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25.01.1985

Kundenwünsche rücken stärker in den Vordergrund, aber:Flexibilität attackiert oft Betriebsergebnis

Die Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit eines Fertigungsunternehmens hängt wesentlich von der Qualität und vom Preis seiner Produkte ab. In steigendem Maße werden aber von den Kunden auch kürzere Liefertermine, schnellere Anpassung an Änderungswünsche und hohe Auskunftsbereitschaft über den Auftragsstand gefordert. Da die Auftraggeber mit immer knapperen Beständen an Halbfabrikaten und Zukaufteilen produzieren, wird auch von den Lieferanten eine immer höhere Liefertermintreue verlangt.

Außer diesen Erwartungen an höhere Flexibilität muß jedes Unternehmen jedoch seine eigenen betriebswirtschaftlichen Zielsetzungen berücksichtigen, wie etwa kurze Durchlaufzeiten, niedrige Bestände oder gleichmäßige Kapazitätsauslastung.

Diese miteinander konkurrierenden Ziele zu erreichen und zu sichern, ist grundsätzlich die Aufgabe eines Produktionsplanungs- und -steuerungssystems (PPS). Es muß in der Lage sein, diese Zielkonflikte möglichst optimal zu lösen. und zugleich die betrieblichen Mittel - Maschinen- und Personalkapazität, Material und Werkzeuge - in ausreichender Menge, rechtzeitig und am richtigen Ort bereitzustellen.

Rasche Anpassung gefordert

Die meisten bisher installierten PPS-Systeme arbeiten nach dem Prinzip der Stapelverarbeitung, das heißt, in periodischen Abständen wird das gesamte Datenmaterial nach vorbestimmten Regeln neu aufbereitet, zum Beispiel Termin- oder Materialbedarfsplanung. Der Sachbearbeiter hat dabei nur geringen Eingriffs- und Entscheidungsspielraum, und die Aktualität der Daten ist gering.

Ein für die heutigen Bedingungen geeignetes und wirksames Planungs und Steuerungssystem muß sich aber an kurzlebige Marktsituationen rasch anpassen können. Für Ablaufstörungen in der Fertigung, für Änderungen in den Arbeitsabläufen und für Terminverschiebungen und Mengenänderungen werden geringe Reaktionszeiten gefordert.

Voraussetzung hierfür ist das Arbeiten mit dem System im Dialog. Die sofortige Erfassung, Speicherung und Verarbeitung aller für die Auftragsabwicklung wichtigen Informationen und Vorgänge wird durch den Einsatz moderner Datenbanktechniken ermöglicht. Der qualifizierte Sachbearbeiter in der Fertigungsplanung und -steuerung wird zum Dialogpartner des Systems. Beim Auftreten von Zielkonflikten trifft er seine dispositiven Entscheidungen interaktiv mit dem Rechner anhand der aktuellen Daten auf dem Bildschirm.

Ein PPS-System sollte in besonderer Weise auf diese Anforderungen abgestimmt sein: Es besteht im Kern aus einer im Dialog arbeitenden Stammdaten- und Fertigungsplanverwaltung, einer Realtime-Terminierung und einer Werkstattsteuerung mit belastungsorientierter Auftragsfreigabe. Die Materialwirtschaft ist in der Terminierung integriert. Über eine tägliche Deckungsrechnung und die Bestellabwicklung wird die Materialbeschaffung ausgelöst.

Durch die konsequente Realtime-Verarbeitung ist der aktuelle Stand des Betriebsgeschehens jederzeit abrufbar und ermöglicht sofort vielfältige Aussagen für weitere Entscheidungen. So können zum Beispiel folgende Fragen jederzeit beantwortet werden:

- Welche Fertigungsaufträge laufen für ein bestimmtes Teil beziehungsweise Erzeugnis?

- Wo befindet sich ein Werkzeug?

- Welchen Arbeitsplatz hat ein bestimmter Auftrag erreicht?

- Welche Menge eines Auftrags ist fertiggestellt und bis zu welchem Arbeitsgang?

- Wo bestehen alternative Fertigungsmöglichkeiten?

- Auf welche Aufträge kann sich eine Änderung im Fertigungsplan auswirken?

- Was liegt momentan im Wareneingang?

Damit erhält das Unternehmen Informationen von hoher Qualität. Der Auftragsdurchlauf wird jederzeit überschaubar. Kundenanfragen können umgehend telefonisch beantwortet und Bedarfsänderungen kurzfristig bearbeitet werden.

Fertigungspläne, das sind Stücklisten und Arbeitspläne, haben in der Fertigungsplanung eine wesentliche Funktion. Die Fertigungspläne werden so aufgebaut, daß sie alle benötigten Einzelteile (Halbzeuge, Zukaufteile, Baugruppen), Werkzeuge und Arbeitsplätze in der technologisch richtigen Reihenfolge enthalten.

Dabei ist es wichtig, daß mit Hilfe des Produktionsplanungs- und -steuerungssystems die Positionen der Stückliste und die Arbeitsgänge so zusammengestellt und verknüpft werden, wie sie für den Fertigungsablauf benötigt werden. Das erforderliche Material steht jeweils bei dem entsprechenden Arbeitsgang. Die Materialbedarfstermine und die Werkzeuge sind somit den Startterminen der Arbeitsgänge zugeordnet.

Durch diese übersichtliche Strukturierung ist die Voraussetzung gegeben, die Verfügbarkeit von Material, Werkzeug und Fertigungskapazität simultan und im Dialog zu prüfen. Erfolgt diese Zuordnung nicht, sind ungenaue Materialbereitstellungen, unsichere Bedarfstermine und damit längere Durchlaufzeiten und höhere Umlaufbestände die Folge.

Interaktiv stets aktuell

Durch die Termindisposition erfolgt die zeitliche Einplanung der Fertigungsaufträge. Die Terminierung erfolgt im Realtime-Betrieb und läßt manuelle Eingriff zu. So werden etwa Engpässe in der Maschinenoder Materialverfügbarkeit vom Termmsachbearbeiter interaktiv mit dem System gelöst. Bemerkt das System Fehler oder tritt eine Situation auf, die eine Entscheidung verlangt, hält das Programm an und zeigt die aufgetretene Situation auf.

Kann bei einem eiligen Fertigungsauftrag der Wunschtermin nicht eingehalten werden, da das erforderliche Werkzeug zum gewünschten Einsatztermin nicht zur Verfügung steht, so wird dies am Bildschirm durch eine entsprechende Anzeige über der betroffenen Fertigungsplanposition signalisiert. Der Disponent kann sich nun durch Aufrufen spezieller Bildschirmanzeigen darüber informieren, welche Aufträge im Engpaß miteinander konkurrieren und mit welcher Menge zu welchen Terminen diese eingeplant oder schon in Arbeit sind. Dies versetzt ihn in die Lage, mit dem Vertrieb abzustimmen, welcher Auftrag zu Gunsten des gewünschten Eilauftrags verschoben werden kann. Nach Klärung des Sachverhalts erfolgt die weitere Bearbeitung.

Die Terminierung wählt automatisch die richtigen Terminvarianten aus und unterstützt auch die Fertigungsalternativen, das Überlappen von Arbeitsgängen, das Aufteilen von Fertiungsaufträgen und das Einfugen von Arbeitsgängen. Mit der Terminierung wird das Auftragsnetz im Net-Change-Verfahren erstellt.

Kontinuität gewährleistet

Die Werkstattsteuerung sollte Auftragsfreigabe und Rückmeldung beinhalten. Die Freigabe der Fertigungsaufträge erfolgt belastungsorientiert. Aus dem terminierten Auftragsbestand werden die Fertigungspapiere, wie Material- und Lohnschein, Auftragskarte, Begleitkarte oder Werkzeugentnahmeschein gedruckt und dann die Arbeitsverteilung geleitet. Dabei wird pro Arbeitsplatz nur ein bestimmter Auftragsbestand freigegeben, dessen Höhe über die sogenannte Belastungsschranke festgesetzt ist. Damit wird das Arbeitsvolumen nur so groß gehalten, daß eine kontinuierliche Auslastung gewährleistet ist. Gleichzeitig wird dadurch der Umlaufbestand minimiert.

Der Arbeitsbestand in der Warteschlange ermöglicht dem Fertigungsmeister einen Spielraum in der Reihenfolgeplanung der einzelnen Arbeitsgänge. Über Rückmeldungen

wird dann der Auftragsbestand pro Arbeitsplatz abgebucht. Rückmeldungen können erforderlich sein für Materialentnahmen, Arbeitsfortschritt und Lohn nach dem Meilensteinprinzip organisiert werden. Die Genauigkeit und Vollständigkeit der Rückmeldungen beeinflußt entscheidend die Versorgung der Werkstatt mit neuen Aufträgen und die Auskunftsfähigkeit über den Stand der Aufträge.

Wegen der Komplexität und den bereichsübergreifenden Auswirkungen bei der Einführung eines solchen PPS-Systems ist es sinnvoll, eine Projektgruppe aus Mitarbeitern der DV-Abteilung und den betroffenen Fachbereichen zu bilden. Zuerst müssen die Basisdaten den Erfordernissen des neuen PPS-Systems angepaßt werden: Stücklisten und Arbeitspläne werden überarbeitet beziehungsweise um Steuerungsdaten ergänzt. Zudem kann es notwendig werden, Terminierungsparameter einzufügen, neue Teilenummern für Rohstoffe und Werkzeuge zu vergeben und alternative Arbeitsgänge zu definieren. Manches, was bisher noch vom Meister entschieden wurde, muß nunmehr im Arbeitsplan festgehalten werden. Ein Nebeneffekt dieser Arbeiten besteht darin, ungängige Arbeitspläne auszusondern und zugehörige Werkzeuge in die Verschrottung zu geben.

Org.-Angleich an PPS wichtig

Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg und die Akzeptanz des Projekts ist die Lösung organisatorischer Probleme, so etwa eine verbesserte Bereitstellung von Material und Betriebsmitteln oder die Umstellung des Werkzeugtransportes. Auch die neugeschaffenen Fertigungsbelege verlangen nicht selten einen anderen organisatorischen Ablauf. Für die zusätzlich erforderlichen Informationen und Dateninhalte, wie beispielsweise laufende Arbeitsplatzkapazität, Dispositionsspielräume, Wiederbeschaffungszeiten oder Terminierungsparameter müssen neue Verantwortungen festgelegt werden.

Eine intensive Schulung der Mitarbeiter und übersichtliche Arbeitsanweisungen sind darüber hinaus jeweils aufgabenbezogen erforderlich und wichtige Voraussetzungen für den Erfolg des Projekts.

Nach den aufgezeigten Gesichtspunkten ist heute bei den Elring-Dichtungswerken das Produktionssteuerungssystem "Profis" in mehreren Fertigungsbereichen voll eingesetzt. Die Vorarbeiten für den letzten Bereich sind bereits angelaufen. Herausragendes Merkmal in der Handhabung des neuen Systems ist die erheblich bessere Aktualität und Qualität der Bildschirminformationen über den Stand von Stücklisten, Arbeitsplänen und Fertigungsaufträgen.

Es sind wesentlich mehr Daten abgespeichert und sofort verfügbar, als früher. Die Arbeitsplanung hat dadurch erheblich größere Möglichkeiten, ihre Funktion als "Informationsdrehscheibe" für alle den Fertigungsprozeß betreffenden Festlegungen und Aussagen zu erfüllen.

Ähnliches gilt für die Fertigungssteuerung. Für die Produktion, vor allem aber für den Vertrieb, sind jetzt Sofortinformationen vorhanden, beispielsweise über Auslastung,

Arbeitsfortschritt, Rückstand und Materialverfügbarkeit je Auftrag die früher nur nach mehr oder weniger zeitraubenden Rückfragen gegeben werden konnten.

Der gesamte Auftragsdurchlauf ist auf wenige Auflaufschritte und Formulare gestrafft worden. Allerdings hat sich auch gezeigt, daß die Anforderungen an den Sachbearbeiter in der Fertigungsplanung und -steuerung steigen: Es findet eine Verlagerung von einfachen zu qualitativ höherwertigen Aufgaben statt. Für die Mitarbeiter bedeutet dies Hinzulernen und ständige Weiterbildung.

Es zeigt sich aber bereits deutlich, daß die Auftragsdurchlaufzeiten in der Fertigung kürzer werden. Durch exakte Werkzeug- und Materialverfügbarkeit werden Wartezeiten vor dem Auftragsstart vermieden. Das Auftragsvolumen vor den Maschinen und damit die Liegezeiten haben abgenommen.

Transparenz als Ziel

Durch diese Maßnahmen wurde eine mittlere Durchlaufzeitverkürzung von 20 bis 25 Prozent ermittelt. Die Streuung der Liefertermine ist deutlich zurückgegangen. Das bedeutet auch eine entsprechende Kostensenkung durch weniger Beständen der Werkstatt und in den Zwischenlagern.

In dem Maße, wie größere Disziplin und Sorgfalt in der Arbeitsvorbereitung erforderlich werden, ist aber auch vom Vertrieb eine höhere Qualität der Programmplanung zu verlangen. Flexibilität kann zum Beispiel nicht heißen, einmal gestartete Fertigungsaufträge in fast beliebiger Weise ohne entsprechenden Aufwand zu verändern - das verkraftet kein PPS-System. Ein solches System muß vor allem die Terminsituation transparent machen, um daraus Lösungsalternativen abzuleiten.

Für das Projekt war bis jetzt ein Aufwand von zirka 15 Mannjahren durch DV- und Fachabteilungen erforderlich. Die Einführung in weiteren Werken des Unternehmens ist bereits begonnen worden.

Günther Möller ist Leiter der Arbeitsvorbereitung und Fertigungssteuerung bei der Elring

Dichtungswerke KG in Dettlingen/Erms.

_AU:Günther Möller