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22.07.1994

Kuenftig sind alle Anwendungen Groupware- Applikationen

CW: Wenn heute von Groupware die Rede ist, faellt sofort der Produktname Lotus Notes. Was macht eigentlich den Erfolg dieser Software aus?

Cearley: Lotus Notes benoetigte nahezu vier Jahre, bis der Markt in Schwung kam. Den Ausschlag gab, dass dieses Produkt erstmals Diskussionsdatenbanken ermoeglichte, in denen Menschen an unterschiedlichen Orten ihre Kommentare zu einem bestimmten Thema anmerken konnten. Beschleunigt wurde der Durchbruch mit Hilfe spezifischer Notes-Applikationen wie zum Beispiel der Automatisierung von Vertriebsaktivitaeten.

CW: Die Anbieter relationaler Datenbanksysteme bemuehen sich, Lotus Wettbewerbsvorteile streitig zu machen, indem sie ihre Produkte fuer unstrukturierte Informationen oeffnen und Replikationen ermoeglichen.

Cearley: Richtig. Oracle und Sybase unternehmen Schritte in Richtung auf weniger strukturierte Datenbanktypen. Wenn jeder Anwender online waere und unbegrenzte Bandbreiten zur Verfuegung stuenden, liessen sich die relationalen Datenbanken nutzen und Pointer auf bestimmte Dokumente setzen. Aber so ist die Realitaet nun einmal nicht beschaffen.

CW: Microsoft, Novell und Oracle haben angekuendigt, dass sie Lotus Konkurrenz machen wollen. Wie lange wird Notes seine Alleinstellung noch behaupten koennen?

Cearley: Die genannten Hersteller befinden sich erst im Fruehstadium der Entwicklung. Innerhalb der kommenden 18 Monate werden sie wohl kaum in der Lage sein, ein robustes Notes- Aequivalent anzubieten. Der Vorsprung, den Lotus hat, bezieht sich sowohl auf die Funktionalitaet als auch auf die Entwicklergemeinde und die Third-party-Tools. Denn Notes ist keineswegs ein Endanwenderwerkzeug, sondern vielmehr eine Anwendungsentwicklungs- Plattform.

CW: Microsoft spricht davon, Groupware-Funktionalitaet als einen Teil des Betriebssystems implementieren zu wollen. Was halten Sie von dieser Idee?

Cearley: Der Microsoft-Ansatz ist insofern richtig, als er auf eine staerker modularisierte Umgebung abzielt. In diese Richtung tendiert der Markt. Das Modell sieht vor, Front-end-Anwendungen ueber ein gemeinsames Stueck Middleware, beispielsweise MAPI, mit Back-end-Services zu verbinden. Diese Middleware ist der Groupware-Teil, der sich in das Betriebssystem einbetten laesst. Und genau das tut Microsoft mit seinem modularen Ansatz. Das Problem dabei ist jedoch, dass es sich heute lediglich um einen Microsoft- modularen Ansatz handelt. Er funktioniert also nicht mehr, wenn Lotus Notes fuer den Enterprise Message Server oder CC:Mail statt Microsoft Mail eingesetzt wird.

CW: Soweit Microsoft. Welche Rolle kann Oracle im Groupware-Markt spielen?

Cearley: Oracle hat ein grosses Problem: Als das Unternehmen die Groupware-Arena betrat, liess es ausser acht, dass es vor allem ein Back-end-Anbieter ist. Statt seines Datenbankmodells versucht Oracle, sein Anwendungsmodell auf Groupware anzuwenden. Dieser Ansatz ist zum Scheitern verurteilt.

CW: Gilt dasselbe fuer Novell?

Cearley: Nein. Novell hat eine gute Strategie entwickelt, um MAPI mit Back-end-Services zu verbinden - die Open Messaging Engine. Das Unternehmen nutzt die Microsoft-Schnittstellen und wirbt damit, dass es ueber die besseren Front-end-Werkzeuge sowie Back- end-Dienste verfuegt. Diese Strategie verdient schon eher die Bezeichnung offen.

CW: Wie wird sich der Markt fuer Groupware-Produkte langfristig entwickeln?

Cearley: Auf lange Sicht ist Groupware weder ein Markt noch ein Produkt, sondern eine Art, sich einer Anwendung zu naehern.

CW: Wie meinen Sie das?

Cearley: Ich denke, dass alle Anwendungen am Ende Groupware- Applikationen sein werden. Die persoenlichen Produktivitaets-Tools fungieren dann auch als Werkzeuge fuer die Gruppeninteraktion, und alle Aktivitaeten, die auf dem Computer ausgefuehrt werden, schliessen diese Interaktion ein. Groupware ist nicht mehr und nicht weniger als der Umgang mit Peer-to-peer-Client-Server- Architekturen.

David Cearley ist Vice-President und

Service Director Workgroup Computing Stratgies bei der Meta Group, Westport, Connecticut. Das Gespraech fuehrte

CW-Redakteurin Karin Quack.