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04.04.1997 - 

IT in der Autoindustrie/Automobillogistik-Service für Serien und Einzelstücke

Kunden von Übersee bis Europa fest im Griff

Die bisherige DV-Landschaft des Dienstleisters basierte auf einer AS/400 mit zahlreichen, zum Teil aus anderen Mosolf-Niederlassungen übernommenen RPG-Programmen, deren Pflege aufgrund der häufig von den Herstellern geforderten Änderungen zu aufwendig wurde. Außerdem ging es darum, die Optimierung der Fahrzeugdurchläufe sowie eine bessere Nutzung der Ressourcen DV-technisch zu unterstützen. Schließlich sollten den Herstellern beziehungsweise Importeuren jederzeit Informationen zum Bearbeitungsstatus der Fahrzeuge sowie Auswertungen und Statistiken über Bestände, Durchlaufzeiten oder Sondereinbauten zur Verfügung stehen.

Die HEC aus Bremen war von Anfang an Projektpartner von Mosolf. Sie führte zunächst eine Analyse der Arbeitsabläufe durch, um die Anforderungen zu definieren. Dabei schälten sich mehrere Teilprojekte heraus:

- Das Center-Management-System (CMS) übernimmt die Verwaltung der Fahrzeugbewegungen vom Produktionsort in Übersee zu den Umschlagplätzen, eventuelle Lagerung in Bremerhaven, Bearbeitung bei Mosolf bis hin zur Auslieferung an die Fahrzeughändler per LKW.

- Das Auftrags-Bearbeitungs-System (ABS) unterstützt die Arbeitsabläufe an den Fahrzeugen im Retusche-Bereich sowie in der Werkstatt und Lackiererei zur Veredelung der Fahrzeuge für Sonderserien, technische Adaptionen an deutsche Standards sowie Ausbesserung eventuell festgestellter Schäden.

- In engem Zusammenhang damit steht das Ersatzteil-Lagersystem (ELS), mit dem sowohl die über Nacht zu liefernden Ersatzteile als auch die von den Herstellern zur Verfügung gestellten Aktionsteilepakete für Sonderserien einschließlich Chargenverwaltung registriert werden.

Da die bisherigen Lösungen in den meisten Mosolf-Niederlassungen auf AS/400-Programmen basieren, wurde für die gesamte Mosolf-Gruppe entschieden, die AS/400 weiterhin als zentralen Daten-Server beizubehalten. In der Niederlassung in Bremerhaven entstand somit die Anforderung, die AS/400 in eine PC-Netzwerk-Lösung zu integrieren. Dies wurde durch den Einsatz des SNA Server von Microsoft realisiert. Die Windows-Anwendungen der dargestellten Teilprojekte greifen über eine ODBC-Schnittstelle auf die DB2-Datenbank auf der AS/400 zu.

Anpassungen von einem Tag auf den anderen

Eine wichtige kommunikationstechnische Verbesserung stellt das Nachrichten- und Informations-System (NIS) dar. Es gewährleistet zum einen die automatische Steuerung des Datenaustauschs zwischen Mosolf und seinen zahlreichen Partnern: angefangen bei den Importeuren über die Hafenumschlagsunternehmen, Schiffsmakler und Händler bis hin zum Zoll. Darüber hinaus sorgt es für die Prüfung, Konvertierung sowie Ergänzung von ein- und ausgehenden Daten bis zur Übernahme in das relationale Datenbanksystem. Die Konfiguration des Systems zur Ablaufsteuerung und Datenkonvertierung wird durch eine einfache Bedienungsoberfläche unterstützt. Dies erleichtert die Anpassung an die sich stetig ändernden Anforderungen seitens der Fahrzeughersteller.

Das NIS beinhaltet auch die Integrations- beziehungsweise Konvertierungsmöglichkeit von Edifact oder anderen Standards. Ohne ein Standardwerkzeug wäre dieser Austausch mit erheblichem Aufwand verbunden, da die Hersteller Vorgaben über sehr unterschiedliche Standards - VDA, Odette, eigene Formate - machen. Hinzu kommt, daß die Hersteller häufig Datenstrukturen umgestalten oder erweitern, so daß Mosolf sich diesen Änderungen oft von einem Tag auf den anderen anpassen muß. Letztlich dient das NIS auch dem Datenaustausch zwischen Mosolf-Niederlassungen und der Hauptstelle in Kirchheim an der Teck.

Bei der Konzeption der zu entwickelnden Komponenten legte das Projektteam Wert auf die Verfolgung eines objektorientierten Ansatzes für Analyse, Design und Realisierung, um die spätere Pflege zu vereinfachen und die Austauschbarkeit von Komponenten zu gewährleisten. Die Anwendungsprogramme werden daher auch in C++ auf Grundlage der Microsoft Foundation Classes mit Unterstützung eines objektorientierten CASE-Tools entwickelt.

Für die Datenhaltung wurde ein zentrales relationales Datenmodell entworfen. Der Einsatz eines objektorientierten Datenbanksystems erschien zum einen aufgrund fehlender Standards zu riskant. Andererseits stand DB2 als Datenbanksystem auf der AS/400-Plattform bereits zur Verfügung und soll auch künftig für die noch laufenden RPG-Programme genutzt werden.

Damit ergab sich das Problem, Objekte aus den Anwendungsprogrammen in die relationale Datenhaltung zu transferieren. Zu diesem Zweck wurde ein Framework entwickelt, mit dem sich diese Beziehungen für alle Datenstrukturen in sämtlichen Programmen realisieren lassen.

Einen besonderen Service bietet Mosolf seinen Kunden mit dem Kunden-Informations-System (KIS). Auf diese Weise können Fahrzeughersteller online auf aktuelle Fahrzeuginformationen zugreifen. Folgende Anforderungen galt es zu berücksichtigen:

- einfache Bedienung durch den Anwender,

- einfache Pflege des Verfahrens durch Systemverwalter,

- Übersichtlichkeit durch die Verfügbarkeit einer bestimmten Anzahl von "Standard-Abfragen", in die die Mitarbeiter der einzelnen Fachbereiche beim Kunden Einblick haben,

- Übernahmemöglichkeit der angezeigten Informationen in andere PC-Anwendungsprogramme,

- Sicherheit der Daten gegenüber Einsicht oder Manipulation durch Unberechtigte,

- Zugang von jedem PC oder

- Notebook über analogen Telefon- beziehungsweise ISDN-Anschluß sowie

- leichte Erweiterbarkeit der Abfrage- und Anzeigemöglichkeiten auf Kundenanforderung.

Unter Einsatz von Internet- beziehungsweise Intranet-Technologie wurde ein umfangreiches KIS entwickelt. Als Daten-Server unter MS Windows NT fungiert der Microsoft Information Server als Web-Server. Dieser ist Bestandteil von MS Windows NT, benutzt die Sicherheitsmechanismen von Windows NT und enthält eine ODBC-Schnittstelle für Zugriffe auf die Datenbank.

Als Datenhaltungssystem für das KIS kommt wiederum eine relationale Datenbank zum Einsatz. Dieser Datenbank-Server arbeitet unabhängig von dem des Center-Management-Systems (CMS) und erhält seine Daten durch Replikation aus der CMS-Datenbank.

Die Daten stehen den Kunden in Form von "Web-Pages" im HTML-Format mit entsprechenden Grafik- und Datenbankerweiterungen offen. Damit ist ein weltweit gültiger, Betriebssystem-unabhängiger Standard im Einsatz. Die Erstellung der Web-Seiten läßt sich mit allgemeinen und kostenlos verfügbaren Tools unterstützen. Als Front-end beim Kunden werden Standard-Browser eingesetzt.

Intranet-Verbindung über Weitverkehrsnetze

Für die Übertragung wird - zunächst - nicht auf das Internet zugegriffen. Hier ist eine Direktverbindung über den Windows-RAS-Service (über Modem beziehungsweise ISDN) vorteilhafter, da die Informationen lediglich für einen bestimmten Kundenkreis gedacht sind. Entsprechende Sicherheitsmaßnahmen (Firewalls) können daher entfallen. Außerdem bieten Direktverbindungen eine bessere Performance und Übertragungssicherheit. Schließlich lassen sich die Schutzmechanismen bei Direktverbindungen leichter einstellen und überwachen. Bei der eingesetzten Kommunikationsverbindung handelt es sich daher um eine Intranet-Verbindung über Weitverkehrsnetze.

Die Einführung der beschriebenen Projekte ist für den Sommer 1997 vorgesehen. Prototypen für sämtliche Module sind bereits installiert und dienen der Fein- abstimmung zwischen den Projektbeteiligten von Mosolf und HEC. Umfangreiche Maßnahmen sind allerdings noch im Bereich Qualifikation sowohl für die Anwender als auch für die Systemverwaltung zu treffen. Darüber hinaus müssen die Daten für mehr als 100000 Fahrzeuge in das neue DV-System übernommen, geprüft und konvertiert werden. Der mit der Einführung verbundene Aufwand ist nur vertretbar, wenn sich daraus auch Optimierungsmöglichkeiten ergeben. Mosolf Eurocar verspricht sich hiervon einen raschen Return on Investment.

Außerdem ist die höhere Kundenbindung für Mosolf von entscheidender Bedeutung. Sie wird erreicht durch umgehende Reaktionsmöglichkeiten auf veränderte Kundenanforderungen und weitere Serviceleistungen durch Zugriffsmöglichkeiten auf aktuelle Fahrzeuginformationen zu jeder Zeit und an jedem Ort. Schließlich ist beabsichtigt, die entwickelten Komponenten nicht nur in Bremerhaven, sondern auch in anderen Mosolf-Niederlassungen im europäischen Ausland einzusetzen.

Das Unternehmen

Die Horst Mosolf Eurocar GmbH in Bremerhaven ist eine von über 30 Niederlassungen der Mosolf-Gruppe, deren Zentrale sich in Kirchheim an der Teck befindet. Mosolf übernimmt im Auftrag von zahlreichen Fahrzeugherstellern die Transporte vom Werk zum Händler. Das Dienstleistungsspektrum umfaßt neben dem logistischen Service technische Adaptionen und Erweiterungen für Sonderserien oder exklusive Einzelstücke. 1996 bearbeitete die knapp 200 Mitarbeiter zählende Mosolf Eurocar Gruppe rund 90000 Lieferaufträge. Die gesamte Automobillogistik wird durch direkte DV-Anbindung der Kunden und anderer in die Logistikkette involvierte Unternehmen unterstützt.

Das Projekt

Ziel der Einrichtung der neuen IT-Struktur bei Mosolf Eurocar ist es, sämtliche mit der Auftragsbearbeitung verbundenen Daten auf eine einheitliche Basis (DB2 als relationale Datenbasis) zu stellen. Darüber hinaus läßt sich durch die Einbindung der vorhandenen AS/400 in ein Netzwerk mit Windows-NT-Servern und -Arbeitsstationen die Verbindung zwischen Individuallösungen für die abteilungsübergreifende Auftragsabwicklung und Standardkomponenten für den Office-Bereich und für Auswertungen herstellen. Der Aufbau neuer Kommunikationsstrukturen soll ferner die Anbindung der Kunden fördern. Das Nachrichten-Informations-System (NIS) ist in der Lage, die heterogenen und sich häufig ändernden Anforderungen der Automobilhersteller beziehungsweise Importeure zu berücksichtigen.

Angeklickt

Das Nachrichten- und Informationssystem (NIS) sowie das Kunden-Informationssystem (KIS) des Automobillogistik-Service Mosolf Eurocar, Bremerhaven, greifen auf ein relationales Datenbanksystem zu. Das Projektteam der GmbH legte allerdings Wert auf einen objektorientierten Ansatz für Analyse, Design und Realisierung der Systeme, um die spätere Systempflege zu vereinfachen und die Komponenten austauschbar zu halten.

*Wolfgang Meyer-Scheer ist Geschäftsführer der Mosolf Eurocar GmbH in Bremerhaven.