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29.03.1985 - 

Ab April steht die 38,5-Stunden-Woche auch der Computerbranche ins Haus:

Kürzere Arbeitszeit in der DV ist umstritten

MÜNCHEN (lo)-Die Arbeitszeitverkürzung auf 38,5 Stunden pro Woche in den Griff zu bekommen, ist ein Hauptproblem in der DV-Branche. Praktikable Modelle wechseln mit Ausweichstrategien ab. So heißt ein Modell auch Samstagsarbeit. Einige Manufakturen bevorzugen jedoch das Rezept: Abwarten und Tee trinken.

Am Stichtag 1. April werden eine Reihe von DV-Unternehmen Betriebsvereinbarungen zur 38,5-Stunden-Woche zumindest in groben Zügen verabschiedet haben. Hemmschwellen auf dem Weg zur "ersten Arbeitszeitverkürzung nur für Menschen, nicht aber für Anlagen" hätte es kaum gegeben, war übereinstimmend von Verantwortlichen zu hören.

Einige Unternehmen wie etwa Hewlett-Packard in Böblingen setzten bereits seit mehreren Jahren praktikable Teillösungen für eine flexible Arbeitszeit ein. Sie reichen von freien halben Tagen bis zur Anrechnung auf die Lebensarbeitszeit.

Viele Zeitausgleichsvereinbarungen zeigen das Bemühen der Beteiligten, den besten Weg zu finden. Neben einer Ausdehnung der Gleitzeitvereinbarungen und zusätzlichem Urlaub gibt es etwa Ausgleich über Terminpläne sowie Frei-Tage.

Die schlechtesten Karten zogen dem Anschein nach Mitarbeiter des Rechenzentrums. Sie müssen in einigen Fällen auf ein Ansparen der herausgearbeiteten Zeit ganz verzichten.

Gleitzeitmodus nicht für das Rechenzentrum

Möglichst wenig VerwaItungsaufwand betreiben will die Bull GmbH in Köln. Die Kölner betrachten für tarifliche Mitarbeiter die neue Arbeitszeitregelung ganz im Modus der normalen Gleitzeit. Entweder "timt" der Mitarbeiter seine Anwesenheit genau auf 38,5 Stunden, oder er kann für die tägliche Differenz von 18 Minuten innerhalb des laufenden Monats zweimal einen halben Tag oder einmal einen ganzen Tag freinehmen. Diese Regelung beschränkt sich auf sieben Fälle im Jahr.

Für den Bereich Rechenzentren (RZ) bei Bull befindet sich ein gesondertes Denkmodell der RZ-Leitung im Gespräch. Es soll den bisherigen Betrieb von 18 Stunden aufrechterhalten. Versetzte Arbeitszeit und drei Schichten ermöglichen danach jedoch eine Überlappung. Die 18 Minuten pro Tag fallen in diese Phase und sind vom Mitarbeiter ausschließlich täglich abzugelten.

Die Triumph-Adler AG für Büro- und Informationstechnik in Nürnberg (TA} verabschiedete eine Betriebsvereinbarung, in der die Arbeitszeitverkürzung durch Freischichten erfolgt. Für alle vollzeitbeschäftigten Tarifmitarbeiter gilt demnach die 38,5-Stunden-Woche. Die wöchentliche Betriebsnutzungszeit bleibt bei 40 Stunden in der Woche. Die Differenz wird durch Freischichten ausgeglichen. Diese Freischichttage, deren Terminierung auch Gegenstand der Betriebsvereinbarungen waren, wurden den Mitarbeitern in einer Zeitübersicht bekanntgemacht. Für das neue hauseigene Rechenzentrum gelte diese Regelung ebenfalls.

Betriebsschließungstage als RZ-Ausgleich

Mit letzten Ergebnissen aus laufenden Gesprächen rechnet die IBM Deutschland GmbH, Stuttgart, zum 1. April. Bisher besteht eine Rahmenvereinbarung mit dem Gesamtbetriebsrat vom Februar 1985, der sich der Betriebsrat der Hauptverhandlung sowie bisher "fast alle" Werke angeschlossen haben sollen. Eckpunkte der IBM-Version zur Neuregelung der Arbeitszeit seien individuelle Flexibilität für alle Mitarbeiter, eine Gleitzeitregelung und eine durchschnittliche Arbeitszeit von 38,5 Stunden. Der Ausgleich erfolgt über einen Zeitraum von zwei Monaten hinweg. Ansparen auf einen halben Tag pro Monat oder einen ganzen Tag für zwei Monate ist dabei möglich.

Der Drei-Schichten-Betrieb gilt den Zeitbonus über Freischichten - "Betriebsschließungstage" - ab. Dabei beträgt der Turnus 26 Arbeitstage. Teilweise über Freischichten mit einer Begrenzung von sechs pro Jahr und über tägliche Arbeitszeitverkürzung werden Mitarbeiter des Zwei-Schicht-Betriebs abgegolten. Dazu zählen ebenfalls die Rechenzentren. Das Abfeiern hat hier Grenzen. Als Einschränkung gilt: maximal einen halben Tag pro Monat sowie sechs Tage je Jahr.

Neueinstellungen sind nicht unbedingt die Folge.

Die NCR GmbH in Augsburg fand für die rund 700 Mitarbeiter des Mikro-Bereichs und die etwa 800 Beschäftigten im Vertrieb ebenfalls zu der 38,5-Stunden-Woche. Bisher gebe es keine Probleme, so PR-Leiter Jürgen R. Hansen. Dazu trüge die personelle Reserve im Unternehmen bei. Nur wenn es "haken" sollte, sei möglicherweise an Neueinstellungen gedacht.

Schichtarbeiten, etwa im Rechenzentrum, würden überlappend gestaltet. Durch Gleitzeitregelungen entstünden dabei keine Reibungsverluste. NCR habe weiterhin eine Betriebsbereitschaft von 40 Stunden. Das "persönliche Maß" jedes Mitarbeiters werde daran angepaßt. Anstelle von bisher 10 Stunden Zeitübertrag auf den nächsten Monat seien ab 1. April 14 Stunden vereinbart. Darüber hinaus Zeit anzusammeln, sei allerdings nicht möglich.

Samstagsarbeit ist die Ausnahme

Als Ausnahme gilt die Regelung der Siemens AG in München-Ramersdorf. Dort arbeitet in der Chip-Produktion eine kleine Gruppe auch samstags. Bei den bundesweit 114 Betriebsratseinheiten in acht Tarifkreisen liegen, so Siemens, zu zwei Drittel Abschlüsse vor. Es gebe dabei kein Siemens-einheitliches Verfahren, denn es sei die flexible Lösung für den "örtlichen Mitarbeiter" angestrebt.

Die Unternehmensleitung der Digital Equipment GmbH in München (DEC) fühlt sich bisher zu nichts verpflichtet. Weder einem Tarifvertrag angeschlossen noch dem Arbeitgeberverband angegliedert, bleibt deshalb bei den Münchnern die Regelung der 40-Stunden-Woche, "wie mit dem Betriebsrat ausgehandelt", für die nähere Zukunft bestehen. Allerdings erfolge eine "genaue Beobachtung der DV-Umwelt", erklärt Personalmanager Horst Hölscher.

Die Control Data GmbH, Frankfurt/Main, hat ebenfalls keine konkreten Pläne, die Regelarbeitszeit zu verkürzen. Bei den tarifgebundenen Industrien würden jedoch "sehr aufmerksam die Entwicklungen und Erfahrungen beobachtet".

Noch in Diskussion mit dem Betriebsrat befindet sich die Braunschweiger Produktionsstätte der Commodore Büromaschinen GmbH mit Sitz Frankfurt am Main.

Eine endgültige Lösung steht bei der Nixdorf Gomputer AG in Paderborn aus wie auch bei der Philips Kommunikations Industrie AG, Nürnberg.

Die Bewegung in der Branche abwarten will die Texas Instruments Deutschland GmbH in Freising, so Personalchef Dieter Genth. Bisher fänden Vorklärungen statt. "Ob wir überhaupt dazu kommen werden, ist noch offen, merkt der Betriebsrat zu der Verkürzung um 1,5 Stunden wöchentlich skeptisch an. Das Unternehmen sei eben nicht tarifgebunden.

Dem "Traumziel 38,5" eine Absage erteilt

Für den Marktsektor Rechenzentren existiere kein kompetenter Tarifpartner, so der Verband Deutscher Rechenzentren (VDRZ) in Bonn, und als Verband habe man sich "vorsorglich herausgehalten". Die DV-Zentren wären jedoch in aller Regel froh, wenn eine 40-Stunden-Woche erreicht werden könnte, weiß der Verein zu berichten. Die 38,5 Stunden seien das "Traumziel". Es beständen indes wenig Chancen, dies zu verwirklichen.

Die Datenverarbeitungsorganisation des steuerberatenden Berufes in der Bundesrepublik Deutschland (Datev), Nürnberg, einigte sich mit dem Betriebsrat, die 38,5-Stunden-Woche nicht einzuführen.

Als Grund, weiterhin die 40-Stunden-Woche zu fahren, bezeichnete Datev-Vorstand Heinz Sebiger den von qualifizierten DV-Kräften leergefegten Personalmarkt.

Verkürzung der Arbeitszeit gleich zusätzliche Arbeitsplätze sei eine vereinfachte, falsche Formel. Zu der Diskussion um eine Arbeitszeitverkarzung im datenverarbeitenden Sektor meinte Sebiger: "Der emotionale Dampf muß heraus."