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17.04.1998 - 

Alle Fäden sollen wieder in einer Hand zusammenlaufen

Kunert AG strickt ihre IT mit Network Stations

Die Nachfrage nach Textilien ist seit Jahren rückläufig. Da auch Kunert besonders im Segment Feinstrumpfhosen Verluste hinnehmen mußte, wurde die Unternehmensgruppe 1996 umstrukturiert. Die Kunert AG übernahm als Holding die Konzernleitung, Produktion und Warenbereitstellung wurden in einer Produktionsgesellschaft zusammengefaßt, die Markenbereiche Kunert, Hudson, Arlington und Silkona agieren als eigenständige Vertriebsgesellschaften im Markt. Auf diese Weise hofft das Unternehmen, flexibler auf den gestiegenen Wettbewerbsdruck reagieren zu können.

Auch die konzernweite Datenverarbeitung mußte den neuen Anforderungen Rechnung tragen. "Zur straffen Führung unseres verzweigten Unternehmens ist auch in der DV eine gewisse Zentralisierung nötig", lautet die Überzeugung von Werner Fetzer, als Prokurist und Hauptabteilungsleiter Datenverarbeitung für die 17köpfige IT-Mannschaft in Immenstadt verantwortlich. "Nur so kann man kurzfristig auf die sich ständig bewegenden Märkte reagieren und Wettbewerbsvorteile erzielen. "

Zentralisierung bedeutet bei Kunert auch Konsolidierung. Das Unternehmen ist damit beschäftigt, seiner heterogenen IT-Landschaft ein einheitlicheres Erscheinungsbild zu verpassen (siehe Kasten "Das System"). Dateninkonsistenz, unterschiedliche Release-Stände, Viren- und Sicherheitsprobleme, Anwendungswildwuchs, ständiges Aufrüsten der PCs und das zeitaufwendige "Turnschuh-Netzwerk" sollen möglichst schnell der Vergangenheit angehören.

Diese Homogenisierung darf aber nicht dazu führen, daß sich die Mitarbeiter mit neuen Anwendungsumgebungen vertraut machen müssen. Für einige ältere Anwender ist der grüne Bildschirm nämlich ebenso unverzichtbar wie für die jüngeren Kollegen eine grafische Bedienoberfläche. Eine Lösung für dieses Dilemma bieten Netzwerk-Computer (NCs) - also DV-Geräte ohne eigene Massenspeicher und mit beschränkter Verarbeitungskapzität - auf denen sich unterschiedliche Oberflächen einrichten lassen: "character based" für ältere Anwender oder grafisch für Windows-Fans. Kunert ist AS/400-Anwender. Insofern lag es nahe, daß das Unternehmen die NCs der IBM ("Network Stations") auswählte.

Diese Entscheidung war allerdings umstritten. Teile der Belegschaft hätten es lieber gesehen, wenn die 190 Terminals aus der 3477-Familie durch konventionelle "Net PCs" ersetzt worden wären. Für die NCs sprachen schließlich aber eine Reihe von Argumenten - darunter der gegenüber einem handelsüblichen Rechner mit 166-Hertz-Pentium-Chip um 1000 Mark niedrigere Anschaffungspreis. Viel gravierender waren jedoch Vorteile wie zentrale Datenverwaltung, Softwarewartung und -verteilung sowie hohe Datensicherheit bei individueller Gestaltung des Arbeitsplatzes und bessere Steuerungsmöglichkeiten.

Im Vertrieb hat Kunert bereits 25 Network Stations installiert. Laut Systemadministrator Michael Müller laufen sie seit Monaten stabil. "Die Administration ist viel einfacher als bei PCs", freut er sich, "keiner kann mehr versehentlich Systemwerte löschen oder ändern, andere Treiber laden oder sich unüberschaubar Software aus dem Internet holen. "

Allerdings darf man über diesen Vorzügen nicht vergessen, daß die neue Umgebung auch Kosten verursacht. So mußten beispielsweise die alten Twinax-Verbindungen einem wesentlich teureren, aber leistungsfähigeren Token-Ring-Netz weichen.

Am 16-Mbit/s-Token-Ring in Immenstadt hängen die zentrale AS/400 mit den Konzernanwendungen, die beiden NT-Server sowie derzeit 47 PCs und 25 Network Stations. Müller lobt vor allem die Performance. "Obwohl jedes Windows-Piktogramm übers Netz vom File-Server geladen wird, ist Word am NC doppelt so schnell geöffnet wie an meinem 166-Pentium Pro".

Wer nur den grünen AS/400-Bildschirm benötigt, braucht nicht erst via "Client Access" oder ähnlichem eine 5250-Emulation zu starten wie beim PC. Beim NC drückt der User lediglich auf das AS/400-Icon, woraufhin er direkt mit der Midrange-Maschine verbunden ist.

Physisch liegen alle Anwender auf demselben Server mit Raid-5-Plattensystem. Dabei hat jeder von ihnen seine eigenen Verzeichnisse und Unterverzeichnisse, auf die niemand Unbefugter zugreifen kann.

Daten aus der AS/400 können über die 5250-Schnittstelle mit Cut and paste in eine Windows-Anwendung übernommen werden. Wenn jemand zusätzlich zu seinem alphanumerischen Bildschirm später auch die Windows-Oberfläche benötigt, schaltet der Systemadministrator sie über das Tool "Network Station Manager" frei, ohne daß irgendeine Software nachinstalliert werden müßte. Das Anwendungsprofil mitsamt den zugehörigen Berechtigungen läßt sich zentral einstellen und verändern.

Aufgrund der positiven Erfahrungen will Kunert sukzessive alle Bereiche mit Network Stations ausstatten. Auf den Vertrieb sollen zunächst Beschaffung und Einkauf folgen. Innerhalb der kommenden zwei Jahre werden erst einmal die 190 über Twinax angeschlossenen Terminals durch NCs ersetzt. Die PCs stehen weiter unten auf der Prioritätenliste. Auf sie kann das Unternehmen nicht ganz verzichten, da die Lieferanten ihr Sortiment häufig auf CD-ROM präsentieren. Auch im technischen Bereich, beispielsweise zur Steuerung von Produktionsmaschinen, sind PCs nach wie vor notwendig. Sie werden im Jahr 2000 voraussichtlich noch 20 Prozent der Endgeräte stellen.

DAS UNTERNEHMEN

Dem alten Handwerk des Strickens widmet sich die Familie Kunert seit 1907. In Immenstadt, dem jetzigen Hauptsitz der Aktiengesellschaft, wurde im vergangenen Jahr 50jähriges Jubiläum gefeiert. Der europaweit tätige Markenhersteller für grob- und feingestrickte Beinkleider erzielte 1997 mit Hilfe seiner 3600 Mitarbeiter einen Umsatz von 444,3 Millionen Mark. An sieben Standorten im In- und Ausland - darunter ein großes Werk in Marokko - produzierte er rund 100 Millionen Paar Strumpfhosen, Stümpfe und Socken nach den Richtlinien des Öko-Tex-Standards 100. Deutschland ist mit einem Umsatzanteil von 70 Prozent der größte Absatzmarkt; es folgen die Niederlande, Österreich, die Schweiz und Frankreich. Aber künftig will das Unternehmen auch Rußland und China mit seinen Produkten bestricken.

DAS SYSTEM

Die konsolidierte IT-Umgebung bei Kunert in Immenstadt sieht folgendermaßen aus:

AS/400-Rechner dienen als Daten- und Anwendungs-Server für Standardanwendungen in den Bereichen Finanzbuchhaltung, Lagerwirtschaft und Vertriebsabwicklung; sie basieren auf dem ehemaligen IBM-Produkt "MAS 90" und wurden von der BIW GmbH, Weinheim, weiterentwickelt.

Mit Windows NT arbeitet der von IBM stammende Applika- tions-Server für die Standardsoftware und andere Anwendungen ("IBM PC Server 704").

Das Groupware-Produkt "Lotus Notes", das der Kommunikation mit Kunden und Lieferanten dient, läuft ebenfalls auf einem NT-4. 0-basierten Server von IBM ("PC 320").

Die verbliebenen PCs (derzeit 47) nutzen Windows 95.

Die Terminals und die meisten PCs werden durch "Network Stations 300" von IBM ausgetauscht.

Über "Win Center Pro 3. 0" von Citrix werden die "Notes"-Clients, die Microsoft-Tools "Office 97", "Acess", "Word", "Excel" und "Outlook" (Client-Komponente von "MS Exchange") sowie der Browser ("Netscape Navigator") zur Verfügung gestellt.

Ein Token-Ring-Netz ersetzt die bisherige Twinax-Verbindung.

Sonja Hübner ist freie Journalistin in Stuttgart.