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12.10.1990

Kundenschutz bis zur Selbstaufgabe

Rücksichtnahme auf die Kunden, die ihre in die Anwendungssoftware getätigten Investitionen - immense Beträge gewiß - nicht in den Schornstein schreiben wollen: Muß die beim Hersteller bis zur Selbstaufgabe gehen? Natürlich nicht. Aber so ist die Frage nicht gemeint. Wer als Anwender nicht honoriert, daß die Einführung wirklich neuer, innovativer Hardwareprodukte - und dies bedeutet auch: das Verschrotten alter Systeme - dem Hersteller einiges abverlangt und ihn überdies finanziell stark belastet, wer also aus einem falschen Verständnis von Kompatibilität heraus keine Experimente will, der betreibt auch die Demontage des "verhinderten" Lieferanten. Wenn der dann stolpert, ist das Gejammere groß. Mit "Unisys" haben wir so einen Fall (Seiten 1 und 118).

Der vor vier Jahren durch den Zusammenschluß von Sperry (vormals Univac) und Burroughs entstandene Notverbund zweier IBM-Geschädigter hatte es von Anfang an schwer: Proprietäre Altlasten standen einem Neubeginn, quasi von Null, im Wege. Auf dieses Ehe-Hindernis haben wir hingewiesen (CW Nr. 23 vom 6. Juni 1986): "Die Rechnung Blumenthals kann nur aufgehen, wenn die noch gesunden Teile beider Unternehmen gestärkt aus der Fusion hervorgehen. Nur: Der Mainframe-Bereich von Sperry wird trotz nachweislicher Erfolge mit der betagten ll00-Reihe nicht zu den Eckpfeilern des neuen Imperiums gehören. Dazu ist er zu brüchig - was man mit Fug und Recht vom Burroughs-Maschinenpark auch sagen kann."

Falsch war diese Einschätzung keineswegs. Daß Unisys große Anstrengungen unternommen hat, sich als Vorreiter im Unix-Markt, bei offenen Systemen, zu profilieren, ist unumstritten. Der endgültige Durchbruch wurde gleichwohl nicht geschafft. Doch welcher Hersteller mit proprietärer Vergangenheit kann schon von sich behaupten, ein "open systems winner" zu sein? IBMs Erfolg als Verhinderer von offenen Systemen steht hier nicht zur Debatte. Unisys steckt in einer tiefen Krise. Was ist schiefgegangen? Man würde es sich zu leicht machen, das Scheitern auf schlechtes Timing bei Unix zurückzuführen. Es traf aber wohl nicht den Kern, was wir am 6. Juni 1986 (siehe oben) über die Unisys-Situation geschrieben haben: "Ein Grund sich für die "alten" Mainframe-Kunden zu schlagen, läßt sich nicht herleiten. Der krampfhafte Versuch, loyal gegenüber den eigenen Altkunden zu bleiben, kann das Bündnis nur belasten."

Stimmte es also, daß Unisys letztlich nur verlieren kann, weil ein vernünftiger Mittelkurs im Sinne einer Koexistenz von Unix und proprietären Systemen nicht durchzusetzen ist? Es kommt auf die Kunden an. Ginge es allein um Mitleid, Unisys wäre verloren. Doch die Anwender wissen mittlerweile, daß sie nur mit offenen Systemen gewinnen können Damit könnte auch Unisys profitieren.