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04.03.1988 - 

ZAV: Die Hochschul-lnformatiker bereiten sich in den DV-Startlöchern auf das Karriere-Finish vor

Künftig macht der "Dipl.-lnform." das Rennen

FRANKFURT - Der Diplom-Informatiker kann seiner Karriere buchstäblich nicht entgehen: Auf ihn warten im Schnitt vier Jobs - darunter der Sessel des DV-Traditionalisten. Auch die Zukunft des "Dipl.lnform." ist, so die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Frankfurt, rosig: Der gutbezahlte DV-Nachwuchs soll Themen wie CIM, wissensbasierte Systeme oder neue Applikationen anpacken.

Nicht mehr lange bleibt in der DV-Welt alles beim alten (DV-Traditionalisten), wie die jüngste ZAV-Bilanz über den Arbeitsmarkt für Diplom-lnformatiker(innen) nahelegt. Die Zahl der "mathematisch-naturwissenschaftlich orientierten Diplom-Informatiker aller Hochschularten" hat sich in den vergangenen neun Jahren verdreifacht. Zwar verlassen nur wenig mehr als 1000 Absolventen derzeit jährlich die Ausbildungsstätten (siehe CW Nr. 51/52, vom 18. Dezember 1987, Seite 1), aber eine Wachablösung in den DV-Schaltzentralen kündigt sich dennoch an. Als ein Indikator kann gerade die stetig steigende Zahl der eingeschriebenen Studenten im Hauptfach Informatik gelten. Sie schnellte nach ZAV-Werten von 7500 an Universitäten und 2000 an Fachhochschulen im Jahr 1979 hoch auf 25 000 sowie 8500 im Jahr 1986. Auf lange Sicht steigen die Zahlen weiter: Verstärkt etablieren sich neue Studiengänge Informatik an den Hochschulen.

Um diese potentiellen Mitarbeiter rangeln die unterschiedlichsten Branchen "bereits im Hörsaal", wie Peter Welke, Leiter des Fachbereichs für technische und naturwissenschaftliche Berufe in der ZAV, weiß: Auf einen Absolventen oder berufserfahrenen Informatiker warten im Schnitt vier Jobs, denn die Datenverarbeitung hat sich zu hochkomplexer Informationsverarbeitung gemausert.

Themen wie CIM, Office Automation, wissensbasierte Systeme oder neue Applikationen versprechen den Unternehmen notwendige Wettbewerbsvorteile. DV-Hersteller und -Anwender beanspruchen so etwa je ein gutes Drittel der Absolventen; das verbleibende runde Viertel belegen Forschung und Lehre sowie Ausbildung. Die Offerten sind unter anderem durch Startgehälter von 62 000 Mark (Akademiker) oder 53 000 Mark (Fachhochschüler) attraktiv. Nach zwei Jahren im Job und den entsprechenden Berufserfahrungen verdienen die raren Jungexperten schon bedeutend mehr als Studienkollegen in anderen Sparten. Die Nachfrage läßt dabei häufig die Schere zwischen Entlohnung und Leistung weit auseinanderklaffen, stellte 1987 beispielsweise für Systemprogrammierer die Kienbaum Personalberatung aus Gummersbach fest.

Beim "Run auf Informatiker" am leergefegten Personalmarkt war der Autodidakt bisher ebenso gefragt wie der Umschüler. Im Jahr 1985, eruierte die Gesellschaft für Informatik, hatten nur 40 Prozent der Datenverarbeiter einen Abschluß in Informatik vorzuweisen. Gegenüber "Mischqualifikationen" hat sich der "reine" Informatiker indes, meint Gerhard Krüger, seinen Platz gesichert. Er stellt die informationstechnischen Mittel wie Rechnerstrukturen, Grundsoftware oder digitale Kommunikationseinrichtungen für maßgeschneiderte Lösungen zur Verfügung. Allerdings sieht der Telematik-Professor von der Universität Karlsruhe die Dinge in Fluß kommen: "Die Informatiker bewegen sich auf die Anwender, diese aber auch auf die Informatiker zu." Auch für den Marktanalytiker Werner Dostal vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in Nürnberg ist klar: "DV-Kernberufe werden ein akademischer Arbeitsmarkt." Verschlechtere sich der Stellenmarkt, werden zuerst "substituierende Fachkräfte" ausgesiebt, so die ZAV.

Für den naturwissenschaftlich orientierten "Dipl-lnform." zeigen sich wie bisher also auch künftig kaum Schatten auf dem Arbeitsmarkt. Arbeitslose Informatiker kennt die Frankfurter Zentralstelle der Bundesanstalt für Arbeit erst seit 1982. Dabei liegt der Anstieg ihrer Quote für 1986 "im Bereich statistischer Unsicherheit", beträgt er doch bundesweit genau 28 Personen.

Wo bei Studienkollegen aus anderen Disziplinen nach ZAV-Werten die Dauer der Arbeitslosigkeit frühestens zu Ende geht, hat sie bei Informatikern schon längst wieder aufgehört: Zwischen Diplom und Job, so die Fachvermittler der Bundesanstalt, liegen für den Dipl.-lnform. nämlich nur zwei bis drei Monate "Wartezeit".