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15.06.1990 - 

Mitarbeiterförderung in USA und Japan

Künftiges Organisationsziel: Computerunterstütztes Teamwork

Mitarbeiterförderung muß sich mit den Herausforderungen der Arbeitswelt von morgen auseinandersetzen und auf die neue Rolle der Informations-Manager für jede betriebliche Ebene vorbereiten. Hans G. Klaus* beschreibt die unterschiedlichen Ansätze aus USA und Japan hinsichtlich der Mitarbeiterförderung in der Informationsverarbeitung.

Unternehmen und öffentliche Verwaltungen sind Bestandteile einer international immer stärker zusammenwachsenden Informationsgesellschaft. Die klassischen Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Geld müssen durch die Ressource Information als neuen Wertschöpfungsfaktor in der Gesellschaft von morgen ergänzt werden. Die zukünftigen Erwachsenen in dieser Informationsgesellschaft werden Informations-Manager sein müssen. Jeder Mitarbeiter dürfte in weit höherem Maße als bisher als Nutzer, Verteiler und Generator von Information auftreten. Mitarbeiterförderung bedeutet daher, kurzfristig die Mitarbeiter wenigstens nachträglich einzustimmen, also einen Nachholbedarf auszugleichen. Es gilt, Mitarbeiter auf geplante Implementierungen rechtzeitig vorzubereiten, und es bedeutet vor allem, sie für die Herausforderung der Arbeitsgesellschaft von morgen zu befähigen, in der der Informationsfluß zunehmend internationalisiert, entmaterialisiert und parallelisiert wird.

Gruppenarbeit in computerunterstützten Teams, die Telekonferenzen, Decision-Support-Systeme, Präsentationssoftware und Projekt-Managementsoftware einsetzen, bestimmt die künftige Organisation.

"Information Sharing" muß erlernt werden, aber auch die Regeln, die in geordneter Weise eine gemeinsame Nutzung der Information-Ressourcen erlauben, sollten die Betroffenen beachten. Die Organisationsstruktur dürfte eher Netzwerk- als Hierarchie-Charakter haben, wobei Informationssysteme auf die Organisationsstruktur ausgerichtet sind, die über eine Infostruktur verfügen, um wertvolle Informationen generieren und beschaffen zu können.

Nötig sind soziale Management-Innovationen

In den USA stellt man sich seit Einführung der "Paperwork Reduction Act of 1980" besonders in der öffentlichen Verwaltung auf diese Herausforderungen ein. Eine wichtige Erkenntnis besteht darin, daß ein "Enduser Computing" und ein Information-Management des eigenen Arbeitsbereiches und der Arbeitsgruppe nur über reichlich und bequem angebotene Beratungshilfen (Informations-Centres "Technology Plus Shops", Programmer's Workbench) zu erreichen ist. Dies wird ergänzt durch organisatorische Einrichtungen und einen gesetzlichen Rahmen, der das Produkt Information und die informationstechnologischen Ressourcen in einer ganzheitlichen Betrachtungsweise für die Verwaltung planbar und optimal ausschöpfbar macht.

Eine weitere Erkenntnis besteht darin, daß der Einsatz moderner Informationstechnik eher soziale Management-Innovationen verlangt als eine Struktur ohne fortgeschrittene Informations- und Kommunikationssysteme.

Die japanische Szene ist genau in diese Richtung geprägt, indem die starke persönliche Verantwortung des Managers, "Egalitarianism", von den Unternehmern gefördert wird. Die Beschäftigungssicherheit, das Senioritätsprinzip und ein Bottom-up-Entscheidungsprozeß ("Ringisystem") spielen in japanischen Unternehmen eine große Rolle, ebenso wie das Konsens- und Harmoniebedürfnis.

Bestechend ist zum Beispiel auch, daß ausdrücklich die Funktion "Nachdenken über Verbesserung der eigenen Arbeit und des Betriebes" in vielen Tätigkeitsbeschreibungen der Unternehmen und Verwaltungen auftaucht. Im Gegensatz zu den USA besitzt das mittlere Management eine starke Stellung. Mit diesen Systemen des Managements und der Mitarbeiterförderung konnte sich Japan bisher sehr gut im internationalen Wettbewerb behaupten.

Maßnahmen zur Mitarbeiterförderung müssen auf eine synchrone Entwicklung der Personal- und Technologieressourcen ausgerichtet sein, indem

- sich die Qualifikation in Richtung "papierlose" Büroarbeit erweitert,

- die Mitarbeiter zur Nutzung des angebotenen informations-technologischen Instrumentariums motiviert werden und

- das Management das Hineinwachsen in sich häufig ändernde Arbeitsverteilungen und Reorganisationen eher als Dauerzustand denn als Sonderfall behandelt.

Das Informations-Management-Konzept, das sich nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Teilen der Welt durchzusetzen beginnt, ist eine solche Strategie, die eine umfassende Betrachtungsweise der Informationstechnik, Büroautomation, Telekommunikation, Datenbanken, Bibliothek zur Gewinnung, Verteilung und Nutzung der Ressource Information beabsichtigt.

Orientierungshilfen von der Wissenschaft

Den Mitarbeitern, aber auch den Top-Management muß ständig der Wert der Information als Wertschöpfungsfaktor (Wirtschaft) und als Erweiterung-Verbesserungspotential für Dienstleistungen (Verwaltung) vor Augen geführt werden.

Die Verantwortung für eine adäquate Heranführung der Mitarbeiter an die Herausforderung des IT-Einsatzes und der Bewältigung der damit auftretenden Umstellungsprobleme liegt bei den Unternehmen und Verwaltungen. Paragraph 90/91 des Betriebsverfassungsgesetzes vom 1 . Januar 1989 der Bundesrepublik lassen dies erkennen. Besonders kleine und mittlere Betriebe werden diese Verantwortung nicht allein tragen können. Hier muß die Wissenschaft Orientierungshilfen bieten und Regierungsstellen sind aufgefordert, günstigere Rahmenbedingungen zu schaffen. Eine Reihe der langfristigen Forschungsprogramme (Leitthemen) der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMA) zielen auf die Modellierung von Kooperationshilfen und Mensch-Maschine-Kommunikation-Situationen ab (Informationstechnische Kooperations-Unterstützung, Assistenz-Computer, Das Aktive Buch). Regierungsseitig geht das Zukunftskonzept Informationstechnik auf diese Problematik ein, ebenso wie Programme der Europäischen Gemeinschaft, unter anderem Eurotecnet und Komett).

In den USA hat sich vor allem das Office of Technology Assessment mit den damit verbundenen gesellschaftlichen, betrieblichen und politischen Verantwortlichkeiten auseinandergesetzt.

Literatur

- Naisbitt, John, Megatrends. Ten New Directions transforming our lives, London 1984.

- Späth, Lothar, Wende in die Zukunft. Die Bundesrepublik auf dem Weg in die Informationsgesellschaft, Hamburg 1985.

- Pava, Calvin, Organizational Architecture for Distributed Computing: The Next Frontier in System Design, in: Technological Support for Work Group Collaboration, Hillsdal, N.J. 1989.

- Bikson, Tora, K; Evenland, J.D; Gutek, Barbara A., Flexible Interactive Technologies for Multi-Person Tasks: Current Problems and Future Prospects, in: Distributed Computing: The Next Frontier in System Design, in: Technological Support for Work Group Collaboration, Hillsdal, N.J. 1989.

- Hasegava, Keitaro, Japanese-Style Management. An Insider's Analysis, Tokyo 1986.

- Otten, Klaus, A changing information environment challenges public administrations, in: Information Management Review, Vol.4, No.4, 1989, S.9-16.