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29.11.1991

Kurtzig: "Ich glaube, Microsoft hat gewonnen"

Die ASK Computer Systems Inc., Mountain View, Kalifornien, ist unter anderem in der Applikationsentwicklung für die Fertigungsindustrie tätig und seit Oktober 1990 die Muttergesellschaft des Datenbankanbieters Corp. Mit dieser Akquisition - die Tochter ist größer als die Mutter - bewegt sich die ASK der Grenze zu einer halben Milliarde Dollar Umsatz; eine Milliarde ist das Ziel. Wie Sandra Kurtzig, Gründerin, Teilhaberin und Chefin der ASK-Companies dieses Wachstum realisieren und organisieren will, schilderte sie COMPUTERWOCHE-Redakteur Heinrich Seeger anläßlich der Ankündigung von Release 6.4 der Ingres-Datenbank in Brüssel.

CW: Man sagt, Ingres sei eher an Technologien als am Marketing orientiert, und der wirtschaftliche Erfolg könnte durch stärkere Marketing-Bemühungen größer werden. Wie stehen Sie dazu?

Kurtzig: Das stimmt wohl. Wir fangen gerade an, etwas mehr zu tun; Mitte Dezember wird eine weltweite Werbekampagne starten. Man hat die Wahl, sein Geld in die Werbung oder in Technologie-Entwicklung zu stecken. Wir ziehen es eigentlich vor, in Technologie zu investieren, aber der Markt legt uns nahe, mehr als bisher für die Öffentlichkeitsarbeit auszugeben.

Die letzten neun bis zwölf Monate haben wir damit zugebracht, das Tagesgeschäft zum Laufen zu bringen. Alle Datenbankanbieter hatten im vergangenen Jahr große finanzielle Probleme. Als wir Ingres kauften, war dort ein Quartalsverlust von 30 Millionen Dollar angefallen. Das wurde allerdings nie bekanntgegeben. Wir hielten es für richtig, die Ingres-Technologie zu erhalten, darin zu investieren und mit neuen Produkten wie der gerade angekündigten Version 6.4 der Ingres-Datenbank herauszukommen.

CW: Wie beurteilen Sie das europäische Segment ihres Marktes?

Kurtzig: Die Kunden - besonders in Europa - verlangen nach langfristigen Partnerschaften. Europa ist stärker Technologie-orientiert; die Kunden hier schauen unter die Oberfläche und wollen die Substanz eines Angebotes analysieren. Das ist auch der Grund, glaube ich, warum Ingres gerade in Europa so ein starkes Wachstum hingelegt hat. Europa ist gewissermaßen technologisch führend: Unix ist hier viel weiter verbreitet als in den USA.

CW: ASK erzielte 1989 vor der Übernahme von Ingres nur 17 Prozent vom Umsatz außerhalb der USA. Wollen Sie diesen Anteil selbst ausweiten oder ausschließlich durch Akquisitionen?

Kurtzig: Ingres hat uns international gemacht, ganz klar. Unter anderem darum haben wir das Unternehmen gekauft. Das ASK-Kerngeschäft wird auf kurze Sicht international nicht wachsen, weil die Produkte nicht einfach zu übersetzen sind. Künftige Generationen von ASK-Produkten werden aber von Anfang an mehrsprachig entwickelt.

CW: Sie haben Ingres auch übernommen, weil deren Entwicklungsprodukte zu den ASK-Applikationen Passen. Jetzt sind die ASK-Anwendungen die einzigen, die Sie auf der Ingres-Datenbank anbieten. Werden Sie sich die Kontrolle über weitere Anbieter von Datenbankanwendungen verschaffen?

Kurtzig: Das ist möglich, aber nicht erforderlich. Wir haben jetzt eine stabile Struktur. Viele Unternehmen treten jedoch an uns heran, weil die Ingres-Akquisition so erfolgreich war und wir das Unternehmen nicht umgekrempelt haben.

Wir fördern die Stärke von Ingres, nämlich die Produktentwicklung, und sorgen dafür, daß das Unternehmen schneller wachsen kann. Wir sind offenbar interessant für jeden Investment-Banker und für jedes Unternehmen, das übernommen werden möchte; jedenfalls kommen sie zu uns. Aber zuerst wollen wir mal ein paar Monate Ruhe haben.

CW: Ohne eine Ausweitung des Angebotes werden Sie es auch wohl kaum auf einen Umsatz von einer Milliarde Dollar bringen. Wie verfolgen Sie dieses Ziel?

Kurtzig: Wenn man die ersten Schritte im Schlafzimmer macht, ist eine Million eine große Zahl; dann zwei Millionen, dann zehn, dann hundert. Ich weiß nur, daß die zweite Million wesentlich einfacher war als die erste. Also könnte ja auch die zweite Hälfte der Milliarde Dollar einfacher zu erreichen sein als die ersten 500 Millionen. Ich habe aber keinen Zeitplan.

Wir können im übrigen auch intern wachsen. Von Ingres erwarten wir eine Menge in der Beziehung - der Bereich allein könnte ein Milliardenunternehmen werden. Wenn wir die Expansion unter Kontrolle halten, kann Ingres außerdem sehr profitabel werden. Die ASK-Anwendungen für die Fertigungsindustrie sehen wir gleichfalls als ein Wachstumsfeld, und der dritte Bereich ist das AS/4OÖ-Geschäft, das momentan mit 21 Millionen Dollar noch sehr klein ist. Aber für IBM macht die AS/400 ein 90-Milliarden-Geschäft aus, 200000 Stück haben sie davon verkauft. In dem Markt ist eine Menge zu holen. Wir könnten es also ganz ohne weitere Akquisitionen schaffen. Vielleicht kaufen wir dennoch zu, einfach weil wir in einer guten Position dafür sind.

CW: EDS hält 19,7 Prozent, Hewlett-Packard zehn Prozent an ASK. Wie wirkt sich dieser Einfluß aus?:-

Kurtzig, Nur positiv. Mit HP ist es ähnlich wie mit den Eltern, die man um Geld bittet. Als ich ASK aufgebaut habe, hat mir mein Vater 25 000 Dollar gegeben.

Für die Übernahme von Ingres brauchten wir 60 Millionen Dollar; wegen 20 Millionen nur ein paar Nullen mehr sind wir zu HP gegangen. Wenn wir Anteile abstoßen würden, könnte HP nicht über elf und EDS nicht über 22 Prozent auf sich vereinigen. Das ist vertraglich ausgeschlossen, ich glaube für sieben oder zehn Jahre.

Was EDS angeht: Wir sehen uns in der Situation eines weltweit operierenden Unternehmens, das für seine lebenswichtigen Anwendungen Netzkapazitäten benötigt. EDS ist Teil des größten Unternehmens der Welt, General Motors, und mit sechs Milliarden Dollar Umsatz wahrscheinlich der beherrschende Systemintegrator. Wir wollen selbst nicht ins Systemintegrations-Geschäft, anders als Oracle.

Für ein solches Angebot bedarf es sehr spezieller Fähigkeiten, und die hat EDS. Die Firma beeinflußt uns jedoch nicht, und zwar vor allem, wie ich glaube, weil sie einverstanden ist mit dem, was wir machen. Wir sind die Visionäre, und sie bringt die Sachen zur Wirkung. Das Zusammenspiel funktioniert sehr gut.

CW: IBM hat für 1992 beziehungsweise 1993 Datenbanken unter OS/2 Extended Edition und unter AIX anokündigt. Diese Produkte zielen in Ihren Markt. Wie schätzen Sie deren Chancen und die Gefahr für Ihren Umsatz ein?:

Kurtzig: Wir sind ja nicht im DB2- oder IMS-Geschäft. IBM besitzt diesen Markt. Wir realisieren den Zugriff auf die Daten, egal auf welcher Maschine. Die Kunden wollen Anwendungen in einer bestimmten Client-Server-Umgebung entwickeln und sie ohne jede Änderung und vor allem transparent auf verschiedenen Clients und Servern einsetzen.

Die IBM-Datenbank wird nur in einer proprietären IBM-Umgebung laufen.

Was OS/2 angeht: Unsere Produkte unterstützen das System. Windows 4GL haben wir zwar noch nicht auf den Presentation Manager portiert, aber eine Grüppe arbeitet daran. Es gibt vorerst keinen Grund, OS/2 nicht zu unterstützen, und wir werden das auch mit allen Produkten machen, wenn OS/2 ein wichtiger Marktteilnehmer werden sollte.

Ich glaube jedoch, daß Microsoft gewonnen hat.

CW: Werden Sie die ACE-Architektur beziehungsweise das 32-Bit-Windows NT unterstützen?

Kurtzig: Wir haben die Beta-Versionen und entwickeln für NT wie auch für Windows 3.1. Damit bedienen wir den Intel- Markt, das ist gar keine Frage. Ob es mit ACE etwas wird, bezweifle ich. Alle in der Gruppe machen ihr eigenes Ding. Mir kommt es nicht so vor, als könnte daraus wirklich ein Standard werden.