen herangeht, und Bereitschaft zeigt, flexibel zu reagieren, hat bessere Chancen, Krisen unbeschadet zu überstehen. Dagegen vergrößern rein defensive Strategien die Probleme", so das Fazit von Knoche.

Hier lesen Sie ...

- welche Konsequenzen Unternehmen aus der zurückliegenden Krise ziehen;

- dass ein massiver Personalabbau oft verbrannte Erde hinterlässt;

- dass es sich lohnt, flexible Konzepte zur Kostensenkung zu erarbeiten.

Ifo-Managerbefragung

- befragt wurden 1100 Manager vom mittelständischen Unternehmer bis zum Konzernlenker aus allen Branchen;

- Kündigungen und Personalabbau standen in der zurückliegenden Krise im Vordergrund;

- zukünftig planen viele Unternehmen, die Personalkosten ohne Stellenabbau zu senken;

- allerdings bemängeln 90 Prozent der befragten Firmen den zu engen Spielraum für solche Maßnahmen.

Beliebte Krisenstrategien

- Zurückstellen von Investitionen,

- Sachmittelkosten senken,

- Personalkosten mit Hilfe von Entlassungen reduzieren,

- Personalkosten senken ohne Arbeitsplatzabbau und

- Personalkosten senken, indem frei werdende Stellen nicht neu besetzt werden.

Abb: Wie Unternehmen schwierige Situationen meistern

Setzten Manager in der zurückliegenden Stagnationsphase vor allem auf betriebsbedingte Kündigungen (linke Säule), möchten sie in Zukunft stärker auf Maßnahmen zurückgreifen, die sich ohne Personalabbau realisieren lassen. Quelle: Ifo